Edwin Boyd – Citizen Gangster

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Bewertung
****
Originaltitel
Edwin Boyd – Citizen Gangster
Kategorie
Neo Noir
Land
CAN
Erscheinungsjahr
2011
Darsteller

Scott Speedman, Kelly Reilly, Kevin Durand, Joseph Cross, Brendan Fletcher

Regie
Nathan Morlando
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
101 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Koch Media GmbH
 
Toronto, Kanada, im Winter 1949: Kriegsveteran Edwin Boyd (Scott Speedman) arbeitet als Busfahrer und seine Frau Doreen (Kelly Reilly) besorgt für einen Kundenstamm ihres Viertels die Wäsche. Die beiden, die sich während des Krieges in England kennen lernten, mühen sich, ihre beiden Kinder Billy (Christian Martyn) und Carolyn (Cynthia Galant) durchzubringen, leben jedoch in kargen Verhältnissen. Edwin ist ein guter Sänger und träumt davon, auf der Schauspielschule Lorne Greenes Unterricht zu nehmen und es nach Hollywood zu schaffen. Eines Tages wartet an einer Bushaltestelle ein beinamputierter Kriegsveteran (Joris Jarsky) im Rollstuhl, den sich Boyd auf die Schultern lädt und im Bus platziert. Die distanzierten Blicke seiner Fahrgäste und ihre Missachtung gegenüber dem Behinderten sind für Boyd derart unerträglich, dass er zusammen mit dem Kriegsversehrten seinen Bus verlässt und davon stapft... Edwin Boyd ist arbeitslos und Doreens Dienstleistung ernährt sie nicht, so dass schließlich ihr Schwiegervater, der pensionierte Polizeibeamte Glover Boyd (Brian Cox), vor der Tür steht und der Familie Lebensmittel bringt. Im Schlafzimmer liegt Edwin auf dem Bett und hört seinen Vater Doreen erklären, dass er den Sohn schon immer für faul gehalten habe und dessen Heirat im Grunde das Beste sei, was jener zeitlebens zuwege gebracht habe. Als sich Edwins Träume von einer Karriere als Schauspieler endgültig zerschlagen, trifft er unter dem Druck der Lage eine folgenschwere Entscheidung…
 
"The world is crazy. I'm only its mirror." Ein unerwartet kurzweiliger und eindeutig vom klassischen Film Noir beeinflusster Gangsterfilm, der auf realen Ereignissen in der Geschichte Kanadas beruht. Der Veteran und Bankräuber Edwin Alonzo Boyd (1914 - 2002) hat eine Biografie, die der Autor und Regisseur Nathan Morlando in sein Filmdebüt verwandelte, und der beweist einiges an Stilsicherheit und Sinn für Dramaturgie. Mit einem Ensemble englischer, US-amerikanischer und kanadischer Darsteller gelingt ihm ein so schlichtes wie zupackendes Drama mit tragischer Konsequenz, das vor allem im Nachspann überzeugt, wenn der Filmemacher uns noch 10 Minuten an seinem Interesse am Rollencharakter teilhaben lässt, anstatt cineastischen Standards zu genügen. Die Kameraarbeit von Steve Cosens zeichnet sich dardurch aus, dass die Farben nahezu ausgewaschen sind und der Film in manchen Sequenzen fast schon wie in Schwarzweiß gedreht anmutet. Dieser Effekt der Tristesse und Kühle ist so wenig neu wie so ein “Biopic“ über den Aufstieg und Fall historischer Gangster, das vor allem in den USA die Neo-Noir-Tradition von Bonnie und Clyde (USA 1967) über Bugsy (USA 1991) bis zu Michael Manns Public Enemies (USA 2009) immer wieder beschäftigte. So muss sich auch Morlandos Film, der sich von diesen meist epischen Ansätzen deutlich unterscheidet, mit solchen Hollywoodfilmen messen, denn dazu fordert er seine Kritiker und sein Publikum offensichtlich heraus.
 
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© Koch Media GmbH
 
Nicht allein die Wahl der Musik, die auch Songs der Black Keys und The Strange Boys einschließt, erinnert den Zuschauer im Handlungsverlauf daran, dass er einen zeitgenössischen Film sieht. Auch die Schauspieler zelebrieren nach ihren geglückten Banküberfällen als “Boyd Gang“ ihr High Life mit einer kräftigen Dosis Rock’n’Roll-Stil, der sie zum historischen Setting in eine provokante Schieflage bringt. Morlando reißt den Zuschauer aus der zurückgelehnten Erwartung, inklusive Popcorn einen historisch verbürgten Stoff in rasant geschnittener Aufbereitung genießen zu dürfen. Nein, darum geht es hier nicht. Andererseits ist der zu früh geborene Popstar mit seinem Herzen für Familie und Freunde, zu dem Edwin Boyd – Citizen Gangster den zentralen Charakter stilisiert, kaum das, wofür die Figur Edwin Boyds in der Hisorie Kanadas tatsächlich stand. Exzellent ist allemal die darstellerische Leistung Scott Speedmans, der sich diesbezüglich auch auf Kelly Reily, Kevin Durand und Brian Cox verlassen konnte, mit denen er jeweils bewegende, teils wunderbar intensive Momente hat, und allein das ist in einem Kinofilm dieser Tage schon mal die Ausnahme. Aber obwohl so vieles an und in diesem Werk stimmig erscheint, stellte sich mir zum Abspann eine geradezu irritierende Frage. Wie viele Filme, die mit ihrem Blick zurück in die Geschichte (auch die des Film Noirs) nicht wirklich neuen Boden beackern, braucht oder verträgt die Nische des Neo-Noir-Kinos überhaupt noch? Die 100 Minuten dieser Erzählung waren dramaturgisch schlank, technisch hochwertig umgesetzt und teils sogar anrührend, aber wirklich bedeutsam erschienen sie zumindest mir am Ende nur bedingt. Ein guter Film, ja, doch leider kein Muss.
 
Unter dem nichtssagenden Titel Gangsters gibt es eine exzellente deutsche BD- und DVD-Edition (2013) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutsche oder englische Tonspur, optional deutsche Untertitel, dazu ein 25minütiges Making of und der Kinotrailer als Extras.
 

Neo Noir | 2011 | International | Nathan Morlando | Brian Cox

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