In der Hitze der Nacht

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Bewertung
*****
Originaltitel
In The Heat Of The Night
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1967
Darsteller

Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant, Larry Gates

Regie
Norman Jewison
Farbe
Farbe
Laufzeit
105 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© United Artists Corporation

Sparta, Mississippi: Ein Nachtzug hält im kleinen Bahnhof der Ortschaft und nur ein einziger Mann steigt aus, der dunkelhäutige Police Detective Virgil Tibbs (Sidney Poitier) aus Philadelphia… Indessen hockt der örtliche Polizist Sam Wood (Warren Oates) am Tresen des schmierigen Compton Cafe, einem Diner am Staßenrand, wo Ralph Henshaw (Anthony James) ihn spöttisch und widerwillig bedient, zumal er in der Hitze lieber Fliegen jagt. Sam Wood lässt sich von dem Burschen nicht gern duzen und geht nach draußen, wo er in seinen Dienstwagen steigt und in die Nacht fährt. Er kurvt durch eine Wohngegend mit alten Holzhäusern, löscht das Licht und bremst. In einer erleuchteten Küche steht nackt eine junge Frau (Quentin Dean), nippt an einer Cola und sieht zu Wood hinaus. Der prüft die Uhrzeit, zögert und fährt dann weiter ins Zentrum des Ortes. In einer Seitenstraße hält er an. Ein Mann (Jack Teter) liegt auf dem Asphalt und Wood steigt aus. Der Officer traut seinen Augen nicht: Philip Colbert, der erst kürzlich nach Sparta gekommene Geschäftsmann mit hehren Plänen, hat den Schädel eingeschlagen und ist tot... Polizeichef William Gillespie (Rod Steiger) ist schon bald zur Stelle und mit ihm Doc Stuart (Fred Stewart), der den Zeitpunkt des Todes auf 30 bis 60 Minuten zurückliegend einschätzt. Gillespie schickt Woods los, um die Billardhalle und den Bahnhof zu überprüfen. Dort findet er im Warteraum einen Fremden von dunkler Hautfarbe, Virgil Tibbs, und nimmt ihn als Mordverdächtigen kurzehand fest…

 

“Rarely do I see it mentioned, but I feel as if In the Heat of the Night is one of the many films that help bridge film noir into neo-noir,” schreibt Matt Conti für Letterboxd. Sicher ist Jewisons Film ein solcher, der die Eierschalen der konservativen 50er Jahre endgültig abschüttelt und seiner Erzählung ein Flair verleiht, welches das bald folgende New-Hollywood-Kino und damit den Neo Noir der Spätsechziger antizipert. Seinerzeit auch im Rekurs auf die durch massiven Rassismus’ in den USA verursachten sozialen Spannungen nach dem Bloody Sunday in Selma, Alabama, im Jahr 1965 und einer folgenden Spaltung der schwarzen Bürgerechtsbewegung unter Marin Luther King nach der Ermordung von Malcolm X entstanden, ist In der Hitze der Nacht heute weit mehr als ein Reflex auf die politische Lage in den Südstaaten der USA seiner Zeit. Die sensible und präzise Zeichnung aller Rollencharaktere nach dem gleichnamigen preisgekrönten Roman (EA 1965) John Balls, der damit seine bis 1978 fortdauernde Serie um den Polizeibeamten Virgil Tibbs begann, ist längst ein Klassiker des US-Kinos der Sechziger und wurde 1968 in sieben Kategorien für den Oscar nominiert, von denen er fünf auch zugesprochen erhielt, u.a. den Oscar als Bester Film. Fast 50 Jahre nach seiner Entstehung bleibt erstaunlich, wie die Dramaturgie den Zuschauer mit den ersten Einstellungen in den Fluss der Geschichte zieht und nicht mehr loslässt. Bis in kleinste Nebenrollen ist das Casting und die konturscharfe Ausgestaltung der Figuren ein Musterbeispiel für die zeitlosen Stärken des US-Erzählkinos, das in jenen Jahren mit Regisseuren wie Arthur Penn, William Friedkin, Martin Scorsese und Robert Altman auf dem Weg zu Triumphen jenseits des starren und altbackenen Studiosystems war. Mit John Frankenheimers Der Mann, der zweimal lebte (USA 1966), John Boormans Point Blank - Keiner darf überleben (USA 1967) und Arthur Penns Bonnie und Clyde (USA 1967) besann man sich dabei erstmals bewusst der Tradition des Film-Noir-Kinos der 40er und 50er Jahre.

 

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© United Artists Corporation

“We have the motive which is money, and the body which is dead!” Bis heute hat In der Hitze der Nacht einen Ruf als Musterbeispiel hochwertigen Schaulspiels und es trifft zu, denn Sidney Poitier und Rod Steiger agieren schlicht meisterhaft. Neben dem Hochgenuss ihrem fortwährenden Schlagabtausch zuzusehen, der in pointierten Dialogen kulminiert, bietet der Film mit Lee Grant, Quentin Dean, WarrenOates und Anthony James weitere Akteure, die deutlich oberhalb des Standards herkömmlicher Hollywood-Unterhaltung rangieren. Nicht durchgehend ein Neo Noir finden sich viele Motive und Stilzitate klassischen Film Noirs, die der Regisseur Norman Jewison mit Selbstbewusstsein und der Kameramann Haskell Wexler (Nach eigenen Regeln, USA 1996) mit Scharfblick und Stilsicherheit umsetzen. Nach einer wechselhaften Karriere kehrte Jewison mit Hurricane (USA 1999) nochmals zur Problematik des Rassismus’ in den USA zurück. Sidney Poitier spielte in Zehn Stunden Zeit für Virgil Tibbs (USA 1970) und Die Organisation (USA 1971) noch zweifach die Rolle des Ermittlers, doch waren die Routinewerke unter Gordon Douglas und Don Medford näher an den Blaxpoitation-Filmen jener Jahre als am Neo Noir und fokussierten sich mehr auf den "Krimi" anstatt auf ihre Rollencharaktere. In der Hitze der Nacht blieb im Grunde einzigartig und ist jedem Cineasten vorbehaltlos zu empfehlen.

 

Bildtechnisch erstklassige BD-Edition (2014) der Twentieth Century Fox Entertainment GmbH und eine gute DVD-Edition (2003) der  MGM Home Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch und Spanisch, optional Untertitel auf Deutsch, Spanisch, Griechisch, Portugiesisch und Ungarisch, den original Kinotrailer als Extra. Die deutsche Tonspur der BD soll zu sehr “optimiert“ worden sein und dumpf klingen, aber diesen Film muss man eh auf Englisch sehen.

 


Neo Noir | 1967 | USA | Norman Jewison | Harry Dean Stanton | Rod Steiger | Sidney Poitier | Warren Oates | William Schallert | Lee Grant

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