Wild Christmas

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Bewertung
**
Originaltitel
Reindeer Games / Deception
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2000
Darsteller

Ben Affleck, Charlize Theron, Gary Sinise, Donal Logue, Danny Trejo

Regie
John Frankenheimer
Farbe
Farbe
Laufzeit
120 min
Bildformat
Widescreen
 

 
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Im Iron Mountain Prison am Lake Michigan sind Rudy Duncan (Ben Affleck) und Nick Cassidy (James Frain) Zellengenossen. Fünf Jahre saß Rudy wegen professionellen Autodiebstahls hinter Gittern. Zwei Jahre erhielt Nick wegen Totschlags, als er beim Versuch seine Freundin zu schützen, einen Mann umbrachte. In drei Tagen werden die beiden entlassen. Nick ist voller Vorfreude. Seit 6 Monaten hat er eine Brieffreundin, die hübsche, 25 jährige Ashley Mercer (Charlize Theron), mit der er intensiven Kontakt hält. Zudem hat ihm die attraktive Frau viele Fotos gesandt, die die Wand neben Nicks Bett pflastern. Rudy ist neidisch, doch er sieht die Sache pragmatisch. Er will zurück zu seinem Vater, mit ihm das anstehende Weihnachtsfest feiern und dazu Truthahn futtern. Bei der Rückkehr vom Freigang bemerkt Rudy, dass mit "The Alamo" (Dana Stubblefield) ein alter Erzfeind zurückgekehrt ist, der fest glaubt, Rudy habe ihn einst verpfiffen. Am folgenden Tag kommt es beim Mittagessen zu einem folgenschweren Zwischenfall. Der Häftling Zook (Isaac Hayes) findet eine Kakerlake im Dessert, andere Insassen desgleichen, und es kommt zu einem Tumult.  The Alamo geht auf Rudy los, Nick stellt sich ihm in den Weg und wird von dem Hünen mit einem Küchenmesser erstochen. Er stirbt in Rudys Armen, der später von einem Wärter ob seiner Trauer um den Freund sogar verhöhnt wird. Am Tag von Rudys Entlassung liegt Schnee. Er steigt in den Bus ein, als er durchs Fenster Ashley Mercer erwartungsvoll die Gruppe der Entlassenen überblicken sieht. Im letzten Moment steigt Rudy aus, geht zu Ashley und stellt sich ihr als Nick Cassidy vor…
 
Die ersten 20 Minuten sind vielversprechend. Der Erzähler aus dem Off - Rudy Duncan persönlich - lässt uns in abgeklärtem Tonfall an seiner Geschichte teilhaben, die dann in Form einer langen Rückblende die Ereignisse der letzten 6 Tagen vor dem Weihnachtsabend umfasst. Aber mit dem Erscheinen von Gabriel Mercers (Gary Sinise) Bande von Waffenschmugglern, die sich anschicken, erstmals einen Raubüberfall zu verüben und dafür auf Nicks Hilfe zählen, der selbtredend nicht ist, der zu sein er vorgibt, gerät die Sache trotz guter Ausgangslage zur Farce. Was folgt, ist eine schier endlose Wiederholung des gleichen Schemas in einigen wenigen Variationen: Rudy wird beinahe umgebracht, willigt ein mitzumachen, versucht zu fliehen, wird gefangen und wird erneut fast umgeracht, etc. pp. Der US-Kritiker Roger Ebert brachte in seiner Rezension für die Chicago Tribune die ebenso unselige wie unsinnige Entwicklung auf den Punkt: “I wish I'd had a stopwatch, to clock how many minutes are spent while one character holds a gun to another character's head and gabs.” Zwei Dinge erweisen sich in der Folge als verheerend für den Fortgang der Handlung. Zum ersten folgt ab Mitte des Films eine überraschende Wandlung der Konstellation von Figuren der nächsten. Keiner der zentralen Personen ist die- oder derjenige, die oder der sie zu sein vorgeben. Oder aber die Motive ihrer Handlung erweisen sind plötzlich als völlig andere, als es anzunehmen war. Was im Jargon der Filmkritik gern als “Twist“ bezeichnet wird, reiht sich wie Perlen auf die Schnur - der Neo Noir der Quentin-Tarantinio-Schule und ein dadurch bis zur Groteske herunter gekommenes Werk wie John McNaughtons Wild Things (USA 1998) lassen grüßen. Zum zweiten erweist sich auch das Schauspiel als inkonsistent und ebenso "over the top".
 
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© Studiocanal GmbH
 
Superbösewicht Gabriel Mercer wird in der Verkörperung durch Gary Sinise zur unfreiwilligen Selbstparodie, im Grunde so lächerlich wie Christopher Walken als “The Man with The Plan“ in Das Leben nach dem Tod in Denver (USA 1995). Ben Afleck möchte den harten ex-Häftling mimen, von den Tätowierungen bis zu den Sprüchen wird kein Klischee ausgelassen, doch im Schauspiel geht die Rechnung partout nicht auf. Charlize Theron, die sich später von dem Film distanzierte, kann man nur als multiple Persönlichkeit beschreiben. Derart zerfasert und widersprüchlich ist ihre Figur, die in allen Szenen uneindeutig agiert, was in der Retrospektive aber keinen Sinn ergibt. Damit wären wir bei der Krux, dem Drehbuch Ehren Krugers, als Autor der Transformers-Serie seit 2009 endgültig in der untersten Schublade des Schwachsinns Made in Hollywood angelangt. Sein Skript verkauft den Zuschauer für dumm, denn vom Ende her ist das vermeintlich clevere Konstrukt einfach Blödsinn. Kaum etwas hätte so funktionieren und auf keinen Fall hätte es so geplant werden können oder auch geplant werden müssen, womit die Filmhandlung in sich zusammen fällt. Dass der einst grandiose Regisseur John Frankenheimer (Der Mann, der zweimal lebte, USA 1966) seine Karriere mit einem der schlechtesten Neo Noirs aller Zeiten beschloss, ist bedauerlich. Aber genau das ist Wild Christmas an seinem Ende - einfach nur mies.
 
Gute BD- und DVD-Editionen (2012 und 2006) der Studiocanal GmbH mit dem Film ungekürzt als Director’s Cut im Originalformat und mit der deutschen und englischen Tonspur, optional deutsche Untertitel. Als Extras gibt es einen Audiokommentar Frakenheimers, diverse Interviews mit Regisseur und Hauptdarstellern, ein Behind The Scenes, etc.
 

Neo Noir | 2000 | USA | John Frankenheimer | Ben Affleck | Dennis Farina | Charlize Theron

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