Terribly Happy

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Bewertung
****
Originaltitel
Frygtelig lykkelig
Kategorie
Neo Noir
Land
DNK
Erscheinungsjahr
2008
Darsteller

Jakob Cedergren, Lena Maria Christensen, Kim Bodnia, Lars Brygmann, Jens Jørn Spottag

Regie
Henrik Ruben Genz
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Südjütland, Dänemark: Der Polizeichef (Jens Jørn Spottag) der Kleinstadt Tønder ist mit dem aus Kopenhagen wegen eines schwerwiegenden Vorfalls strafversetzten Polizeibeamten Robert Hansen (Jakob Cedergren) auf dem Weg zu dessen neuer Arbeitsstelle. In einem Dorf ist der Posten des einzigen Polizisten zu besetzen und der in der Wohnung des Arztes Dr. Zerleng (Lars Brygmann) Karten spielende Dorfpastor (Henrik Lykkegaard) und der Inhaber des Supermarkts Moos (Anders Hove) nehmen von der Ankunft des Wagens Notiz, indessen die ebenfalls anwesende Friseurin Lone ’TP’ (Taina Anneli Berg) die Herren vom Fenster aus darauf hinweist, dass der Chef aus Tønder den Neuen gebracht habe. Während Hansen mit seinem Gepäck auf der Straße steht, sieht er sich von der neunjährigen Dorthe Buhl (Mathilde Maack) beobachtet, die die Straße entlang von dannen läuft. In seiner Wohnung packt Robert die Reisetasche aus, zuerst die Bilder seiner eigenen Töchter, als plötzlich Dr. Zerleng mit einer Katze auf dem Arm in der Tür steht. Er begrüßt den Ankömmling und informiert ihn darüber, dass die Dorfbewohner lieber einen Einheimischen auf seinem Posten gesehen hätten. Zerleng übergibt ihm die Katze, einst diejenige von Roberts Vorgänger, die andernfalls in den sumpfigen Feldern ringsum ertränkt würde. Am Morgen sitzt Robert in seinem kahlen Büro und versucht, seine Kinder in Kopenhagen anzurufen. Es meldet sich nur der Anrufbeantworter und er legt auf. Mit dem Fahrrad will er durchs Dorf, doch die Reifen sind platt…

 

”Terribly Happy”(…)  is a dour and deadpan film noir from Denmark, and a good one”, eröffnet Roger Ebert seine positive Besprechung jenes eigenwilligen, für seine Zeit aber nicht untypischen Beispiels eines selbstbewussten Nordic Noirs. Dessen Autor und Regisseur Henrik Ruben Genz hatte im Vorjahr bereits mit der Regie von insgesamt vier Episoden der ersten Staffel der TV-Serie Kommissarin Lund - Das Verbrechen (DNK/NOR/SWE/GER 2007) bewiesen, dass er auf dunklem Terrain heimisch werden kann. Als Spross des Fernsehens hatte er mit Chinaman (DNK/CHN 2005) bereits einen Kinofilm vorgelegt; dem folgte mit Terribly Happy schließlich ein zweiter von nochmals anderem Kaliber. Lakonisch hart und im Handlungsverlauf voller Überraschungen zeigt sich solcher Neo Noir als gelungene Gratwanderung schwarzen Humors im Verbund mit einem an der Grenze des Horrors angesiedelten, schockierenden Drama. Der Mikrokosmos des Dorfes erweist sich exemplarisch für eine Reihe gesellschaftlicher Normen, die den Polizeibeamten Robert Hansen von Anbeginn unter Druck setzen - einen, der aus Kopenhagen kommend mit einer Pillendose voll Psyhopharmaka seinen Dienst antritt. Statt einer ruhigen Zeit auf dem Land offenbart sich Robert Hansens Neubeginn als einer im Wespennest sozialer Kontrolle und persönlichen Kontrollverlusts, darin der von Exzessen geprägte Lebensstil von Jørgen (Kim Bodnia) und Ingerliese Buhl (Lena Maria Christensen) ebenso eine Rolle spielt wie Dr. Zerlengs Drogenkonsum oder der verkappte Sadismus des Kaufmanns Moos. Die Dorfleute spielen ihr Spiel nach eigenen Regeln und er ist wider Willen ein Teil dessen, denn Wille, soviel ist schnell klar, ist nicht seine Stärke. Dass er ihr Spiel nicht versteht, wird zum zentralen Problem - die Gegenseite versteht ihn nur allzu gut.

 

In seiner biestigen Konsequenz zeigt Terribly Happy im abschließenden Drittel Parallelen zu Erik Skjoldbjærgs Todesschlaf (NOR 1997) und zuletzt gar zu René Cléments Wie Raubkatzen (FRA 1964). Mit der schleichenden Dehumanisierung unterm Einfluss der Verhältnisse weit abseits von Kopenhagen, welcher der Protagonist anheim fällt, lässt die Filmerzählung ihn und uns am Ende nicht davonkommen, so lässt es sich zumindest interpretieren. Zugleich macht Henrik Ruben Genz kein Zugeständnis an die Wohlfühldoktrin des Mainstreamkinos, womit sich die auch nach Jahren positive Resonanz auf den Film erklärt. Terribly Happy ist international auf vielen Filmfestivals gezeigt und in Dänemark mehrfach prämiert worden. 2010 war der Film Dänemarks Beitrag zur Oscar-Vergabe für den Best Foreign Language Film. In vielen europäischen Nationen und sogar in den USA lief er im Kino - nur in Deutschland hat man ihn bis heute nie gesehen, nicht mal eine BD oder DVD gibt es. Dafür erschien hierzulande der enttäuschende Neo Noir Good People (USA/UK/DNK/SWE 2014), den Genz sechs Jahre später mit einer Riege internationaler Stars in London inszenierte und der kaum an seine Handschrift in Terribly Happy erinnert und sich ganz der Banalität des Mainstreams hingibt. Schade!

 

Neben den europäischen Editionen ist die US-DVD (2010) von Oscilloscope Laboratories das Nonplusultra einer hochwertigen Veröffentlichung, mit dem Film bild- und tontechnisch topp, dazu den original dänischen Ton mit englischen Untertiteln, einen Audiokommentar von Henrik Ruben Genz und einen des Produzenten Thomas Gammelloft, obendrein mehrere Interviews, ein Behind The Scenes und unterm Titel A Stranger In Town einen Essay von Film-Noir-Sachbuchautor Foster Hirsch als Extras - all das im opulenten Digipack mit Pappschuber und damit schlicht erstklassig editiert.

 


Neo Noir | 2008 | International | Henrik Ruben Genz | Jakob Cedergren

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