Gefährliches Abenteuer / Abenteuer in Wien

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Bewertung
****
Originaltitel
Gefährliches Abenteuer / Abenteuer in Wien
Kategorie
Film Noir
Land
AUT/USA
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Gustav Fröhlich, Cornell Borchers, Franz Lederer, Inge Konradi, Egon von Jordan

Regie
Emile E. Reinert
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Verlag für Filmschriften Christian Unucka  © Filmarchiv Austria  © Vertrieb Hoanzl
 
Als auf dem Weg nach Wien sein Zug an einem Bahnhof hält, gibt der US-Amerikaner John Milton (Louis Ousted) rasch ein Telegramm auf. An diesem Silvestertag erwartet auf dem Telegrafenamt zu Wien die Haushälterin Anna Fraser (Adrienne Gessner) bereits seine Nachricht und eilt damit zurück zu ihrer Herrschaft – ins Haus des Konzertpianisten Claude Manelli (Franz Lederer) und seiner Frau Karin (Cornell Borchers). Hier wird sie von Manellis Manager Krüger (Egon von Jordan) abgefangen, der ihr aufträgt, nach seinen Smokingschuhen zu suchen, indessen er das Telegramm aus ihrer Handtasche stiehlt und damit zu Manelli eilt. Der sucht sogleich seine Frau in ihrem Zimmer auf und hält ihr vor, ihn mit Milton verlassen zu wollen, obgleich er sie doch stets so brauche. Karin Manelli gibt Claude zu verstehen, dass sie ihre Ehe als Qual empfände und willigt dennoch ein, Milton nicht zu treffen. Als sich Claude Manelli auf den Weg ins Konzert begibt, rammt der von dem Zwischenfall Erregte beinahe ein Taxi. Dessen Fahrer ist Toni Sponer (Gustav Fröhlich), der sich ohne Papiere in Wien aufhält und von der Gnade seines Freundes Ferdl Heintl (Hermann Erhardt) abhängig ist, der ihn mit seinem Taxi die Hälfte seiner Fuhren überlässt. Soeben kehrt Toni zu ihm zurück, wo ihn Ferdls Schwester Marie (Inge Konradi) einlässt, indessen jener seinen Rausch vom Vorabend ausschläft. Toni erzählt Marie von Alpträumen, die ihn des Nachts plagen, darin er ohne Papiere zu einem Niemand degradiert wird. Sobald Ferdl erwacht, erweist er sich als zu verkatert, um heute seine Schicht zu übernehmen. Also fährt Toni Sponer an seiner Stelle mit dem Taxi zum Westbahnhof, wo inzwischen John Milton eintrifft…
 
„Ein veritabler Film noir, der anno 1951/52 Wiener Originalschauplätzen düstere Seiten abgewinnt“, schreibt Isabella Reicher, Filmjournalistin für die österreichische Zeitung Der Standard. Und auf der exzellenten DVD-Edition (2008) vom Vertrieb Hoanzl, Wien, liest man: „Ein kleines, heute fast vergessenes Meisterwerk des Film noir: Ungewohnt düster präsentiert es den Schauplatz Wien – ungemütlich, mit schrägen Treppenhäusern, Durchgängen und vom Verkehr überrollten Gassen.“ Nun hatte drei Jahre zuvor bereits Carol Reed mit seinem Film-Noir-Klassiker Der dritte Mann (UK 1949) gezeigt, wie man die Stadt Wien für eine dunkle Geschichte zu inszenieren habe und prompt einen Welterfolg gelandet. Womöglich hat das die Mitproduzenten der US-amerikanischen Transglobe-Film Inc. dazu bewogen, sich an diesem Projekt in Österreich zu beteiligen, das dort dann zweimal verfilmt wurde – in der gleichen Stadt mit teils den gleichen (jeweils Franz Lederer als Claude Manelli) und teils anderen Schauspielern (einmal Gustav Fröhlich, einmal der US-Amerikaner Donald Buka als Toni Sponer) und von jeweils einem anderen Regisseur. Im August 1952 kam Gefährliches Abenteuer / Abenteuer in Wien in Deutschland und in Österreich ins Kino - ein Film, der unter tendenziell chaotischen Bedingungen zustande gekommen war, was schließlich zu einer Explosion des Budgets führte und der dann weder in Europa noch in den USA (die dortige Fassung lief 1953 unterm Titel Stolen Identity in den Kinos) nur ansatzweise sein Geld wieder einspielte. Kurzum, Gefährliches Abenteuer / Abenteuer in Wien und Stolen Identity waren Flops, und Österreich legte den Film Noir mehr oder minder ad acta.
 
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© Vertrieb Hoanzl
 
Die historische Einordnung trägt den Stallgeruch eines „vergessenen“ Films und die Möglichkeit einer Wiederentdeckung in sich, wie das u.a. im Fall von Peter Lorres Der Verlorene (GER 1951) zu einer Perle des westdeutschen Nachkriegsfilms führte. So spektakulär ist das im Fall von Gefährliches Abenteuer / Abenteuer in Wien allerdings nicht. Dennoch hebt sich der Film 60 Jahre nach seiner Entstehung von der Einheitskost jener Jahre im deutschsprachigen Raum angenehm ab. Was Isabella Reicher und das Waschblatt der Hoanzl-Edition anmerken, ist triftig. Emile E. Reinerts ungewöhnliches Werk, basierend auf dem Roman Ich war Jack Mortimer von Alexander Lernet-Holenia, der bereits 1935 von Carl Froelich verfilmt worden war, ist tatsächlich stark vom Film Noir beeinflusst. Sowohl die Dramaturgie als auch Helmut Ashleys Kameraarbeit mit ihren Außenaufnahmen im nächtlichen Wien des Winters 1951/52 schließen nahtlos an die expressionistische Tradition des Vorkriegsfilms an und sorgen von Anbeginn für eine beklemmende Atmosphäre. Die Low-Key-Ausleuchtung und sogar ungewöhnliche Einstellungen lassen auf ein gerüttelt Maß an Reflexion der Filmschaffenden schließen. Damit wirkt der Film nicht altbacken, wie in Deutschland und Österreich während der Fünfziger sonst so vieles. Identität und Täuschung sind die dem Film Noir entlehnten Themen. Mit seinem nach 84 rasanten Minuten überraschend schwachen Ende leider kein Meisterstück erweist sich diese Kuriosität aus Österreich dennoch als sehr sehenswerte Einzeltat ihrer Zeit.
 
Die vorbildliche DVD-Ausgabe vom Vertrieb Hoanzl in der Edition von Der Standard, bringt den Film in einer bildtechnisch exzellent restaurierten Fassung, ungekürzt und im Originalformat mit deutscher Tonspur. Sehr schön ist das Digipack mit sowohl Isabella Reichers Artikel als auch einem Auszug aus der Produktionsgeschichte in Austrian Noir, herausgegeben von Armin Locker, Filmarchiv Austria, sowie vielen Filmfotos.
 

Film Noir | 1952 | International | Emile E. Reinert | Franz Lederer | Gustav Fröhlich

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