Oldboy

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Bewertung
**
Originaltitel
Oldeuboi
Kategorie
Neo Noir
Land
KOR
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Min-Sik Choi, Ji-Tae Yu, Hye-Jeong Kang, Dae-Han Ji, Dal-Su Oh

Regie
Chan-Wook Park
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Auf dem Dach eines Hochhauses hält ein verwahrloster Mann in einem teuren Anzug (Min-Sik Choi) einen anderen (Kwang-rok Oh), der einen Hund im Arm trägt, an dessen Krawatte fest, so dass er nicht rücklings auf die Straße fällt. Der mutmaßliche Selbstmörder fragt seinen Retter nach dessen Namen und der erinnert sich… In einer Polizeistation sitzt der betrunkene Geschäftsmann und Familienvater Dae-su Oh ((Min-Sik Choi) und randaliert, bis er nach zähem Widerstand gegen die Staatsgewalt von seinem Verwandten No Joh-hwan  (Dae-Han Ji) aus der Situation erlöst wird. Von einer Telefonzelle aus ruft Dae-su Oh seine kleine Tochter an, denn sie feiert ihren Geburtstag und er hat ihr als Geschenk ein paar Engelsflügel besorgt, die sie sich umschnallen kann. Es ist Nacht und es regnet; No Joh-hwan  steht hinter ihm und will als Onkel der Kleinen auch mit ihr sprechen. Schließlich tut er es, Dae-su Oh verlässt die Zelle, doch als No Joh-hwan  sich umdreht, ist er verschwunden… 15 Jahre lang wird Dae-su Oh von Unbekannten, die er nicht zu Gesicht bekommt, in einem Ein-Zimmer-Apartment ohne Fenster gefangen gehalten. Sein Essen besteht aus Teigtaschen, die er täglich durch eine Klappe am Boden der Stahltür serviert bekommt. Durch die Zufuhr von Gas wird er regelmäßig in Schlaf versetzt, in der Zeit reinigen seine unsichtbaren Peiniger das Zimmer und schneiden ihm die Haare. Ein Fernseher, der ihn mit Nachrichten versorgt, und Schreibzeug dienen Dae-su Oh dazu, nicht den Verstand zu verlieren und sich vorzubereiten…
 
Mit Erwartungen ist es so eine Sache, am besten lässt man sie außen vor. Aber der koreanische Neo Noir Oldboy bekommt von Cineasten seit über 10 Jahren derart viele Vorschusslorbeeren, dass man sich geradezu die Ohren zuhalten müsste. Mich hat er auf ganzer Linie enttäuscht. Die Darsteller sind gut, aber Min-Sik Choi zeigt in der Hauptrolle zuviel Theatralik, ein klarer Fall von Over-Acting. Die Geschichte der Manga-Verfilmung Oldboy bietet eine spannende Ausgangslage, - in ihrem Verlauf teilweise nahe an David Finchers The Game - Das Geschenk seines Lebens (USA 1997) - doch im Bemühen um Originalität kann sie sich von klischeehaft bizarren Übertreibungen nicht lösen. Schon die Eröffnungsszene auf dem Dach, die Rückblende ím Polizeirevier, die Entwicklung im Ein-Raum-Gefängnis sind so aufgeputscht wild und wirr, dass man als Zuschauer in eine eigentümliche Distanz gedrängt wird. Man weiß gewissermaßen, dass es nur das Fantasiekomplott eines tief im Bürgertum verhafteten Filmemachers ist, der sich so die große „Rache“ vorstellt. Dae-su Ohs Verhältnis zu Mi-do gehört in die Schublade endlos ausgereizter „Tabubrüche“, so wie die Kampfmaschine, zu der sich Dae-su Oh in der Gefangenschaft selbst ausbildet, ein lächerliches Klischee ist. Und so überfiel mich nach zwanzig Minuten das erste Gähnen. Schon hier war klar, dass es mit dem innovativen Meisterwerk aus Fernost, das dem US-Kino zeigt, wo der Hase im Pfeffer begraben liegt, nicht weit her ist. Oldboy ist so ziemlich alles, nur eben das nicht.
 
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© 3L Vertriebs GmbH & Co. KG
 
Die psychischen Dispositionen der Charaktere sind in ihren Extremen absurd. Alle sind sie maximal egomanisch und tragisch. Und trotz ihrer beredten Pseudophilosophie - „Ob ein Sandkorn oder ein Stein… Im Wasser gehen sie beide unter.“ zitierte die deutsche DVD (2005) den Film auf ihrem Cover - sind sie nicht vielschichtig. Versiert und zu Teilen innovativ ist die technische Umsetzung der Geschichte als Puzzle in Rückblenden und hypnotischen Bildern, welche allemal die Finessen des Kameramanns und des Regisseurs belegen. Aber wie viele Filme wurden in den letzten 20 Jahren gerade in Fernost von Leuten wie Wong Kar Wai (Fallen Angels, HK 1995) oder Pen-Ek Ratanaruang (Leben nach dem Tod in Bangkok, THA/JPN 2003) gedreht, die in der Hinsicht mindestens gleichwertig sind? Eine hohe stilistische Expertise reicht nicht aus, um Cineasten zu fesseln, denn mit diesem “Können“ ist man in der Branche nur einer unter vielen. Wenn nach 30 Minuten hinter der Fassade scheinbar hochtrabender Monologe und Metaphern der extrem brutale und stupide Racheplot seinen Lauf nimmt, weht einen nicht zu Unrecht die Ahnung an, dass es mit dem Werk nun sukzessive bergab gehen wird. Sie trifft auch zu 100% zu. Die papierdünnen Comic-Charaktere sind bald nur banal und das Interesse an der Auflösung des dramatischen Entrees schrumpft. Warum fand ausgerechnet dieser Film bei so vielen Cineasten ein dergestalt positives Echo? Während ich bei Joon-ho Bongs Memories Of Murder (KOR 2003) beizeiten eine Gänsehaut verspürte, habe ich mich hier gerade mal angewidert gefunden. Das platte Ende ist der Grund, warum ich mich nicht für mehr als 2 Sterne entscheiden konnte. Spike Lees gleichnamiges Remake Oldboy (USA 2013) ist derart katastrophal, das ich über die ersten 20 Minuten nicht hinauskam.
 
Es gibt gute BD- und DVD-Editionen (2012) der 3L Vertriebs GmbH & Co. KG mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutscher oder koreanischer Ton, optional deutsche Untertitel. Zuvor gab es von der e-m-s new media AG eine 2DVD (2005) inklusive einem Making of, Audiokommentaren, diversen Trailern und Interviews, alternativen Szenen, etc..
 

Neo Noir | 2003 | International | Chan-Wook Park | Ji-Tae Yu

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