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Bewertung
****
Originaltitel
ragazza che sapeva troppo, La
Kategorie
Post Noir
Land
ITA
Erscheinungsjahr
1963
Darsteller

Leticia Román, John Saxon, Valentina Cortese, Titti Tomaino, Luigi Bonos

Regie
Mario Bava
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Ein Flugzeug der TWA befindet sich auf dem Weg nach Rom, Italien, mit der 20jährigen Nora Davis (Leticia Román) an Bord, für die sich damit einen Jugendtraum erfüllt. Die Krimileserin wird von ihrem Sitznachbarn namens De Vico (Milo Quesada) angesprochen, der ihr eine Zigarette anbietet und sie das ganze Paket behalten lässt. Doch als der Flug 208 aus New York auf dem Flughafen Fiumicino gelandet ist, stürmen sogleich vier Polizeibeamte aus einem Wagen und verhaften in der Schlange vor der Zollabfertigung ausgerechnet Herrn De Vico, den sie als Paccini ansprechen. Jener versuchte offenbar, in Zigarettenschachteln verpackt, Marihuana im Handgepäck nach Rom zu schmuggeln. Kurz darauf klingelt Nora an der Haustür ihrer Tante Ethel Windell Batocci (Chana Coubert), wo ihr allerdings deren Doktor Marcelo Bassi (John Saxon) die Tür öffnet, der die herzkranke und obendrein erkältete Tante behandelt. Während Nora Davis am Abend zu Bett gehen will, entlädt sich ein Gewitter über der Stadt und sorgt für einen Stromausfall. In dem Augenblick ruft ihre Tante Ethel, und als Nora in deren Zimmer eilt, liegt sie in Krämpfen der Atemnot und verlangt nach ihren Tropfen. Aber es ist zu spät! Als Nora ihr das Glas reichen möchte, ist Ethel bereits tot. Also versucht sie, Dr. Bassi im nahe gelegenen Krankenhaus zu erreichen, doch die Telefonverbindung erweist sich als instabil…
 
Autor und Regisseur des Films La ragazza che sapeva troppo, in der englischen Fassung The Girl Who Knew Too Much (auch The Evil Eye), war der zu dem Zeitpunkt 49jährige Mario Bava, bereits seit 1939 ein Kameramann des italienischen Films. Auch hier hat er die Kameraarbeit in Personalunion durchgeführt, und es ist grandios zu sehen, inwieweit Bava vom Expressionismus und vom Film Noir der Vierziger und Fünfziger beeinflusst war und mit welcher Meisterschaft er zugleich seinen Thriller zu inszenieren verstand. Mit reichlich Low-angle-shots und extrem kontraststarker Ausleuchtung entführt Nora Davis solche Geschichte gleich nach ihrer Ankunft in die düstere, sinistre Atmosphäre einer regendurchtränkten Nacht, darin ihre dunkelsten Fantasien Wirklichkeit werden. Für die Augen des Zuschauers und diejenigen der jungen Amerikanerin wird die spanische Treppe zum einsam gelegenen und mysteriösen Ort eines Mordes. Aber Noras „Fantasien“ schenkt niemand Glauben, da nur einer sie je bezeugen könnte, und so wird Nora in der fremden Stadt zur auf sich allein gestellten Protagonistin eines Film-Noir-Plots, der vieles dem Einfluss Alfred Hitchcocks verdankt – vor allem dessen just veröffentlichtem Post-Noir-Thriller Psycho (USA 1960) und seinem Klassiker The Man Who Knew Too Much (UK 1934), auf Italienisch L'uomo che sapeva troppo, mit Peter Lorre und Pierre Fresnay.
 
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La ragazza che sapeva troppo wird in der Regel nicht als später Eintrag einer europäischen Ära des Film Noirs gehandelt, vielmehr als Vorläufer eines Genres, welches unterm Titel Giallo im Italien der Spätsechziger und Frühsiebziger populär wurde. Solches bezeichnet eine Unterart des Thrillers, der sich vornehmlich mit der Jagd nach Serienmördern mit einem "Begehr" nach jungen Damen befasste. Neben Mario Bava wurde vor allem Dario Argento später der hauptsächlich mit dem ialienischen Giallo in Verbindung gebrachte Regisseur. Aber das tut dem in wunderbarem Schwarzweiß gedrehten Thriller Mario Bavas keinen Abbruch, denn von der Erzählstimme aus dem Off bis zum Finale - das Ende ist dann leider enttäuschend - ist dieses ein Post-Noir-Film, dessen inszenatorische Kniffe in bemerkenswerter Weise ihrer Zeit vorausgehen. Mit einiger Kenntnis Fritz Langs und Alfred Hitchcocks, insbesondere auch für symbolträchtige Gegenstände, hat Bava einen B-Film inszeniert, der keine Einstellung verschenkt. Rasant und spannungsgeladen kommt hier mancher Cineast auf seine Kosten. Leticia Román und John Saxon sind nicht gerade überdurchschnittliche Darsteller, doch Valentina Cortese ist zuverlässig großartig. So bleibt der einzige Wehmutstropfen, dass dieser Film, obgleich formal exzellent, im Grunde mehr am thrill als an seinen Charakteren ein Interesse hat und mit der Hinwendung ans Kriminalrätsel leider unterhalb der Meisterschaft Alfred Hitchcocks angesiedelt ist. Für den Film-Noir-Freund ist La ragazza che sapeva troppo dennoch eine Bereicherung und für manchen sicher eine unbekannte. Der Film lief seinerzeit nicht im deutschen Kino und ist heute vor allem in der Gemeinde der Giallo- und Mario-Bava-Fans ein Begriff.
 
Eine französische DVD-Edition der Collection Ciné-Club (2001) präsentiert La ragazza che sapeva troppo in einer überraschend guten Fassung, obgleich nicht hochwertig restauriert, aber mit wahlweise französischem oder italienischem Ton, optional englischen oder französischen Untertiteln und sogar mit einigen Extras (auf Französisch).
 

Post Noir | 1963 | International | Mario Bava | John Saxon | Valentina Cortese

Submitted by Matchless 14 (nicht überprüft) on 17. Dezember 2016 - 17:51

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Bei Arrow Video ist eine m.M.n. ausgezeichnete DVD-Edition erschienen: 2 DVDs, 1 x ital. Fassung mit engl. UT (86 Minuten), 1 x US Fassung engl. mit engl. UT - "Hard of hearing" (92 Minuten). Doku "All about the Girl", die sich mit dem Film vor allem im Zusammenhang mit dem Giallo-Genre beschäftigt. "Remembering the girl" Interview mit John Saxon. Beides sehr informativ. Audiokommentare, usw., plus 28seitiges Booklet. Bildqualität/Ton hervorragend - kann ich nur empfehlen !!

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