Cause For Alarm!

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Bewertung
****
Originaltitel
Cause For Alarm!
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Loretta Young, Barry Sullivan, Bruce Cowley, Margalo Gillmore, Brad Morrow

Regie
Tay Garnett
Farbe
s/w
Laufzeit
69 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Neue Donau Film e.K.
 
An einem heißen Julimorgen staubsaugt Ellen Jones (Loretta Young) in einer gutbürgerlichen Siedlung voller Einfamilienhäuser in einem Vorort von Los Angeles ihr Wohnzimmer. Seit geraumer Zeit liegt im Schlafzimmer des ersten Stocks ihr herzkranker Mann George (Barry Sullivan) zu Bett. Heute ist Ellen nervös und ermattet zugleich, denn die lange Zeit seiner Pflege setzt ihr zu. Indessen schreibt George einen Brief an den Staatsanwalt in Los Angeles. Darin erklärt er, dass seine Frau Ellen und deren Liebhaber Dr. Ranney Grahame (Bruce Cowley) planen ihn umzubringen, was ihnen umso einfacher falle, weil Grahame zugleich der ihn behandelnde Arzt sei… Im Erdgeschoss hat Ellen inzwischen mit dem Putzen innegehalten und erinnert sich an ihr erstes Treffen mit George, das vor sieben Jahren während des Weltkrieges in Los Angeles stattfand. Sie war selbst in einem Armeehospital tätig und von Dr. Grahame ins Zimmer eines Matrosen  geschickt worden, dessen Frau ein Baby erwartete, während er mit einem Beinbruch in Behandlung war. Kurz zuvor war aber George Z. Jones dort eingetroffen, nachdem ihm die Krankenschwester (Helen Winston) gesagt hatte, sein Freund Dr. Grahame, sei dort zur Visite. Als Ellen hereinkam, hatte sich George, nachdem der Patient von der Krankenschwester zu einer Fahrt im Rollstuhl verdonnert worden war, selbst ins Krankenbett gelegt und sich die Decken bis zum Hals gezogen, denn er litt an einem Kater vom vorherigen Abend. Ellen hielt ihn für den Kranken und George, überaus angetan von seiner neuen Gesellschaft, tat nichts, um dieses Missverständnis aufzuklären, im Gegenteil…
 
Vieles hängt an der Hauptdarstellerin in diesem kleinen aber feinen Film, der im Kontext des Film Noirs gern übersehen wird. Letzteres mag darin begründet sein, dass sein Drehbuch nicht auf Sensationen in einem dem Zuschauer fremden Milieu aus ist, sondern den Handlungsort mitten im spießbürgerlichen Alltag platziert. Aber Loretta Young, die als Ellen Jones (!) von einem Tag auf den nächsten aus ihrem biederen Glück ins Bodenlose stürzt, ist ihrer Rolle gewachsen. Eine Femme fatale spielte sie nie – derlei blieb Lizabeth Scott, Barbara Stanwyck, Joan Bennett vorbehalten. Aber schon in Orson Welles‘ Die Spur des Fremden / der Fremde (USA 1946) und in William Dieterles Vergewaltigt / Frau in Notwehr (USA 1949) hatte sie bewiesen, dass sie - eine Darstellerin von Rang und Niveau - auch als Film-Noir-Charakter überzeugen konnte. Solcher Charakter war auch zuvor die durch ein Lebensereignis aus der Illusion völliger Sicherheit in eine Notlage geratene Mittelständlerin, der niemand mehr und die sich selbst nicht mehr vertraut. Und ähnlich wie in Die Spur des Fremden / Der Fremde (USA 1946) erwischt es sie in Cause For Alarm! ausgerechnet im Zentrum der bürgerlichen Idylle jener Nachkriegsjahre, im Hafen der Ehe. Als Erzählerin führt sie selbst durch ihren Schicksalstag, der in einer Rückblende die erste Begegnung mit ihrem Mann vor 7 Jahren und die Rolle des Arztes als Hausfreund offenbart. Hier kriecht aus dem durch ein Herzleiden ans Bett gefesselten Kriegsveteranen George die bis dato verborgene Identität in Gestalt der Fratze einer von Missgunst und Neid befeuerten Paranoia, mit dem Bericht über ein Ereignis aus seinen Kindertagen als dem zwischen Barry Sullivan und Loretta Young besten und enorm eindrücklichen Dialog. An solcher Stelle ist der Film unerwartet intensiv.
 
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© Neue Donau Film e.K.
 
Die Thriller-Handlung ist nur teilweise glaubwürdig, mit einem Brief in den Fängen der Postzustellung als dem Zünglein an der Waage zwischen Schuld und Unschuld. Das Interessante an Cause For Alarm! ist sein Subtext, der den hellen Tag – den klassischen Film-Noir-Stil der Kameraarbeit sucht man großteils vergebens – plötzlich zum Feind der Protagonistin werden lässt. Durch Fenster und Türen spähen die Augen der Nachbarschaft, deren soziale Kontrolle inmitten der McCarthy-Ära ein deutliches Signal der Herkunft und des Charakters paranoider Anlagen sind, die ja vom Kriegsveteranen und Versicherungsmitarbeiter George Jones auf dessen Ehefrau wie ein Virus aus dem Herd der Krankheit überspringt. Die wohlmeinende Nachbarschaft, die Ellen nicht aus den Augen und nicht in Ruhe lässt, wird zum zentralen Aspekt der Bedrohung. Leute spähen über Hecken, nehmen sich unerlaubt den Schlüssel und dringen ins Haus ein oder klingeln penetrant an der Tür, wo ihr Schatten sich im Sonnenlicht auf den Gardinen zeigt. Wie eine Laborratte sucht Ellen ihrer Zudringlichkeit zu entkommen und sich und ihr Geheimnis vor fremden Blicken zu verbergen, ohne dass es ihr gelingen will. Ob bewusst oder unbewusst als treibendes Element der Handlungslogik implementiert, ist dieser Aspekt in einem Zeitalter der Denunziation und der Verfolgung Andersdenkender natürlich ein subversiv erscheinender Kontrapunkt. Erst am Ende des Tages sehen wir die Schatten des anbrechenden Abends als Erleichterung verheißende Vorboten der Dunkelheit sich ins Haus vortasten. Der furchtbarste Tag im Leben der Ellen Jones‘ neigt sich dem Ende zu.
 
Sehr gute deutsche DVD-Ausgabe (2013) von Chandler Film mit dem Film bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat; es gibt die deutsche und die englische Tonspur, dazu optional deutsche Untertitel, der deutsche Fernsehtitel Grund zur Aufregung (Erstausstrahlung war im März 1976) ist hier der Zweittitel. Die Laufzeitangabe von 75 Minuten auf dem Cover ist jedoch falsch, nach 69 Minuten ist Schluss. Bei 17 Minuten und 13 Sekunden gibt es einen abrupten Schnitt, der die Logik des Films nicht beeinträchtigt, doch ganz offensichtlich fehlen ein paar Sekunden.
 

Film Noir | 1951 | USA | Tay Garnett | Barry Sullivan | Richard Anderson | Loretta Young

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