Croupier, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Croupier
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/UK/GER/IRL
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

Clive Owen, Kate Hardie, Alex Kingston, Gina McKee, Nicholas Ball

Regie
Mike Hodges
Farbe
Farbe
Laufzeit
90 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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London: Der aus Südafrika stammende Jack Manfred (Clive Owen) versucht, einen Roman zu schreiben und möchte sich eine Existenz als Schriftsteller aufbauen. Er besucht den ihm bekannten Agenten Giles Cremorne (Nick Reding) und ist von dessen Kalkül, das jedwede Buchproduktion in zynischer Weise als Geschäftsbetrieb brandmarkt, zutiefst angewidert. Jacks Freundin Marion Nell (Gina McKee) ist eine Kaufhausdetektivin und liebt ihn, wohingegen Jack sich mit Blick auf seine Gefühle unsicher ist. Als es mit dem Schreiben nicht klappen will, erreicht ihn ein Anruf seines Vaters (Nicholas Ball), der in Südafrika lebt und sich ihm am Telefon als stets erfolgreicher Geschäftsmann darstellt, während er inzwischen in einer Hotelbar kellnert. Sein Vater rät Jack als Croupier anzuheuern, wie er das auch in der Heimat getan habe, und er nennt ihm die Adresse des Casinos The Golden Lion, mit dessen Geschäftsführer David Reynolds (Alexander Morton) er bereits gesprochen habe. Zuerst hadert Jack damit, doch da ihn seine Perspektivlosigkeit unruhig werden lässt, lässt er sich zumindest auf ein Vorstellungsgespräch ein. Reynolds ist ein Profi der hiesigen Branche und er macht Jack deutlich, was er von seinen Angestellten erwarte und wie es mit dem Berufsethos bestellt zu sein habe. Keine eigenen Spiele inner- und außerhalb des Casinos, keine privaten Kontakte zu Kunden oder Beziehungen zu weiblichen Kollegen sowie bedingungslose Loyalität, sollte man zufällig Betrugsversuche seitens anderer Croupiers wahrnehmen…
 
Eine Riege exzellenter Darsteller, eine kluge Dramaturgie, gut ausgewählte Schauplätze und vor allem eine ausgeklügelte Geschichte mit einigen Ecken und Kanten, all das macht aus dieser internationalen Co-Produktion einen hochwertigen Neo Noir. Jack selbst ist der Erzähler aus dem Off, der uns seine Geschichte vorstellt, die im Verlauf der Handlung auch diejenige seines Buches wird. Das Milieu des Glücksspiels wird auch im klassischen Film Noir immer wieder gestreift. Die Betreiber manchen Nachtclubs unterhielten dort ihre Hinterzimmer, darin abgehalfterte Spieler wie Spinnen im Netz auf Opfer warteten. Otto Premingers Der Mann mit dem goldenen Arm (USA 1955) und Jean-Pierre Melvilles Drei Uhr nachts (FRA/ITA 1956) waren zwei Werke, die den professionellen Spieler als keinesfalls untypischen Protagonisten des Film-Noir-Kinos vorführten. Im Neo Noir zeigten Sergio Gobbis Les Voraces (FRA/ITA 1973), Paul Thomas Andersons Last Exit Reno (USA 1996) und Robert Altmans Kansas City (FRA/USA 1996), inwieweit die Schattenwelt des Glücksspiels - für einige die Lebensgrundlage, für viele der Traum von Freiheit und für einzelne sogar beides - noch stets ein wunderbarer Ort für ein Drama mit tiefer Verwurzelung in der Tradition des Film Noirs darstellt. Zwei Jahre nach den zuletzt genannten Filmen nahm sich der renommierte und zu dem Zeitpunkt dennoch ins Abseits geratene Engländer Mike Hodges (Jack rechnet ab, UK 1971) eines solchen Szenarios an und konnte mit Der Croupier auch prompt einen Kritikererfolg verbuchen, der für seinen Hauptdarsteller Clive Owen zudem das Sprungbrett nach Hollywood und zur US-Filmkarriere wurde.
 
“Gambling's not about money... Gambling's about not facing reality, ignoring the odds.” Das Geheimnis des Films, der den Zuschauer unablässig in seinen Bann zieht, sind seine so dezent wie klar konturierten Charaktere. Gleich dreimal gibt es eine Femme fatale, eine jede von ihnen explizit unterschiedlich im Vergleich zu den anderen, doch alle kreuzen sie Jack Manfreds Schicksalsweg und nehmen Einfluss auf ihn. Der Vater scheint erst keine besondere Rolle zu spielen, aber auch andere Figuren verändern nicht nur ihre Position als Mitspieler auf einem größeren Spielfeld als dem des Roulettetischs, Jacks Arbeitsplatz, sondern auch ihren jeweiligen Stellenwert. Das ist faszinierend zu verfolgen, zudem man weiß, dass der Croupier sich in seiner Selbstwahrnehmung als verhinderter Schriftsteller eingangs eher als Opfer denn als Täter stilisiert, doch dieses Bild wandelt sich Lauf der Handlungsentwicklung rapide. Der Croupier ist ein Film, der nicht nur ein Nischenportrait sondern dezidiert ein Gesellschaftsbild bietet, und solches ist vom Ende her betrachtet durchaus von Prägnanz. Mike Hodges‘ Inszenierung dessen ist von zeitloser Eleganz und Stringenz, zumal der Film als ein Stück zeitgenössischen Kinos der 90er den Zeitgeist jener Jahre klar ausblendet und seine Geschichte nicht als dröhnend hippe Tarantino-Operette feilbietet, ganz im Gegenteil! Eine schlanke Produktion mit Biss, das charakterisiert den Neo Noir Der Croupier bis heute, der Mike Hodges und Clive Owen für den leider weit weniger gelungenen Dead Simple (UK/USA 2003) noch ein zweites Mal zusammen brachte.
 
Die deutsche DVD-Edition (2005) der  Alive - Vertrieb und Marketing GmbH unterm Titel Croupier – Das tödliche Spiel mit dem Glück bietet englischen und deutschen Ton, optional deutsche Untertitel, ist ungekürzt im Originalformat, und beinhaltet einen Audiokommentar von Mike Hodges, zwei Kurzinterviews mit je Hodges bzw. Owen sowie den Kinotrailer als Extras.
 

Neo Noir | 1998 | International | Mike Hodges | Clive Owen

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