God’s Pocket

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Bewertung
****
Originaltitel
God’s Pocket
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Philip Seymour Hoffman, Richard Jenkins, Christina Hendricks, John Turturro, Eddie Marsan

Regie
John Slattery
Farbe
Farbe
Laufzeit
85 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild
© Arrow Films
 
Philadelphia im Jahr 1978: Im Arbeiterviertel “God’s Pocket“ findet eine Beerdigung statt, bei der die Eheleute Jeanie (Christina Hendricks) und Mickey Scarpato (Philip Seymour Hoffman) den jungen Leon Hubbard (Caleb Landry Jones) beisetzen, Jeanies leiblichen Sohn. Der Priester (David Apicella) ist vor Ort und auch der Bestattungsunternehmer Smilin’ Jack Moran (Eddie Marsan), der beim Verlassen der Kirche von Mole Ferrell (Jack O’Connell) einen Faustschlag verpasst bekommt, der ihn die Treppe hinunter schickt… Drei Tage vorher: Jeanie und Mickey haben frühmorgens Sex miteinander, bevor Jeanie für ihren Sohn Leon noch ein Frühstück richtet. Leon stürmt nach draußen, wo Mickey ihn in seinem klapprigen Lieferwagen bereits erwartet, sichtlich genervt. Der Motor startet, indessen Leon sein Frühstück aus dem Fenster wirft, und er fragt Mickey, ob er ihm wohl 20 Dollar leihen könne… Mickey trifft Arthur “Bird“ Capezio (John Turturro) und Sal Cappi (Domenick Lomardozzi), halb Geschäftspartner und halb Freunde, und er steigt zu ihnen ins Auto. Zu dritt überqueren sie den Schuylkill River und plaudern über Pferderennen, auf dem Weg zum Containerhafen, wo die drei einen Truck übernehmen wollen. Indessen arbeitet Leon auf einer Baustelle, wo er erst den alten Lucien “Lucy“ Edwards (Arthur French) provoziert, einen Gabelstaplerfahrer, den er als “Nigger“ beschimpft. Dann zückt er sein aufklappbares Rasiermesser aus der Hosentasche und brüstet sich vor den Kollegen mit Tierquälereien…
 
”All of a sudden, the world ain’t got no attitude no more.” Vorsicht. Das ist keine Komödie, wie das Marketing der Filmvertriebe, der Kinotrailer und einige Kritiker dem Publikum weismachen wollen. Schön, als „Schwarze Komödie“ mag solche Verfilmung von Peter Dexters Debüt-Roman (EA 1983) noch durchgehen. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass die Dunkelheit dominiert und der Film de facto rabenschwarz ist. Anfangs darf man noch schmunzeln, aber schnell treten die latente und die reale Gewalt im Arbeiterviertel God’s Pocket auf den Plan, das dem im Süden Philadelphias liegenden Bezirk Devil’s Pocket nachempfunden wurde. Nur zum Schein, bin ich versucht zu behaupten, amüsiert sich der Film über seine teils vollends herunter gekommenen Charaktere, um dann später den Zuschauer bei der Gurgel zu packen und ihn zum Hinsehen zu zwingen. Mickey Scarpato ist eine tragische Figur und der Zeitungskolumnist Richard Shellburn (Richard Jenkins) ist auch eine, ohne dass sie, die sich am Ende vereint finden, einander aus der Patsche helfen könnten. All das hemdsärmelige Miteinander, das so nach Freundschaft riecht, all die verschwitzte Liebe in quietschenden Betten, das Beileid, der Zuspruch und das Schulterklopfen sind bloß Mittel zum Zweck und flugs vergessen, wenn es hart auf hart kommt. So lautet die Lehre aus den Schicksalen von Shellburn und Scarpato, die an unterschiedlichen Baustellen des Lebens darum ringen, ihr Leben im Gefüge einer minimalen Ordnung zu erhalten und auch für ihre Nächsten Sorge zu tragen, wenn es nottut. Doch das ist in God’s Pocket zum Scheitern verurteilt und genau davon handelt der Film, denn wer hier scheitert, fällt tief, und er löst sicher kein Rückfahrtticket.
 
“God’s Pocket is a wonderful film working in the neo-noir tradition. Moving back and forth between brutal imagery and darkly comic situations, Slattery presents to us a stunning portrayal of life in a cold world,” bringt es James Roberts für The Horn zu 100% auf den Punkt. In einem seiner letzten Filmauftritte zeigt der im Februar 2014 mit nur 46 Jahren verstorbene Philip Seymour Hoffman, was für eine versierte Leinwandpersönlichkeit er war, ein Mann vom Schlag eines Robert Duvalls oder Gene Hackmans. Aber auch mit Blick auf die übrigen Rollencharaktere konnte der Schauspieler John Slattery (Jagd auf Marlowe, USA 1998) für sein Debüt als Regisseur und Drehbuchautor eine geradezu herausragende Riege von Kollegen für sich gewinnen. Richard Jenkins und John Turturro agieren meisterhaft, und auch Christina Hendricks wächst stellenweise über sich hinaus. Irgendwo zu Beginn des letzten Drittels gibt es Hoffnung, wie sich alles lösen und die Figuren in glücklicher Kombination zueinander finden könnten. Wie solche Szenen hier miteinander in Beziehung gesetzt sind, ist enorm präzise und auch andernorts eine Stärke des Films. Alles in allem ist God’s Pocket jedoch kein Film für jedermann und schon gar keine leichte Kost - trotz des böse abgründigen Humors. Mit seinen Rückblenden, einem Erzähler aus dem Off, moralisch zwiespältigen Charakteren und einem Philip Seymour Hofmann, der in der Manier seiner Figur in Sidney Lumets Tödliche Entscheidung (USA/UK 2007) agiert, ist God’s Pocket eine spannende Ergänzung des Kanons zeitgenössischen Neo Noirs und überaus empfehlenswert.
 
Unterm Titel Leben und Sterben in God’s Pocket - Film lief in Deutschland nicht im Kino - gibt es sehr gute BD- und DVD-Ausgaben (2015) der Universal Pictures Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Ungarisch, Polnisch, Französisch, optional Untertitel auf Deutsch, Englisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Hindi, Ungarisch, Isländisch, Norwegisch, Schwedisch, Polnisch, dazu den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2014 | USA | John Slattery | Domenick Lombardozzi | Eddie Marsan | John Turturro | Peter Gerety | Philip Seymour Hoffman | Richard Jenkins

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