Seance On A Wet Afternoon

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Bewertung
*****
Originaltitel
Seance On A Wet Afternoon
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1964
Darsteller

Kim Stanley, Richard Attenborough, Nanette Newman, Mark Eden, Gerald Sim

Regie
Bryan Forbes
Farbe
s/w
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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In einem Londoner Vorort liegt das Haus von Myra Savage (Kim Stanley), darin sie heranwuchs und das sie mit ihrem arbeitslosen, asthmatischen Ehemann Billy (Richard Attenborough) selbst bewohnt. Myra arbeitet als ein Medium und hält in einem Zimmer ihres Hauses Seancen ab, um mit verstorbenen Angehörigen ihrer Kunden in Kontakt zu treten. Auch heute hat eine Sitzung stattgefunden und die drei Frauen und ein Mann, die sich dafür einfanden, treten hinaus in einen verregneten Nachmittag. Myra und Billy treffen sich indessen im Wohnzimmer, wo Myra alte Schellackplatten mit geistlicher Musik abspielt, und sie sprechen über ihren Plan. Billy zaudert, er scheint ernsthaft Bedenken zu haben, das Vorhaben auszuführen. Doch Myra bedrängt ihn, weil sie nur auf diese Weise ihre finanziellen Sorgen und die Aussichtslosigkeit ihres jetzigen Lebens hinter sich lassen können. So willigt er ein, holt das Motorrad mit überdachtem Beiwagen aus der Garage und macht sich auf den Weg. Billy Savage fährt zu einer einsamen Ruine, wo er sein Motorrad unterstellt. Wenig später taucht er vor den Toren einer Schule wieder auf, wo der Chauffeur (Godfrey James) eines Rolls Royces soeben die zehnjährige Amanda Clayton (Judith Donner) abholen will. Das Mädchen ist kaum eingestiegen, als Billy Savage dem Chauffeur mitteilt, die Schulleitung habe einen Brief für ihn, den er persönlich im Büro abholen müsse. Aber sobald der Chauffeur im Gebäude verschwunden ist, setzt sich Billy ans Steuer des Wagens und fährt mit dem Kind davon…
 
„Séance on a Wet Afternoon from director Bryan Forbes has the standard ingredients of noir, and yet this highly unusual film (…) explores those ingredients in a novel way”, schreibt Guy Savage für Film Noir Of The Week und liegt auf jeden Fall richtig damit. Fakt ist: Bryan Forbes’ preisgekröntes (und dennoch fast unbekanntes) Meisterwerk schert sich nicht die Bohne um Genrekonventionen und veredelt die Geschichte des späten Schwarzweißkinos und generell die europäischen Filmaschaffens der Sechziger, denn das Ergebnis ist völlig einzigartig. Sowohl die Rollencharaktere Myra und Billy als auch deren Darsteller sind faszinierend anzusehen in diesem Kammerspiel mit großteils zwei Personen, aus deren von ständiger Reibung erhitzter Beziehung erst Wahnwitz und schließlich Tragik empor wallen. All das ist in fulminante Dialoge und Szenen von unglaublicher Intensität gekleidet, die keine Sekunde prätentiös oder im Sinne einer falschen Dynamik übersteuert wirken. So exzellent sich der Autor Bryan Forbes in der Adaption des Stoffes nach dem gleichnamigen Roman von Mark McShane erweist, so triftig arbeitet er als Regisseur. Oh ja, es gibt einige Elemente, die stark ans klassische Film-Noir-Kino erinnern, so die enorme Dynamik in der Beziehungsebene zwischen einer manipulativen, offensichtlich von inneren Extremen heimgesuchten Femme fatale und einem willensschwachen und absolut hellsichtigen Ehemann. Aus einem lähmenden Schicksalstrott mit der Altlast eines verlorenen Sohnes namens Arthur, der als fortwährender Geist ihr alltägliches Leben bestimmt, wollen sie mittels eines Verbrechens heraus, das in Myras Augen keines ist und keines sein soll.
 
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Film Noir ist auch, wie nach dem entscheidenden Schritt vom Weg ab sich zuerst alles scheinbar gut anlässt, doch alsbald das Unvorhergesehene aus allen Ritzen und Spalten des ach so perfekten Plans hervortritt. Wie sich die Beziehung von Myra und Billy und wie die Rollencharaktere sich einzeln entwickeln, wird zum Dreh- und Angelpunkt eines Thrillers, der mit sparsamsten Mitteln in eine Spanungskurve führt, die an diejenige von Billy Wilders Reporter des Satans (USA 1951) erinnert. Interessanterweise lässt Seance on a Wet Afternoon aber auch ans Theaterstück Wer hat Angst vor Virginia Woolf? von Edward Albee denken, das 1962 zur Aufführung kam und 1966 nach einem Drehbuch von Ernst Lehmann (Dein Schicksal in meiner Hand, USA 1957) mit Elizabeth Taylor und Richard Burton verfilmt wurde. Signifikant für den Film ist einer der seltenen Auftritte der legendären US-Schauspielerin Kim Stanley, die fast nur auf Theaterbühnen tätig war und deren Spiel grandios ist. Für den Oscar und für den British Film Academy Award nominiert, erhielt sie 1965 zwei andere Auszeichnungen als beste Hauptdarstellerin; weitere Filmpreise gingen an Richard Attenborough (BAFTA) und an Bryan Forbes. Séance on a Wet Afternoon – der Film lief als An einem trüben Nachmittag 1971 einmalig im deutschen Fernsehen - ist ein zu Unrecht fast vergessenes Meisterstück englischen Kinos und nicht allein für Film-Noir-Freunde ein Muss!
 
Erstklassige englische DVD-Ausgabe (2006) von Granada Ventures Ltd. und Network, die den Film ungekürzt im Originalformat mit englischer Tonspur (ohne Untertitel) beinhaltet, den Kinotrailer, Audiokommentare von Bryan Forbes und Nanette Newman, ein Interview mit Bryan Forbes und eine Bildergalerie als Extras.
 

Post Noir | 1964 | UK | Bryan Forbes | Richard Attenborough | Patrick Magee

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