Brighton Rock

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Brighton Rock


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Bewertung
****
Originaltitel
Brighton Rock
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/FRA
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

Sam Riley, Andrea Riseborough, Helen Mirren, John Hurt, Phil Davis

Regie
Rowan Joffe
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Brighton, England, 1964: In dem Seebad an der Südküste konkurrieren die Banden des organisierten Verbrechens. Eines Nachts wird Kite (Geoff Bell) von den Schergen des mächtigen und skrupellosen Colleoni (Andy Serkis) verfolgt. Sie sind beauftragt, ihm lediglich etwas Angst einzujagen, doch in der Hitze eines Messerkampfes tötet Hale (Sean Harris) den Verfolgten mit einem Stich in den Hals. Der junge Pinkie Brown (Sam Riley), der Kite zu Hilfe eilen wollte, wird Zeuge des Mordes. Er und die Verbliebenen aus Kites Bande, zu denen der Alkoholiker Spicer (Phil Davis) sowie Dallow (Nonso Anozie) und Cubitt (Craig Parkinson) zählen, schwören Rache und stellen Hale sogleich am nächsten Tag auf dem belebten Brighton Pier. Hale versteht, was die Stunde geschlagen hat, und spricht hastig eine junge Frau an. Die Serviererin Rose (Andrea Riseborough) aus Idas (Helen Mirren) Snow’s Café verbringt auf dem Pier ihre Mittagspause. Sie fühlt sich durch Hale belästigt, zumal noch ein Fotograf just in dem Augenblick eine Aufnahme schießt, darauf im Hintergrund auch Spicer zu sehen ist. Aber Hale entgeht seinen Häschern nicht und am Strand kommt es zwischen ihm und Pinkie zum entscheidenden Kampf…
 
Einem Filmklassiker nachzufolgen, ist für die Neuadaption insbesondere einer literarischen Vorlage immer ein gewagtes und schwieriges Unterfangen. John Boultings Erstverfilmung von Brighton Rock aus dem Jahr 1947, in der Rolle Pinkies der junge Richard Attenborough, gilt zu Recht als ein Meilenstein des britischen Film Noirs. Der in Deutschland kaum bekannte Klassiker - der Film kam hierzulande nie ins Kino und feierte sein Fernsehdebüt erst 1997 - liegt seit April 2011 via Arthaus als hochwertige DVD vor. Im gleichen Monat brachte die Kinowelt GmbH Rowan Joffes Neuverfilmung von Graham Greenes Brighton Rock ins Kino und inzwischen gibt es auch die DVD bzw. Blu-ray. Mit Sam Riley, Helen Mirren und John Hurt hochkarätig besetzt, beweist dieser Film, dass man heutzutage diesseits von computergenerierter Effekthascherei und Actioneinerlei Filme produzieren kann, deren Charaktere und deren Dramaturgie allein für Spannung sorgen. Brighton Rock ist ein Beispiel für zeitgenössisches Film-Noir-Kino, das den Moden des Zeitgeists nicht auf den Leim geht.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Erstaunlich bleibt, dass (vor allem in England) sowohl die Kritik als auch das Publikum eher negativ auf das Werk reagiert. Einerseits ist richtig, dass Joffe in seiner Adaption dem Buch so akkurat folgt wie seinerzeit bereits John Boulting. Andererseits verlegt er die Handlung ins Jahr 1964 – ins Jahr der Mods, der Jugendkrawalle und zugleich noch eines der Todesstrafe. Allen Unkenrufen zum Trotz glückt das und nicht nur Kameramann John Mathiesons Equipment der Sechziger, mit dem der Film aufs Zelluloid gebannt wurde (ein Lieblingsfilm Joffes ist Melvilles Vier im roten Kreis, FRA 1970), sondern auch das Schauspiel der Hauptdarsteller sorgen für ein stimmiges Zeitgemälde. Das Erzähltempo ist flott, eingangs sogar zu hastig, insofern Rose allzu schnell auf Pinkie herein fällt, doch der Film hält dies über 111 Minuten durch. Helen Mirren und John Hurt stehlen den Jungen beizeiten die Schau – derart trumpfen sie in ihren Szenen auf. Die Inszenierung verzichtet auf vordergründige Film-Noir-Zitate und setzt eine eigenständig von Tristesse und Zwielicht geprägte Ästhetik. Nüchtern und brutal sind beide Adaptionen, neu und alt, zudem überzeugt auch Sam Riley (nach der grandiosen Interpretation durch Richard Attenborough 1947) in der Rolle des gefühlskalten, hochgradig psychotischen Pinkie Browns.
 
Doch leider bläht eine kitschige, dem Zeitkontext des Films unangemessene, chorale Musik einige Szenen über die Maßen auf. Dabei arbeitet sie den Bildern entgegen, verwischt deren Prägnanz mit ihrem Bombast, was sich durchweg als störend erweist. Hätte die Regie an so mancher Stelle auf Musik vollends verzichtet – die Wirkung dessen wäre um vieles nachhaltiger gewesen. Doch dieser Mut zur Strenge und zur Kargheit fehlt. Allemal ist Brighton Rock ein Neo Noir, dessen Nachhall mich Tage später noch davon überzeugte, dass er überaus sehenswert ist. Ein ausnahmsweise gelungenes Remake des zeitgenössischen, europäischen Kinos!
 
Hervorragende DVD bzw. Blu-ray von Arthaus/Kinowelt: wahlweise deutscher, englischer oder französischer Ton, optional deutsche Untertitel, ungekürzte 111 Minuten Spielzeit im Originalformat, dazu den original UK-Kinotrailer als Extra.
 

 

Neo Noir | 2010 | UK | Rowan Joffe | Graham Greene | John Hurt | Sam Riley | Helen Mirren

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