Invisible Waves

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
Invisible Waves
Kategorie
Neo Noir
Land
THA/NL
Erscheinungsjahr
2006
Darsteller

Tadanobu Asano, Hye-jeong Kang, Eric Tsang, Maria Cordero, Toon Hiranyasap

Regie
Pen-Ek Ratanaruang
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Die Halbinsel Macao gegenüber der chinesischen Metropole Hongkong: Mrs. Seiko (Tomono Kuga), die Ehefrau des Restaurantbesitzers und Gangsters Wiwat (Toon Hiranyasap), hat seit längerem ein amouröses Verhältnis mit dem bei Wiwat angestellten japanischen Spitzenkoch Kyoji Hanamura (Tadanobu Asano). Heute ist sie wieder bei ihm zu Gast. Kyoji kocht für sie, doch Seiko ist mehr an Sex interessiert. Als es schließlich nach dem Essen dazu kommen soll, vergiftet Kyoji seine Geliebte mit dem Wein und holt ein Tranchiermesser aus einem Holzeimer, den er von der Decke lässt… Wiwat selbst hat Kyoji befohlen Seiko zu töten, nachdem er deren Untreue entdeckt hatte. Kyoji soll nun nach Phuket, Thailand, ausreisen und ein neues Leben beginnen und ein eigenes Restaurant eröffnen. Dafür holt er sich auf Wiwats Geheiß von einem falschen Mönch (Eric Tsang) Geld und Reisepapiere sowie die Telefonnummer von Wiwats Helfer Lizard (Ken Mitsuishi) auf Phuket. Zuvor verabschiedet sich Kyoji allerdings noch von Maria (Maria Cordero), die im Apartment nebenan wohnt und sich des schweigsamen Japaners ein wenig angeommen hat, so dass sie nun eine Freundschaft verbindet. Maria ist traurig, dass Kyoji Macao verlassen wird, doch er verspricht ihr zu schreiben. Als er im Hafen das Schiff betritt, merkt er nicht, dass er beobachtet und verfolgt wird. An Bord findet sich Kyoji Hanamura kaum zurecht. Fast niemand ist zu sehen, auch seine Kabine ist ein überraschend unbehaglicher Ort…
 
Zeit ist, was viele Filmkonsumenten - im Gegensatz zum filmerfahrenen Zuschauer - kaum noch aufbringen. Doch Zeit, nicht unbedingt Geduld, braucht man für diesen Film um den schweigsamen, fatalistischen, scheuen Kyoji. Die Charaktere Wiwat, Seiko und Maria haben bereits zu Beginn die Eigenheiten dieses Menschen entdeckt - als Liebhaber und als Koch und als stiller Gast in der Einsamkeit. Noi (Hye-jeong Kann), die ihm während der Passsage nach Phuket begegnet und ihn kennen lernt, als er seekrank über der Reling hängt, ist die Nächste. Schließlich fühlt sich sogar der Gangster Lizard von diesem eigentümlich stillen und bescheidenen Menschen angezogen, der als „heimatloser Geist“, wie er spät im Film selbst sagt, durch die Menschenwelt streift, dessen Wirkung sich solche Menschen aber nicht verschließen können. Pen-Ek Ratanaruangs Neo Noir Invisible Waves folgt seinem Vorgänger Leben nach dem Tod in Bangkok (THA/JPN 2003) in vieler Hinsicht – ein japanischer Auswanderer trifft zwei sehr verschiedene Frauen, zu denen er sich hingezogen fühlt. Er ist zugleich mit Gangstern involviert, die ihn nicht aus ihren Klauen lassen, insofern auch die Frau und deren Bedeutung für den Protagonisten, jeweils von Tadanobu Asano dargestellt, sich tatsächlich als eine schicksalhafte erweist. Nur ein einziges Mal sieht man Kyoji dezidiert die Initiative ergreifen, als er nämlich Noi beim Abschied auf Phuket um deren Telefonnummer ersucht und sie erst ausweichend antwortet, bis sie ihm schließlich diese Nummer auf einen Geldschein schreibt. Genau das ist, was später auf eine bemerkenswert raffinierte Weise über Leben und Tod entscheidet.
 
Bild Bild Bild
© Rapid Eye Movies
 
Leider ist der Handlungsverlauf von Invsible Waves nicht durchgehend raffiniert. Es gibt einige offensichtliche Koinzidenzen, die ihm auf die Sprünge helfen, was ein wenig stört. Doch alles in allem folgt sein Regisseur dem mit Leben nach dem Tod in Bangkok vorgebenen Niveau, das besonders Christopher Doyle (Fallen Angels, HK 1995) einmal mehr in beeindruckenden Bildern einfängt. Kyojis Reise durch eine zunehmende Fremde ist durch seine Orientierungslosigkeit gekennzeichnet, darin Orte und Menschen gleichermaßen unvertraut sind. Immer wieder irrt er über die Decks des Kreuzschiffs oder sucht im Hotel auf Phuket nach dem bereits vor Tagen bezogenen Zimmer. Einen alten Schulfreund, der ihn im Fahrstuhl zu erkennen glaubt, kann er den Bruchstücken seiner Erinnerung nicht zuordnen. Mit Noi und ihrer Tochter Nid oder mit dem Kellner der Schiffsbar ist er von einer Minute zur nächsten vertraut. In den Sechzigern und Frühsiebzigern war der Neo Noir von der europäischen Nouvelle Vague mitgeprägt. Pen-Ek Ratanaruang zeigt mit Invisible Wabes eine überaus sehenswerte Variante, die das seit den 80ern Profane und Stereotype des Gangster- und Kriminalfilms mühelos abstreift und an die Tradition der Sechziger erinnert, ohne einem Retrostyle zu verfallen. Kein Meisterwerk, doch ein sehr schöner Film, der über Tage noch nachwirkt. Weniger offensichtlich romantisch als Leben nach dem Tod in Bangkok ist er ein guter Einstieg ins genuin eigenständige asiatische Kinoschaffen mit Niveau.
 
Erstklassige DVD der aufs Kino aus Asien spezialierten Rapid Eye Movies (2007) die den Film ungekürzt und im Originalformat mit dem großteils englischen, teils japanischen Originaton bringt – eine Synchronisation zu versuchen, wäre absurd – dazu wahlweise deutsche oder englische Untertitel. Empfehlenswert!
 

Neo Noir | 2006 | International | Pen-Ek Ratanaruang | Christopher Doyle | Eric Tsang | Tadanobu Asano | Ji-Tae Yu

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