Lightning Strikes Twice

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Bewertung
***
Originaltitel
Lightning Strikes Twice
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Ruth Roman, Richard Todd, Mercedes McCambridge, Zachary Scott, Darryl Hickman

Regie
King Vidor
Farbe
s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Claiborne, Texas: Im Gefängnis erhält Pater Paul (Rhys Williams) vom Direktor (Gordon Nelson) den Passierschein zur Zelle von Richard Trevelyan (Richard Todd), der seiner Hinrichtung entgegen sieht. Der Priester bittet um Verzeihung, die ihm Trevelyan gewährt, denn durch seine Zeugenschaft erhärtete er den Verdacht, dass Richard Trevelyan seine Ehefrau vorsätzlich ermordet habe. Unerwartet kommt der Direktor persönlich und informiert Trevelyan, dass der Staat Texas das Todesurteil aufgehoben habe und eine neue Verhandlungsrunde anstrebe. Im Büro der örtlichen Zeitung versucht der Chefredakteur der Claiborne Gazette (Lep Cleary) telefonisch mehr über den Stand der Urteilsfindung herauszufinden, denn die Jury ist inzwischen gespalten… In den Weiten der texanischen Wüste nähert sich ein Greyhound-Bus dem Nest El Llano. Die Passagiere zerreißen sich über den Fall Trevelyan den Mund, der nun freigesprochen wurde, allen voran ein Farmer namens Tom (Ned Glass) und Jack Ross (Ralph Byrd), Vertreter für ein Haarwuchstonikum. Nachts um halb drei steigt niemand aus, nur die Theaterschauspielerin Shelley Cranes (Ruth Roman), die im Hotel El Llano für diese eine Nacht ein Zimmer bucht. So macht sie zu später Stunde noch die Bekanntschaft der Inhaberin Myra Nolan (Kathry Givney), als diese den Portier wegen seiner reservierten Art gegenüber dem Gast zu Recht weist. Myra Nolan entwickelt schon beim ersten Gespräch ein besonderes Interesse für Shelley Carnes und macht ihr schon bald ein Angebot für die geplante Weiterreise zur Farm Tumblemoon
 
Das Beste an dem Film sind seine Darsteller, nicht die klischeebehafteten Rollencharaktere, die sie verkörpern und nicht die nach 20 Minuten vollends durchsichtige, vorhersehbare Geschichte. Femme fatale? Fehlanzeige! Ruth Roman posierte für das Filmplakat und ist auf der aktuellen US-DVD von Warner Archive Collection (Edition ist nur in den USA lieferbar) in einem Kleid zu sehen, dass im Film überhaupt nicht vorkommt – sie ist auch nie so geschminkt und trägt auch keine Zigarette lässig im Mundwinkel. Ruth Romans Charakter Shelley Carnes ist ein biederes und rechtschaffenes Mädchen, das sich in einen vermeintlichen Mörder verliebt und alles daran setzt, sich selbst und den Rest der Welt von dessen Unschuld zu überzeugen. Weder sie noch der reiche Erbe Richard Trevelyan haben den mindesten Glamour. Der sonst überzeugende englische Schauspieler Richard Todd wirkt blass in seiner wenig ausgestalteten Rolle. Von Klasse sind in dem mit Personen überfrachteten und melodramatisch aufgeheizten Film Mercedes McCambridge als Liza McStringer und Zachary Scott als Harvey Fortescue Turner. McCambridge ist als Schauspielerin in einer Weise “over the top“, die so schätzenswert intensiv ist wie die Darstellungskunst einer Bette Davis (z.B. in King Vidors Der Stachel des Bösen, 1949). Wer daran Gefallen findet, wird ihre Performance mit Sicherheit genießen. Unglücklicherweise spielt sie in allen gemeinsamen Szenen Ruth Roman, die in Verfolgt (USA 1951) um einiges besser ist, an die Wand. Den einzigen Auftritt von Rang hat Zachary Scott, ein oft unterschätzter Darsteller der Vierziger und Fünfziger, dessen Charakter einen Fremdkörper im herzensguten Panoptikum texanischen Bürgertums darstellt. Auf einer nächtlichen Fahrt im Cabriolet mit Shelley Carnes auf dem Beifahrersitz wird er zum Dämon – fünf Minuten unheimlicher Größe und sehr befreiend in einem sonst beklemmend öden Film.
 
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© Warner Bros.
 
Schon die handlungsrelevante Prämisse, die mittellose Schauspielerin eines Tourneetheaters müsse sich in einem abgelegenen Winkel der texanischen Wüste eines Kuraufenthalts unterziehen, ist derart absurd, dass man sich zwischen Lachen und Ärgern entscheiden muss. Eingangs reist Shelley Carnes im Greyhound-Bus an; später mimt sie auf den Cocktailparties der Nolans die Dame von Welt - Ruth Roman überzeugt hier nicht. Es gibt eine tolle Kameraarbeit von Sidney Hickox (Tote schlafen fest, USA 1946) und eine stringente Regie King Vidors, aber zu wenig Fleisch in der Suppe, um die Geschichte schmackhaft zu machen. Zudem ist die Verwässerung mit Heile-Welt-Klischees, - blitzsaubere, reiche Amerikaner, mexikanische Bedienstete, Müßiggang am Swimming Pool – den Film-Noir-Komponenten, die den Auftakt bilden, diametral entgegen gesetzt. Dieser Film ist klar ein Produkt der Frühfünfziger, als die McCarthy-Ära aus Hollywoods Konfliktstoffen alle Luft herausließ. Liza, Harvey und Darryl Hickman als String verkörpern die Gegenwelt, allesamt Außenseiter, doch ihr Scheitern dient den Helden zum Sprung ins bürgerliche Glück. Das Ende markiert die Antithese zum Film Noir der Vierziger, ein frohgemutes Happy End! des Konservatismus’ im Angesicht der Toten. Lightning Strikes Twice ist zu keinem Zeitpunkt ganz schlecht, aber außer in einer Szene auch nie richtig gut.
 
Sehr gute DVD-R der Warner Archive Collection (2009), ungekürzt im Originalformat und bildtechnisch nahezu perfekt, englischer Originalton ohne Untertitel und ohne Extras, wie in dieser Reihe üblich. In Europa gibt es seit 2015 eine DVD von Golem Video aus Italien, die wahlweise eine englische und eine italienische Tonspur bietet.
 

Film Noir | 1951 | USA | King Vidor | Sidney Hickox | Zachary Scott | Richard Todd | Rhys Williams | Ned Glass | Darryl Hickman | Ruth Roman

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