Gefährliche Überfahrt

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Bewertung
***
Originaltitel
Dangerous Crossing
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1953
Darsteller

Jeanne Crain, Michael Rennie, Casey Adams, Carl Betz, Mary Anderson

Regie
Joseph M. Newman
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Im Hafen von New York: Die reiche Erbin sowie frisch und glücklich verheiratete Ruth Bowman (Jeanne Crain), ehemals Stanton, geht mit ihrem Ehemann John (Carl Betz) an Bord eines Luxusdampfers, um ihre Honeymoonreise nach Paris anzutreten. Die freundliche Stewardess Anna Quinn (Mary Anderson) zeigt ihnen ihre Kabine und die beiden stellen das Gepäck ab. Doch nach Ablegen des Schiffes erscheint John nicht, wie verabredet, in der Bar und Ruth macht sich auf den Weg zu ihrer Kabine. Diese findet sie zu ihrer Verwunderung verschlossen, und als sie sich ans Schiffspersonal wendet, erklärt man ihr, dass sie unter ihrem Mädchennamen Ruth Stanton eingecheckt habe und ihr Gepäck, wie vorgesehen, in einer Einzelkabine abgestellt worden sei. John Bowman und seine Koffer sowie jede sonstige Spur von ihm bleiben verschwunden. Ruth wendet sich an diejenigen, von denen sie weiß oder annehmen muss, dass sie ihn bei Betreten des Schiffes zusammen mit ihr gesehen haben. Doch neben Anna Quinn kann ihr weder der Chefsteward (Gary Whitman) noch der zweite Offizier (Max Showalter) weiterhelfen. Niemand will Ruth Stanton in Gesellschaft eines Mannes gesehen haben, auch ist dieser nicht auf der Passagierliste verzeichnet. Ruth wendet sich schließlich an den Kapitän des Schiffes, der sie zwar ernst nimmt und das Schiff nach dem Verschwundenen durchsuchen lässt, was erwartungsgemäß ohne Ergebnis verläuft, die erregte Frau aber schon bald in die Obhut des Schiffsarztes Dr. Paul Manning (Michael Rennie) empfiehlt….
 
Als ein “black & white noirish, mystery film” ist Joseph M. Newmans B-Produktion bei Wikipedia verzeichnet und Foster Hirsch, der den Thriller mit den zeitgleich entstandenen Film Noirs Beware, My Lovely (1952) und Sekunden der Angst (1953) vergleicht, kommt in seinem Buch The Dark Side Of The Screen: Film Noir (1981) zu dem Schluss: “The three films are exciting thrillers which nonetheless lack the dimensions of earlier film noirs.“ Mancher Rezensent sieht auch den Einfluss Hitchcocks am Werk, was nicht allein durch die Hitchcock-Darsteller Michael Rennie und Mary Anderson gerechtfertigt ist und vertretbar scheint. Auch hatte Hitchcock mit dem Spionagethriller Eine Dame verschwindet (UK 1938) bereits einen gleichartigen Plot verfilmt, nur dass die Handlung in einem Zug spielte. Doch der nach John Dickson Carrs Hörspiel Cabin B-13 (1943) und auch in Anlehnung an Midnight Warning (1932), wo das Verschwinden eines Mannes im Hotel stattfindet, entstandene halbe Film Noir Gefährliche Überfahrt zeigt nach dem vielversprechenden Start seine Schwächen. Sie liegen nicht zuletzt im Spiel Jeanne Crains, die in den Vierzigern als Anwärterin auf Starruhm galt, und mit 28 Jahren eigentümlich verblüht und blass wirkt. In der Hauptrolle bringt sie die Nöte der einsamen, in eine Falle geratenen Frau lediglich solide zum Tragen - ihre Aufregung wirkt allzu plakativ. Zudem wird sie von der Riege teils exzellenter Nebendarsteller an die Wand gespielt, Mary Anderson oder Michael Rennie sind klar überlegen.
 
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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Auf dem Höhepunkt der McCarthy-Ära hatte sich der Film Noir, obgleich in thematischen Setzungen erkennbar, zurück entwickelt. Jedwede gesellschaftliche oder psychologische Konnotation, die über die singuläre Geschichte der Ruth Stanton/Bowman hinaus wiese, wird hier vermieden. Der Film läuft trotz mehrerer Szenen, die für einen Film Noir typisch und dank Kameramann Joseph LaShelle exquisit umgesetzt sind, aufs Katz-und-Maus-Spiel der Kriminalhandlung hinaus. Der Zuschauer weiß, dass Ruth Stanton-Bowman nicht verrückt ist, nur sie selbst muss sich im Rahmen der Geschehnisse bewähren, damit sie es nicht wird, aber noch vor dem letzten Drittel wird das Geheimnis gelüftet. Im Gegensatz zu Eiskalte Rache / Maskierte Herzen (USA 1952), dessen Plot um Rache und Betrug nicht unverwandt ist, bleibt hier vieles fade und wenig einleuchtend. Über die Eheleute Ruth und John Bowman erfährt der Zuschauer rein gar nichts, sie sind Funktionsträger der Mystery-Geschichte, ihre gemeinsame bleibt verborgen, was dem Ganzen letztlich wenig Glaubwürdigkeit verleiht. Alles in allem kein schlechter, aber wenig bemerkenswerter und für seine Zeit typischer Thriller. 1992 versuchte sich Tony Wharmby unterm Titel Treacherous Crossing an einem Remake fürs Fernsehen, u.a. mit Angie Dickinson.
 
Exzellente DVD-Edition (2005) im Rahmen der von Twentieth Century Fox Home Entertainment in den USA editierten Serie Fox Film Noir, d.h. ungekürzt und bildtechnisch topp restauriert im Originalformat, englische Tonspur und englische Untertitel, den US-Kinotrailer, einen Audiokommentar des Filmhistorikers Aubrey Soloman und die Kurzdokumentation Peril at Sea: Charting A Dangerous Crossing als Extras. In Deutschland bzw. Europa ist der Film nicht erschienen und nur schwer erhältlich.
 

Film Noir | 1953 | USA | Joseph M. Newman | Joseph LaShelle | Casey Adams | Michael Rennie | Jeanne Crain | Mary Anderson

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