Overheard

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Bewertung
***
Originaltitel
Sit yan fung wan
Kategorie
Neo Noir
Land
HK
Erscheinungsjahr
2009
Darsteller

Jingchu Zhang, Daniel Wu, Louis Koo, Ching Wan Lau, Michael Wong

Regie
Felix Chong, Alan Mak
Farbe
Farbe
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Hongkong: In den nächtlichen Hinterhöfen wühlen Ratten nach Nahrung und die weniger vorsichtigen Tiere gehen ihren Häschern schon mal in die Falle… In den neonerleuchteten Straßen der Metropole scheint Ruhe eingekehrt, doch in der Etage eines Hochhauses sitzt ein Team von Abhörspezialisten unter Leitung von Kelvin Lee (Alex Fong) und beobachtet das Bürogebäude von Elegant & Talent International direkt gegenüber. Hier huscht in einer Etage der Strahl von Taschenlampen über die Wände, indessen die Polizeibeamten Max (Daniel Wu), Gene (Louis Koo) und Johnny (Ching Wan Lau) in der Büroetage der unterm Verdacht der Korruption und Aktienmanipulation stehenden Manager Ringo Low (Waise Lee), Raymond Tsui (Ben Yuen) und Kenny Fai (Chi-hung Wong) Mikrofone und Kameras installieren. Während die drei noch bei der Arbeit sind, kehrt Low unerwartet zurück, entnimmt etwas seinem Safe, notiert auf einen Zettel mehrere Zahlenkolonnen und bemerkt dabei nicht, dass ihn Max unterhalb des Schreibtisches liegend beobachtet. Nachdem Johnny sehen konnte, wie Gene ein silbernes Feuerzeug mitgehen ließ, schreibt er nun jenem eine SMS: “Plan b“. Gene gelingt es, die Etage zu verlassen, sich in Windeseile die Uniform des Wachpersonals überzustreifen und Low abzufangen, als der soeben die Etage verlassen will. All das passiert gerade noch rechtzeitig, bevor Mary (Sharon Luk) und ihre Mitarbeiter im Auftrag von Inspektor Wong (Ka Wah Lam) Ringo Low voreilig festnehmen können…
 
Das Autoren- und Regieteam Felix Chong und Alan Mak hatte mit dem weit überdurchschnittlichen Hongkong-Noir Infernal Affairs – Die achte Hölle (HK 2002) einen internationalen Publikums- und Kritikererfolg verbucht und erweiterte den Film sogleich zur Filmtrilogie. Nach mehreren wenig beachteten Filmen konnten die beiden mit Overheard – der englische Titel ist irreführend, weil es auch um die Beobachtung mit Kameras geht – wieder die Aufmerksamkeit zurückgewinnen – und machten auch hier mit Sit yan fung wan 2 (HK 2011) und Overheard 3 (CHN/HK 20124) sogleich eine Trilogie daraus, wobei sie zwar mit den gleichen Hauptdarstellern arbeiteten, die jedoch (aus naheliegenden Gründen) andere Charaktere darstellen, die Filme also inhaltlich nicht miteinander in einer Beziehung stehen. Schon der erste Teil mit dem Titel Overheard – in Deutschland kam der Film nicht ins Kino und erschien unter dem absurden Titel Abgehört - Trau niemals einem Cop als BD und DVD – kann nicht überzeugen. Dabei ist die erste Hälfte überaus gelungen, was die Einführung der einzelnen Charaktere und die verwickelte Situation jener polizeilichen Untersuchung des Finanzimperiums von Will Ma (Michael Wong) und seines Topmanagers Ringo Low angeht. Ein Polizist hat kein Geld, um die Arztkosten für sein Kind aufzubringen und sieht sein ganzes Glück auf den Abgrund zusteuern. Ein anderer betrügt seinen Vorgesetzten mit dessen Ehefrau, in die er sich zunehmend verliebt, indessen ihm jener Kollege sein Herz ausschüttet. Und ein dritter heiratet in höchste Kreise, die ihm allerdings nahelegen, dass man von ihm eine standesgemäße Entwicklung seiner Karriere und seiner finanziellen Verhältnisse erwarte… Gene, Max und Johnny haben allerlei Sorgen am Hals, deren Lösung eines Nachts zum Greifen nahe scheint. Diese Ausgangslage setzt das Drehbuch gut um, bis es sich auf halber Strecke dazu verführen lässt, in völlig ausgetretene Bahnen einzuschwenken.
 
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© Koch Media GmbH
 
“Look at the world we're in. A few million is nothing!” Die zweite Hälfte von Overheard ist nur mehr ein Standardthriller nach den Maßgaben jener Heist-Filme, wie man sie seit den Sechzigern auch im Fernsehformat kennt. Der Zuschauer fiebert dem Finale entgegen, weil es Aufschluss darüber gibt, ob die Komplizen mit ihrem ausgetüftelten Plan, dem sich am laufenden Meter Steine in den Weg legen, davonkommen oder nicht. Und auch wenn solches Finale mit Blick auf die Härte seiner Dramatik noch einiges drauflegt, missrät den Herren Chong und Mak der Schlussteil zur pathetischen Farce, die den Film endgültig gegen die Wand fahren lässt. Hier ist einfach nichts mehr mit einem Funken Glaubwürdigkeit oder gar Logik gesegnet sondern nur lächerlich in seiner Art, den Erwartungen des Publikums Tribut zu zollen und Standards abzuhaken. Dahin ist die im Neo-Noir-Terrain angesiedelte erste Hälfte mit ihren komplexen Konfliktherden aufgrund der Spannungen zwischen Berufspflicht, Liebe und Blutsbanden. All jene Sorgfalt, die die Autoren eingangs sowohl auf die technischen Komponenten der Überwachungsspezialisten als auch die emotionalen Verwicklungen ihrer Rollencharaktere legten, wird über Bord geworfen. Das ist in den letzten 10 Minuten nicht nur bedauerlich, es ist ärgerlich. Auch die grandiosen urbanen Schauplätze und die Kameraarbeit Anthony Puns sowie die (teils nur solide) Schauspielkunst der Stars können den Film zuletzt nicht vor dem Mittelmaß retten, wo er sich selbst so eifrig ansiedelt. Schade!
 
In Deutschland gibt es hochwertige BD- und DVD-Editionen (2010) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf wahlweise Deutsch oder Kantonesisch, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer und ein 17minütiges Making of als Extras. Neben dem ungenauen Titel ist allerdings die Covergestaltung derart geschmacklos ausgefallen, zumal sie den Inhalt des Films in keiner Weise “illustriert“, dass einem die Worte fehlen.
 

Neo Noir | 2009 | International | Alan Mak | Ching Wan Lau | Daniel Wu | Henry Fong | Louis Koo

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