Katze, Die

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Bewertung
****
Originaltitel
Die Katze
Kategorie
Neo Noir
Land
GER
Erscheinungsjahr
1988
Darsteller

Götz George, Gudrun Landgrebe, Heinz Hoenig, Joachim Kemmer, Ralf Richter

Regie
Dominik Graf
Farbe
Farbe
Laufzeit
113 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© EuroVideo Bildprogramm GmbH
 
Der Gangster Probek (Götz George) und die Bankiersgattin Jutta Ehser (Gudrun Landgrebe) haben im Luxushotel Nikko leidenschaftlichen Sex miteinander. Das Hotel liegt in einem verschachtelten, modernen Gebäudekomplex aus Sichtbeton im Zentrum von Düsseldorf. Vom Zimmer im sechsten Stockwerk aus sind der Eingangsbereich der Bank, dessen Filialleiter der Ehemann (Ulrich Gebauer) Jutta Ehsers ist, und der Innenhof gut einsehbar. Herr Ehser sitzt noch Zuhause im Dämmerlicht seines Esszimmers, denn dass seine Frau eine Affäre hat, weiß er schon seit geraumer Zeit. Probek kleidet sich langsam an. In zwei Stunden wird es mit der Ruhe vor Ort ein Ende haben. Denn heute ist der Tag, an dem Probek mit Junghein (Heinz Hoenig) und dessen Kumpel Jochen Britz (Ralf Richter) die Bank ausrauben wird. Dabei weiß Britz allerdings nicht, was Probek und Junghein im Schilde führen. Für das bisschen Geld, das im Tresor der Filiale liegt, werden sie sich die Finger nicht schmutzig machen. Eine Geiselnahme ist geplant und das Erpressen von drei Millionen D-Mark Lösegeld, die von Jutta Ehser persönlich zu einem geheimen Treffpunkt geschafft werden sollen. Das Wichtigste aber ist, dass Probek nicht innerhalb sondern außerhalb der Bank operieren wird. Von seinem Hotelzimmer hat er nicht nur das Gebäude im Blick sondern hört dort auch den Polizeifunk ab, indessen er Junghein und Britz in der Bank über alle Bewegungen und Pläne der Gesetzeshüter informiert. Schon fahren die beiden bei der Filiale vor. Die ersten Angestellten begeben sich ins Gebäude …
 
„In zwei Stunden ist da unten Krieg.“ So lautet der erste Satz in einem Film, der stilvoll, temporeich und voller überraschender Wedungen ist. Dominik Grafs Thriller schrieb nicht zuletzt deshalb Kinogeschichte, weil das bundesdeutsche Kino an herausragenden Werken bettelarm war - und ist. Der Regisseur ist selbst ein scharfer Kritiker der Produktionsbedingungen von Kino und Fernsehen Made in Germany. Über die Jahrzehnte seines Schaffens hat Graf einerseits Kompromisse gemacht, andererseits zu überraschen gewusst. Die Katze ist eine solche Überraschung. 25 Jahre nach Erstaufführung kann das vom Neo Noir französischer Prägung inspirierte Werk stets überzeugen. Eingangs lässt es an Sidney Lumets Hundstage (USA 1975) denken - ein Banküberfall, eine Geiselnahme, eine sich hinziehende Belagerung durch die Polizei mit Wendungen am Rand der Absurdität. Aber Die Katze ist durch die Rolle Probeks, den Drahtzieher im Hotelzimmer gegenüber, ein Film, dessen Charaktere in völlig anderen Beziehungen zueinander stecken. Es ist ein Kunststück des Films, dass Uwe Erichsen - Autor der Romanvorlage Das Leben einer Katze (EA 1984) und neben Christoph Fromm auch Mitautor des Drehbuchs -  sowie Regisseur Dominik Graf ihre minimalistischen Stilmittel so präzise einsetzen, dass der Zuschauer bald argwöhnen kann, dass zwischen Probek und Jutta Ehser nicht alles eitel Sonnenschein ist. Eine dunkle Vergangenheit und eine Femme fatale, die langsam aus tiefen Schatten des Films hervortaucht - das hat Wurzeln im Film-Noir-Kino, aber vor allem zeigt es Klasse. Die Zeichnung der Charaktere ist eindrücklich und die gemeinsam vorangetriebene Entwicklung in ihren Motiven glaubwürdig. Lediglich die Zugeständnisse ans Action-Kino wirken beizeiten eine Spur zu übertrieben und trüben den Gesamteindruck.
 
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© EuroVideo Medien GmbH
 
Viele beteiligte Schauspieler haben sich vor und nach dem Film in der deutschen Fernsehlandschaft verdingt. Hauptdarsteller Götz George war dem Publikum der 80er Jahre als Hauptkommissar Schimanski aus der TV-Serie Tatort bekannt - Allerweltskrimis ohne längere Haltbarkeit. Aber man kann sich vornehmen, allein deshalb den Film nicht zu mögen und wird ihm seine Qualitäten nicht absprechen können, die auch den damals 49jährigen George mit einer dynamischen und überzeugenden Leistung beinhalten. Die Katze zeigt Einflüsse des Neo-Noir-Kinos Alain Corneaus, Jean-Pierre Melvilles oder Bertrand Taverniers. Mit seinem urbanen und kompromisslosen Thriller lieferte Graf kein Imitat sondern erwies sich den Genannten ebenbürtig. Aber trotz des Deutschen Filmpreises in Gold für die beste Regie (1988) und trotz Erfolgs beim Publikum machte Die Katze sowenig Schule wie in den Fünfzigern die Dramen Peter Lorres, Robert Siodmaks oder Bernhard Wickis. Die deutsche Filmkultur verharrt an ihrem Ausgangspunkt – bei Komödienstadel, bei Krimi für die Mimi und bei TV-Diät für Menschen mit einem IQ unter 85. In den Neunzigern drehte Graf u.a. den Fernsehfilm Der Skorpion (GER 1997), dem Norbert Grob in seinem Buch Filmgenres - Film noir (2008) ein Kapitel widmet. Aktuell sorgte die TV-Serie Im Angesicht des Verbrechens (GER 2010) für einige Anerkennung. Aber auch Die Katze veranlasst seit Jahr und Tag deutsche Cineasten zu dem sonst seltenen Kommentar: „Na bitte, geht doch!“ Als i-tüpfelchen gibt es eine schlicht großartige letzte Szene.
 
Die missglückte DVD-Erstveröffentlichung (2008) der Eurovideo Bildprogramm GmbH – falsches Bildformat (4:3) und ein gekürztes Finale – ist durch die in der Serie Momente des deutschen Films erschienene Neuausgabe (2010) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung inzwischen wettgemacht worden. Hier gibt es das original Bildformat (1.85:1), die ungekürzte Spielzeit von 113 Minuten, ein zehnseitiges Booklet  mit Filmessay im schlanken Digipack sowie ein 27minütiges Interview mit dem Filmkritiker Peter Körte.
 

Neo Noir | 1988 | International | Dominik Graf | Götz George | Gudrun Landgrebe

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