Yellow Sea, The

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Bewertung
****
Originaltitel
Hwang hae
Kategorie
Neo Noir
Land
KOR/USA/HK
Erscheinungsjahr
2010
Darsteller

Jung-Woo Ha, Yoon-Seok Kim, Sung-Ha Jo, Do-Won Kwak

Regie
Hong-Jin Na
Farbe
Farbe
Laufzeit
157 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

Im Länderdreieck von China, Russland und Nordkorea liegt die Autonome Koreanische Präfektur Yanbia mit der Hauptstadt Yanji. Ein Drittel der Einwohner sind Koreaner; in dem China angegliederten Yanbia eine Minderheit, und in Korea werden sie Joseonjok genannt. Zu ihnen gehört auch Taxifahrer Gu-nam (Jung-Woo Ha). Dessen Frau (Sung-Eun Tak) und Mutter der inzwischen bei ihrer Großmutter (Byoung-Sook Sung) lebenden Tochter ist in Südkorea, um Geld zu verdienen und ebenfalls für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Gu-nam hat wegen des Visas für seine Frau erhebliche Schulden. Doch seine Einnahmen verspielt er beim Mahjong und lebt in der verwahrlosten Wohnung allein. Schon seit einem Jahr hat er von seiner Frau nichts gehört und inzwischen sitzt ihm auch sein Chef (Ha-Bok Yoo) bei der Taxigesellschaft im Nacken, der ihm fürs Visum seiner Frau das Geld vorstreckte und von Gu-nams prekärer Lage weiß. Denn obwohl Gu-Nam ständig verliert, geht er jede Nacht zum Mahjong in der Hoffnung, durch einen Gewinn seine Schulden bezahlen zu können. Als es ihm erneut misslingt, wird er von seinem Chef, der endgültig die Geduld verloren hat. mit dem Gangster Jung-hak Myun (Yoon-Seok Kim) bekannt gemacht. Jener bietet Gu-Nam an seine Schulden zu begleichen, wenn er im Gegenzug in Seoul, Südkorea, den dort lebenden Seung-hyun Kim (Do-Won Kwak) ermordet. Gu-nam bittet sich Bedenkzeit aus und entschließt sich ob seiner verzweifelten Lage Myuns Auftrag auszuführen…

 

Der episch angelegte Neo Noir The Yellow Sea ist in vier Teile unterteilt. Nach den ersten beiden, betitelt The Cab Driver und The Killer, war ich überzeugt, dem Werk 5 Sterne zu geben. Eine Spielzeit von 60 Minuten ist für viele Spielfilme schon zwei Drittel. In der internationalen BD- und DVD-Edition, die auf der englischen Edition dessen Laufzeit von lediglich 140 Minuten (im Vergleich zur koreanischen Kinofassung damit um 17 Minuten kürzer) als Director’s Cut ausweist, ist das für The Yellow Sea immer noch weniger als die Hälfte. In seiner ersten Stunde ist dieser Film ein wunderbar gestaltetes Drama, das rundum überzeugt. Drehbuch, Dramaturgie, Rollencharaktere, Schauplätze und Schauspieler sind vollends miteinander im Einklang. Endlich, so dachte ich, hat sich der koreanische Neo Noir vom Schnittmuster des Hongkong-Films emanzipiert und zeigt sich innovativ und eigenständig. Zwar wurzelt seine Geschichte in der Tradition internationalen Neo-Noir-Kinos, lässt aber nie einen Zweifel an der Authentizität seiner Rollencharaktere oder ihrer Entscheidungen aufkommen. Hier stimmt im Gegensatz zum maßlos überschätzten Mumpitz von Oldboy (KOR 2003) einfach alles. In dem Augenblick, da die eingangs komplexen Verwicklungen die Bühne fürs Drama der drei verfeindeten und konkurierenden Männer bereiten, die ihrerseits vor vollendeten Tatsachen stehen, hält die Banalität Einzug und The Yellow Sea degeneriert überraschend und leider auch zunehmend zum Actionthriller nach Schema F. Hektische Verfolgungsjagden und Gemetzel lösen sich in fader Redundanz ab. Einer plötzlich rein äußerlichen Dynamik entspricht der innere Stillstand. Nebenfiguren wird zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, die Motive der Rache und der Protektion von Eigeninteressen wirken abgenutzt, das grausame und bluttriefende Massenschlachten erscheint ebenso übertrieben wie der Hauptfiguren Talent, all das zu überleben: „Das führt wiederum dazu, dass der Film mehr und mehr an Glaubwürdigkeit einbüßt, die er vielleicht zu Beginn noch gehabt haben mag“, fasst es Florian Lieb für das Filmmagazigin Manifest zusammen.

 

The Yellow Sea ist in seiner zweiten Hälfte oft zu lang; Actionsequenzen dehnen sich endlos und bereichern die Geschichte in keiner Weise. Beizeiten ist der Film auch zu kurz. In einigen Sequenzen der zweiten Hälfte zeigt sich ein sprunghaft verknapptes Erzählen, womöglich auch als Folge der für jene um 17 Minuten gekürzten internationalen BD- und DVD-Fassung notwendigen Schnitte, und das irritiert. In einer Szene betritt Myun Jung-Na einen Kellerraum voller Gangster, in der nächsten Sequenz liegen sie allein von ihm und von seinem Beil erschlagen am Boden. Hier wurden im Vergleich zur koreanischen Kinofassung keine Schnitte vorgenommen, dennoch erweist sich die folgende Sequenz im Resultat als geradezu lächerlich. Es ist nicht das einzige Beispiel, wie der in seinen ersten zwei Teilen ruhig und souverän erzählte Filmhandlung zum Schluss ins Stottern gerät. So erweist sich The Yellow Sea letzten Endes als ein Film, den ich nicht bereue gesehen zu haben und der mich trotz einer beeindruckenden Schlusssequenz verärgerte, da er um Längen besser hätten ausfallen können und besser hätte ausfallen müssen. Sein Autor und Regisseur Hong-Jin Na hat die Chance, hiermit ein Meisterstück abzuliefern, unbegreiflicherweise verpatzt. Ganz, ganz knapp gibt es dafür noch vier Sterne - einzig und allein wegen der herausragenden ersten Stunde.

 

Vorsicht! Die deutschen BD- und DVD-Editionen (2012) der Twentieth Century Fox beinhalten trotz FSK-18-Einstiufung nicht den 140 Minuten dauernden internationalen Director’s Cut, sondern sind radikal um weitere 9 Minuten (!) gekürzt (vor allem Gewaltdarstellungen) und bieten eine Spielzeit von lediglich 131 Minuten. Vom Kauf dieser Ausgaben ist dringend abzuraten, auch in deutschen Streaming-Poertalen gibt es keine ungekürzte Fassung. Die englische BD oder auch 2DVD von Bounty Films beinhaltet den von Hong-jin Na erstellten Director’s Cut in voller Länge (140 Minuten) im Originalformat, dazu den koreanischen Originalton mit Untertiteln, auf der zweiten DVD ein Making of, mehrere Featurettes und drei Trailer.

 


Neo Noir | 2010 | International | Hong-Jin Na | Jung-Woo Ha

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