Hana-bi - Feuerblume

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Bewertung
*****
Originaltitel
Hana-bi
Kategorie
Neo Noir
Land
JPN
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

Takeshi Kitano, Kayoko Kishimoto, Ren Ohsugi, Susumu Terajima, Tetsu Watanabe

Regie
Takeshi Kitano
Farbe
Farbe
Laufzeit
99 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
 
Tokio: Der Polizist Yoshitaka Nishi (Takweshi Kitatono) scheint vom Schicksal geschlagen. Vor zwei Jahren starb seine kleine Tochter. Nun ist seine Frau Miyuki (Kayoko Kishimoto) unheilbar an Leukämie erkrankt; auch sie wird bald sterben. Sein Kollege Tanaka (Makoto Ahsikawa) wird bei einer Verhaftung vor Nishis Augen erschossen, ein zweiter, der junge Nakamura (Susunu Terajima), dabei verwundet. Und sein langjähriger Partner Horibe (Ren Ohsugi) kam zuvor nur knapp mit dem Leben davon – für den Rest seiner Tage an den Rollstuhl gefesselt. Von seiner Familie verlassen, sucht Horibe, der zwangsläufig in die Frührente gehen musste, nach einem arbeitsreichen Leben eine Selbstbeschäftigung in der Malerei. Nishi trifft sich mit der noch jungen Witwe Tanakas (Yûko Daike), die versucht, in einem Feinkostladen als Aushilfe über die Runden zu kommen. Im Krankenhaus rät der behandelnde Arzt (Ken'ichi Yajima) Yoshitaka Nishi, seine Frau Miyuki für die noch kurze Spanne ihres Lebens nach Hause zu holen. Immer wieder wird der von Schuldgefühlen geplagte Nishi mit seinen Erinnerungsbildern konfrontiert, dem Tod Tanakas. Und als die Yakuza schließlich bei ihm die Schulden einzutreiben gedenkt, die Nishi zwecks Unterstützung Horibes und der Witwe Tanakas bei ihnen aufnahm, dreht der so ausgeglichene, stoische Nishi durch und setzt sich gnadenlos zur Wehr…
 
Schlicht formuliert, ist Hana-bi - Feuerblume ein Film über die Unmöglichkeit, in der heutigen Gesellschaft Japans in Würde zu leben. Ein Film, der mit seiner kunstfertigen Formensprache diese Botschaft auf ein Niveau transferiert, dass er dafür international Filmpreise einheimst. Zu Recht! Takeshi Kitanos Neo Noir ist ein Meisterwerk des Kinos der Neunziger, das nicht nur mühelos an Hollywoodproduktionen anschließt, sondern deren oftmals eher sinnfrei im düsteren Film-Noir-Umfeld platzierten Thriller aus dem Rennen wirft. Denn Hana-bi - Feuerblume, vollendet unprätentiös und ohne pseudophilosophische Dialogpassagen über z.B. Sinn und Unsinn des Lebens, ist ein Film, der Tiefe beweist. Seine Charaktere, in der Nachbarschaft oder im Zentrum gewalttätiger und (zumeist im Körper selbst) verborgener Dynamiken, sind wunderbar einfach und ergreifend gezeichnete Personen, die vor allem im Schweigen beredt sind. Wie bei vergleichbaren Dramen im Kontext des Neo Noirs, die sich über die Klischees von Low-Life-Stories auf TV-Niveau oder ein bloßes Zitieren von Film-Noir-Standards der Vierziger und Fünfziger hinweg entwickeln, sind es die glaubwürdig dreidimensionalen Charaktere, die Takeshi Kitanos Film zu einem cineastischen Erlebnis werden lassen.
 
Hana-Bi-still-web2A.jpg Hana-Bi-still-web1A.jpg Hana-Bi-still-web3A.jpg
© Capelight Pictures
 
Einmal mehr zeigt sich in diesem reifen Werk, dass es bestimmter Faktoren bedarf, um eine formal gelungene Umsetzung auf mehreren Ebenen zu bewerkstelligen. Schauspieler, männlich wie weiblich, Regie, Drehbuch, Kamera, Musik, Schnitt – hier stimmt einfach alles! Entscheidend für das besondere Interesse, dass der überaus ruhige Film seinem Zuschauer gleichermaßen zuspielt und abverlangt, ist die verschachtelte Erzählstruktur, die Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf / Killing (USA 1956) auf eine nächste Stufe transferiert. Um vieles raffinierter als etwa Quentin Tarantino in Pulp Fiction (USA 1994), der Ähnliches im Sinn hatte, entwickelt Kitano eine Polyphonie des Geschehens, die auf mehreren Ebenen zeitlich ineinander geschachtelt wird, so dass der Zusammenhang der Ereignisse einzig im Kopf des Zuschauers stattfinden kann. Grandios ist hier, dass das Verstehen der Handelnden selbst nicht vom Verständnis eine Chronologie zugunsten einer Handlungslogik in Abhängigkeit steht. Auch wer nicht alles durchsteigt, begreift die Motivation der Charaktere und zweifelt (oder verzweifelt…) nicht am Film. Kompromisslos ist die Reflektion auf die Bedingungen und Perspektiven des Lebens im Zeitalter der Globalisierung. Takeshi Kitano, seit den frühen Achtzigern ein populärer Komiker in Japan, konnte sich als Regisseur (v.a. in Japan) nur langsam durchsetzen. Nach einem schweren Motorradunfall 1994, dem einige harte Gangsterfilme - z.B. Violent Cop (JPN 1989) und Sonatine (JPN 1993) vorhergingen - war Hana-bi - Feuerblume mit biografischen Anspielungen gespickt. Alle Gemälde, denen hier eine zentrale Rolle zukommt, sind Werke von Takeshi Kitanos eigener Hand, gemalt in der Phase seiner Rekonvaleszenz.
 
Exzellente DVD von Arthaus/Studiokanal, die den Film mit 99 Minuten Spielzeit gänzlich ungekürzt (FSK 16) im Originalformat zeigt, deutsche und japanische Tonspur, wahlweise deutsche Untertitel, den japanischen Kinotrailer als Extra. Unbedingt ansehen!
 

Neo Noir | 1997 | International | Takeshi Kitano | Susumu Terajima | Takeshi Kitano

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