Rover, The

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Bewertung
***
Originaltitel
Rover, The
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS/USA
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Guy Pearce, Robert Pattinson, Scott McNairy, David Field, Anthony Hayes

Regie
David Michôd
Farbe
Farbe
Laufzeit
99 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Wild Bunch Germany GmbH
 
Australien: Zehn Jahre sind seit dem Kollaps der Zivilisation vergangen. In der Hitze und Einöde der Outbacks steigt Eric (Guy Pearce) aus seinem völlig verstaubten Wagen. Bärtig und dreckig schlurft er zu einer an der Straße gelegenen Ansammlung von niedrigen Häusern und Schuppen. Im Inneren des unverputzten Gebäudes herrscht ein Durcheinander unterschiedlichster Gerätschaften, ein kambodschanischer Schlager ist zu hören, zwei asiatische Männer (Chan Kien, Tek Kong Lim) lümmeln auf einem Sofa, einer hat eine Schrotflinte auf den Knien. Eric geht grußlos zu einem Bottich mit Wasser, benetzt sein Gesicht, greift eine Flasche und ein Glas und setzt sich an den Tresen… In rasender Fahrt diskutieren der Fahrer Caleb (Tawanda Manyimo) und Henry (Scott McNairy), ob Henrys Bruder Rey (Robert Pattinson), den man zurückgelassen hat, sicher tot oder nur verletzt gewesen sei. Henry will, dass Caleb umkehrt, aber der lehnt es ab, man habe schließlich selbst Soldaten getötet. Auf der Rückbank schaltet sich Archie (David Field) ein, der Rey für die Misere für hauptverantwortlich hält. Henry wird handgreiflich gegen ihn, doch als er sich umwendet, verreißt Caleb das Steuer, der Wagen überschlägt sich und schlittert auf dem Dach weiter, bevor sich erneut überschlägt und zum Stehen kommt. Caleb versucht den Pick-Up-Truck wieder auf die Straße zu bringen, doch er hat sich festgefahren. Archie hat auf der anderen Straßenseite Erics Auto entdeckt, schlägt dessen Seitenfenster ein und startet den  Motor…
 
Es ist geradezu ein Muster in vielen Neo-Noir-Filmen und auch anderen Filmdramen seit 2000 – starker Beginn, solider Mittelteil, schwacher Abschluss. Zur Verteidigung von David Michôds The Rover sei gesagt, dass sein Finale Zähne zeigt, ist es auch vorhersehbar und in seiner Inszenierung typisch für den harten Kriminalfilm dieser Tage. Aber der Schlusspunkt eben, jener Twist, der uns endlich Einblick in die Motivation des Protagonisten gewährt, welche die Filmhandlung in Gang hält, ist enttäuschend. Sicher, man könnte ihn als Ausdruck der tiefen Bitterkeit Erics und des finalen Verfalls gesellschaftlicher Werte interpretieren, so ist es von Autor Joel Edgerton wohl gemeint. Doch im Rückblick auf die blutige Spur, die das Duo Eric und Rey auf dem Road-Trip durch die australischen Outbacks hinterlässt, ist dieser Schluss zu sehr Wink mit dem Zaunpfahl und zugleich… banal. The Rover ist die Art, die man mögen möchte, weil das erste Drittel zupackend und eigenwillig zugleich ist - ein Film, den man in der Art noch nicht gesehen zu haben glaubt. Im Mittelteil aber zieht sich die Sache, sein Motor der Handlung erweist sich als schwach und das Geschehen stottert in die Redundanz. Um hier, in der wunderbar bebilderten Öde der australischen Outbacks als Geschichte bestehen zu können, müssten die zentralen Filmcharaktere vielschichtig und ihre Beziehung komplex sein, doch beides ist nicht der Fall. Beim Einen zeigen sich Reste einer traditionellen Ethik, der Andere gibt alttestamentarische Überlebensregeln zum Besten, Sozialdarwinismus in Reinkultur, hin und wieder folgt ein wenig Action, doch für 99 Minuten sind das der Zutaten zu wenige und so blickt man noch vor dem Finale auf die Uhr.
 
The Rover-still-web2.jpg The Rover-still-web3.jpg The Rover-still-web1.jpg

© Wild Bunch Germany GmbH

 

Der Australier David Michôd trat vor einigen Jahren mit seinem Neo Noir Königreich des Verbrechens (AUS 2010) hervor. Als dessen Autor und Regisseur lieferte er ein komplexes Kriminaldrama voller pointierter Charakterzeichnungen und überraschender Wendungen. Joel Edgerton schrieb das Drehbuch zu The Square – Ein tödlicher Plan (AUS 2008), dessen Regisseur sein Bruder Nash Edgerton war, und er schrieb die Vorlage für den Neo Noir Felony (AUS 2013). Joel Edgerton trat als Schauspieler mit Anthony Hayes bereits in The Square – Ein tödlicher Plan auf, beide trafen in Königreich des Verbrechens erstmals auch auf Guy Pearce, und in The Rover wiederum spielt auch Nash Edgerton mit. Kurzum, vor und hinter der Kamera finden sich bei The Rover viele Pioniere der aktuellen australischen Neo-Noir-Welle. Der Film selbst kommt trotz der versammelten Talente aber nicht an die genannten, besseren Exponate des Noir-Kinos auf dem fünften Kontinent heran. Das mag auch mit dem dystopischen Entwurf einer kollabierten Zivilisation zusammenhängen, der an frühere Beispiele dessen denken lässt, sei es L.Q. Jones’ A Boy And His Dog (USA 1975) – dessen Einfluss zuletzt recht offensichtlich ist - oder John Hillcoats The Road (USA 2009) nach Cormac McCarthy. Hier bewegt sich The Rover im Rahmen bereits vorgefertigter Bausteine von Zukunftsgeschichte, die zwar noch nicht zu Klischees gerannen, im Film aber nicht allzu originell erscheinen. Schade! The Rover punktet mit einer interessanten Ausgangslage und plätschert zuletzt nur mehr vor sich hin.
 
Erstklassige deutsche BD- und DVD-Editionen (2014) der Senator Home Entertainment GmbH mit Tonspuren auf Englisch und Deutsch, optional deutsche Untertitel, im Originalformat und ungekürzt, dazu Featurettes und Interviews mit Pearce, Pattinson und David Michôd als Extras.
 

Neo Noir | 2014 | International | David Michôd | Anthony Hayes | Guy Pearce | Scoot McNairy

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