Crack-Up

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
***
Originaltitel
Crack-Up
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Pat O’Brien, Claire Trevor, Herbert Marshall, Ray Collins, Wallace Ford

Regie
Irving Reis
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Ein Zug rast durch die Nacht. Die Dampflok an seiner Spitze lässt ihr Signal hören. Schneller und schneller braust sie in die Dunkelheit… George Steele (Pat O’Brien) schlägt die Fensterscheibe der Eingangstür des Manhattan Museums ein. Es ist Nacht und ein Polizist (Harry Shannon) versucht, Steele davon abzuhalten, doch der prügelt auf ihn ein und läuft ins Museum, wo er durch eine Galerie antiker Skulpturen rast. Da bekommt ihn der Polizist zu fassen und muss den bewusstlos zusammenbrechenden Steele und sich vor einer umstürzenden Statue retten. Aus dem ersten Stock kommt die Museumsleitung, die noch in einer Besprechung war, herbei gelaufen. Der Kurator Stevenson (Damian O’Flynn) und der Museumsdirektor Barton (Erskine Sanford) erkennen in George Steele einen ihrer langjährigen Mitarbeiter und bitten den Polizisten, von einer Anzeige abzusehen. Auch Dr. Lowell (Ray Collins) ist anwesend und eröffnet den Anwesenden, dass George Steele mit Sicherheit nicht betrunken sondern unter Umständen ernsthaft krank sei. Man bringt ihn ins Büro des Direktors, wo Police Lt. Cochrane (Wallace Ford) auftaucht, um den Mann zu befragen, zudem Steeles Freundin Terry Cordell (Claire Trevor). Cochrane macht deutlich, dass Steeles Angaben zu seiner Zugreise fast schlüssig sind, nur dass es, wie er berichtete, keine Zugkatastrophe gegeben habe. Dr. Lowell fordert den Kranken auf, nochmals genau zu berichten, was er nach dem Ende seiner Arbeit im Museum getan habe. Am heutigen Nachmittag, so erinnert sich der Kunsthistoriker, habe er im Museum einen Vortrag über Ölgemälde gehalten…
 
“About as smart as cutting my throat to get some fresh air“, lautet George Steeles Antwort auf Terry Cordells Frage, ob er sich nicht auf die Hilfe der Polizei verlassen wolle. Aber das ist schon der beste Moment in diesem Werk. Sicher, Claire Trevor war eine wunderbare Schauspielerin, die sich sogar den Titel der “Queen of Noir“ erwarb. Aber nach dem überwältigenden Murder, My Sweet (USA 1944) von Edward Dmytryk war ihre Karriere erstmal im Sinkflug begriffen. Sowohl Edwin L. Marins Johnny Angel (USA 1945) als auch Irving Reis’ Crack-Up (USA 1946), Produktionen der seinerzeit angesehenen RKO Radio Pictures, sind keine Werke, die dem Film Noir heutzutage neue Fans bescheren. Mit jeweils George Raft und Pat O’Brien, zwei in die Jahre gekommenen Stars der Dreißiger, waren sie fehlbesetzt. Die beiden Mittvierziger liefern in ihren Hauptrollen unterdurchschnittliche Leistungen ab, die beizeiten an der Grenze zur Selbstparodie rangieren: „Mr. O'Brien goes through the picture with a dazed expression, so that one never can be sure whether his brain had indeed snapped”, schrieb Bosley Crowther bereits beim Kinostart im September 1946 für die New York Times und das ist zu 100% zutreffend. Pat O’Briens wenig glaubwürdige Vorstellung als Kunsthistoriker ist jedoch nicht bloß die eigene Schuld. George Steeles im Film umjubelte, kunsthistorische Lektion vor Publikum kommt über Allgemeinplätze und Banalitäten kaum hinaus. Nein, an Crack-Up stimmt im Grunde vieles nicht.
 
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© Warner Bros.
 
“When you start thinking about a picture such as Crack-Up you are overwhelmed by its inadequacies”, resümierte Bosley Crowther bereits 1946. Oder auch: “The script is (…) not even up to the level of a decently written teleplay”, fasst es Jenny the Nipper 65 Jahre nach Crowthers Kritik für Cinema OCD zusammen und trifft den Punkt einmal mehr. Ein Film Noir, an dem alle Fans des Stils vor allem die Kameraarbeit und die Riege der Nebendarsteller loben, sollte einen ohnehin misstrauisch werden lassen. Wenn wie im Fall von Crack-Up der Rollencharakter im Zentrum und der ihn darstellende Schauspieler das nötige Engagement vermissen lassen, kann nichts und niemand die permanent sichtbare Leerstelle füllen. George Steele ist ein Funktionsträger, vom Strohfeuer dieser Pulp-Episode mal hierhin, mal dorthin getrieben, aber im Grunde entfacht er im geneigten Zuschauer kaum einen Funken des Interesses. Als unauffällig mediokrer Steigbügelhalter für James Cagney war Pat O’Brien im Gangsterfilm der Dreißiger am richtigen Platz. Als zentraler Charakter eines Film Noirs kann er keinem Mitstreiter seiner Epoche das Wasser reichen. Crack-Up ist nicht schlecht, er ist bloß mittelprächtig. Mit Blick auf die Kunstgeschichte in einer Szene, da Mr. Steele anhand eines Gemäldes von Salvatore Dali den Surrealismus als Unfug brandmarkt und ein Widersacher aus dem Publikum mit Hitlerbärtchen (!) ihm lauthals Paroli bietet, bis jener unter Gelächter abgeführt wird, ist er obendrein erzreaktionär. Lange Rede, kurzer Sinn: Ein laues Unterhaltungsstück ohne echte Qualitäten.
 
Von Crack-Up existiert eine spanische DVD-Ausgabe, ungekürzt im Originalformat, englische Tonspur mit spanischen Untertiteln. Die DVD-R (2006) der Warner Archive Collection ist in Deutschland nicht lieferbar.
 

Film Noir | 1946 | USA | Irving Reis | Harry Shannon | Herbert Marshall | Pat O’Brien | Ray Collins | Wallace Ford | Claire Trevor | Ellen Corby

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