Diamantenfieber / Trouble In Mind

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Bewertung
**
Originaltitel
Trouble In Mind
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1985
Darsteller

Kris Kristofferson, Keith Carradine, Lori Singer, Geneviève Bujold, Joe Morton

Regie
Alan Rudolph
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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In Rain City kommt der ex-Polizist Johnny Hawkins (Kris Kristofferson), “Hawk” genannt, nach dem Mord am Gangster Fat Adolph (Gailard Sartain) wieder auf freien Fuß. Sein Weg führt ihn in Wanda’ s Café, denn mit der Inhaberin Wanda (Geneviève Bujold) verbindet ihn viel. Wanda ist froh Hawk wiederzusehen, doch nach den Jahren im Gefängnis steht Hawk der Sinn nach mehr als Freundschaft und er nötigt sie zu einem Miteinander im Bett… Wanda verübelt es ihm, lässt ihn aber trotzdem in einem Apartment oberhalb des Cafés mietfrei wohnen. Bald taucht Hawk bei Lieutenant Gunther (George Kirby), seinem ehemaligen Vorgesetzten auf, und der ist wenig begeistert von Hawks Wunsch, wieder für die Polizei zu arbeiten. Doch Hawk, der inwischen von Rambo (Dirk Blocker), der rechten Hand des Gangsters Hilly Blue (Divine), kontaktiert wurde, stellt in Aussicht, dass er für die Gegenseite tätig werden könnte… Georgia (Lori Singer) und der arbeitslose Coop (Keith Carradine) haben ein Baby namens Spike (Caitlin Ferguson). Sie leben in einem Wohnwagen und Coop versucht, einen Job zu bekommen. Als er erneut abgelehnt wird, nutzt er die Gelegenheit und klaut in einem unbeobachteten Moment einen Haufen Geld aus einer Registrierkasse. Die Familie flieht eilends in die Stadt, nach Rain City…
 
“Alan Rudolphs’s 1985 neo-noir Trouble in Mind (…) exchanges the smoky bars of old film noir for roadside diners, and the old stark black and white for colorful ‘80s kitsch”, fasst Tomas Hachard für PopMatters den Charakter des Films zusammen. Aber Casey Buchby bringt für DVD Talk auf den Punkt, was außerhalb vieler Film-Noir-Referenzen, über die der Film zweifelsohne verfügt, seiner Geschichte völlig abgeht: “Unfortunately, the characters themselves aren't what keep us interested, nor is there any sort of coherent thematic through-line.“ Tatsächlich gibt es zwei Rollen, die überhaupt Charaktere sind: die Cafébesitzerin Wanda und der ex-Cop Johnny Hawkins. Alle anderen Figuren bleiben über eine Strecke von 107 Minuten blass und leblos wie z.B. die junge Mutter Georgia oder sind keine Charaktere sondern grelle Klischees wie z.B. ihr Mann und der Vater ihres Kindes, Coop. Keith Carradines Transformation als Coop, die mit Ankunft in Rain City in immer absurdere Gefilde sich versteigt, entbehrt zunehmend der Glaubwürdigkeit. Weder zeigt er als Gangster Format, noch wirkt er als Freund/Ehemann – seit vier Jahren sind sie, so Georgia, liiert – oder als Vater ansatzweise stimmig. Coop und seine Entwicklung sind einfach nur flach. Hierzu gesellen sich noch Besetzungsprobleme. Kris Kristofferson wirkt furchtbar hölzern und so, als ob er nicht wisse, was er in diesem Film eigentlich soll. Lori Singer ist in ihrer Rolle, die vom Skript her bemerkenswert konturlos bleibt, alles andere als begnadet. Die einzigen Darsteller, die überhaupt Qualitäten zeigen, sind Joe Morton und Geneviève Bujold, doch sie allein retten den Film nicht.
 
“I know there are only two ways to handle a woman, and both of them are wrong!” Leider ist an dem Film selbst zuletzt auch vieles falsch. Er kann sich nicht entscheiden, ob er seine tragischen Charaktere (Wanda und Hawk) in ihrem Ernst zum Recht kommen lässt oder ob er eine Satire auf die politischen Zustände – in Rain City wiederholen sich Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und einer paramilitärischen Bürgerwehr, die an Der Blade Runner (USA/HK/UK 1982) erinnern – in den USA der Mittachtziger sein will. Oder lieber eine Groteske im Gangstermilieu, denn das ist der finale Kampf zwischen den Mobstern Hilly Blue (Divine) und Nate Nathanson (John Considine) schließlich? Am Ende finden solche Versatzstücke nicht zusammen, vor allem weil die Geschichte so zerfasert und papierdünn ist, dass sie und ihre Handlungsträger den Zuschauer bloß noch langweilen. Man ist froh, wenn es vorbei ist, da auch die gelungene Film-Noir-Atmosphäre durch diverse Zeitgeistelemente jener 80er gestört wird, so etwa Marianne Faithfuls öde Version des Blues-Klassikers Trouble In Mind, dem der Film seinen Titel verdankt. Irgendwann einmal, Hawk sitzt am Tresen, läuft eine Fassung von Jimmy Witherspoon und das Format des Musikstücks erschließt sich. Aber sonst ist die Musik ein Problem im Film – Mark Ishams Mode-Jazz im Sound der Achtziger klingt mächtig angestaubt. Enthalten die ersten 20 Minuten noch etwas wie ein Versprechen, misslingt dem Film später so ziemlich alles. Trouble in Mind, der 1985 hierzulande angeblich unterm Titel Diamantenfieber (?) im Kino lief, kann man sich getrost schenken.
 
Warum ausgerechnet der Film mit einer FSK-18-Einstufung versehen wurde, ist ein Rätsel. Gute DVD-Edition (2003) der e-m-s new media AG, ungekürzt und im Originalformat mit der deutschen und englischen Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra, lediglich die unfassbar schlechte Covergestaltung stört.
 

Neo Noir | 1985 | USA | Alan Rudolph | Kris Kristofferson | Keith Carradine | Geneviève Bujold

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