Mädchen mit der Peitsche, Das

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Bewertung
***
Originaltitel
Kitten With A Whip
Kategorie
Post Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1964
Darsteller

Ann-Margret, John Forsythe, Peter Brown, Patricia Berry, Richard Anderson

Regie
Douglas Heyes
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Das Maedchen mit der Peitsche-Poster-web1.jpg Das Maedchen mit der Peitsche-Poster-web3.jpg

© Universal Pictures

San Diego, Kalifornien: Am Bahndamm entlang flieht die 17jährige Jody Dvorak (An-Margret) vor dem Wachpersonal mit ihren Schäferhunden. Schließlich erreicht sie eine wohlhabende Gegend, wo sie vor einem ausladenden Anwesen im Vorgarten die Tageszeitungen erspäht und daraus schließt, dass die Bewohner wohl verreist seien. Sie dringt ins Haus ein, legt sich in einem Kinderzimmer ins Bett und schläft ein… Später am Abend lässt sich der für ein Senatorenamt kandidierende, lokale Politiker David Stratton (John Forsythe) von seinen Freunden Vera (Patricia Berry) und Grant (Richard Anderson) nach Hause bringen. Die drei waren auf einer Veranstaltung, bei der Stratton sein Netzwerk ausbaute, und Grant begleitet David noch ins Haus, da er die für Freitag anberaumte Rede Strattons noch bei einem letzten Drink mit ihm besprechen möchte. Grant erkundigt sich bei David nach dessen Frau Virginia (Audrey Dalton), die aktuell mit den Kindern in San Francisco weilt, und Stratton gesteht ein, dass nach 7 Jahren Ehe nicht alles nur leichtgängig ist und Virginia nachdenken müsse. Grant lässt sich von David das Redemanuskript geben, erinnert ihn an ihre Verabredung zum Mittagessen am nächsten Tag und geht. Morgens steht Stratton im Bad, als er aus dem Kinderzimmer ein Geräusch vernimmt und nachsehen geht. Dort findet er Jody, die er zu verhören sucht und die ihm ausweichende Antworten gibt, so dass David Stratton beschließt die Polizei zu informieren und sich aus der merkwürdigen Lage zu befreien…

 

“I see your problem, David. And I hate to mention this, but... I'm dyin' in a rush! Es gibt manches, was an dem späten Schwarzweißfilm der Universal Studios unter Douglas Heyes’ Regie nach dem gleichnamigen Roman Wade Millers (EA 1959) schätzenswert und sogar richtig klasse ist. Seit John Boultings Brighton Rock (USA 1947) nach Graham Greene und seit Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (USA 1948) und Vor verschlossenen Türen (USA 1949) gab es im und nahe am Film Noir immer wieder Filmdramen über chancenlose jugendliche Delinquenten, von der bürgerlichen Gesellschaft Ausgeschlossene aus den unteren Etagen des Wohlstands, im Slang gern durch den Begriff “White Trash“ denunziert. In seinen besten Momenten ist Das Mädchen mit der Peitsche aber ein Film über soziale Kontrolle. Der aufstrebende Politiker David Stratton kann trotz kurzzeitiger Abwesenheit der eigenen Frau und der Kinder dieser Kontrolle partout nicht entgehen. Seine politischen Mitstreiter und damit seine einzigen „Freunde“ und deren Ehefrauen sind ein Geschmeiß, das er nicht los wird. Sogar in der Abteilung für Damenwäsche und jenseits der Staatsgrenze in Tijuana sind sie allgegenwärtig, als ob sie sich dank ihrer gnadenlosen Penetranz an seinem steten Unwohlsein ergötzen wollen. Die Verlogenheit und der Aufputz im Verhalten derer, die sich als linientreu brave Staatsbürger nach der Decke strecken und in David Stratton den nächsten Erfolgsmenschen wittern, ist pointiert und sarkastisch in Szene gesetzt. Auch Jody Dvorak, die verstörte und beizeiten verstörende junge Frau im Zentrum der Geschichte, in der Darstellung durch Ann-Margret leider etwas zu plakativ, hat ihre Momente. Dann blitzt auf, wie gut dieser Film hätte werden können, so richtig gut womöglich, aber das ist er trotz der Kameraarbeit des zuverlässigen Joseph F. Biroc eben nicht.

Das Maedchen mit der Peitsche-lc-web3.jpg Das Maedchen mit der Peitsche-lc-web2.jpg  Das Maedchen mit der Peitsche-lc-web1.jpg

© Universal Pictures

“Kitten with a Whip is an overheated, flagrantly gynophobic, suburban nightmare about middle-class normalcy turned upside-down by a bi-polar teenage sociopath in French heels”, schreibt Ken Anderson in seinem nuancierten Verriss des Films für Dreams Are What Le Cinema Is For und doch ist damit nicht benannt, warum der Film als solch ein Alptraum nicht funktioniert. Der Grund ist David Stratton, verkörpert durch John Forsythe, ein willensschwacher, unentschlossener und eigentümlich unbedarfter Zeitgenosse in mittleren Jahren, der nie und nimmer als politische Leitfigur und aufgrund von Besitz und Leitung der Stratton Shipping Lines als wohlhabend bis reich durchgeht. Dass er sich von der minderjährigen Jody Dvorak sexuell angesprochen fühlt, zugleich keine Gelegenheit zum Beischlaf ergreift, deren es reichlich gäbe, sich wiederholt von ihr nicht zu trennen vermag und schließlich in die Fänge ihrer Drohgebärden und der mit ihr befreundeten Kleinkriminellen gerät, ergibt in Anbetracht solch erfahrener Figur des öffentlichen Lebens wenig Sinn. John Forsythe ist kein schlechter Schauspieler, doch sein David Stratton ist ein Rollencarakter, der fast grundlos und wie schlafwandelnd in eine Abhängigkeit gerät, die den Zuschauer nicht überzeugt. Es gäbe manche Persönlichkeit, die ihm in seiner Position und in seiner Lage zustände und ihm dadurch Glaubwürdigkeit verliehe, David Stratton aber ist eine Leerstelle. Er lässt somit das Over-Acting Ann-Margrets ins Leere laufen und den unbalancierten Film ins Fahrwasser des Trash-Kinos geraten. Als zwei voneinander faszinierte Menschen, als zwei “troubled characters“ hätte Das Mädchen mit der Peitsche ein anderer Film sein können. Irgendwo in dem Reigen von Banalitäten wartet er darauf zu erscheinen, aber dann tut er es nicht. Und wenn der Abspann läuft, zuckt der Film-Noir-Freund gelangweilt mit den Schultern und das war’s.

 

Gute DVD-Edition (2010) aus der Universal Vault Series, eine nach dem Vorbild der Warner Archive Collection gestrickte Reihe, mit dem Film bild- und tontechnisch topp im Originalformat und ungekürzt, dazu den original englischen Ton, ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Post Noir | 1964 | USA | Douglas Heyes | Joseph F. Biroc | Richard Anderson | Ann Doran | Ann-Margret

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