Public Enemies

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Bewertung
***
Originaltitel
Public Enemies
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2009
Darsteller

Johnny Depp, Christian Bale, Marion Cotillard, Jason Clarke, Stephen Dorff

Regie
Michael Mann
Farbe
Farbe
Laufzeit
134 min
Bildformat
Widescreen
 

 

 Public Enemies-Poster-web4.jpg Bild Bild
© Universal Pictures
 
Im Staatsgefängnis von Indiana, Michigan City, bereiten sich mehrere Häftlinge - unter ihnen die Bankräuber Walter Dietrich (James Russo), Harry Pierpont (David Wenham), Homer Van Meter (Stephen Dorff), Ed Shouse (Michael Vieau) - auf einen Ausbruch vor. In Kartons mit Garnspindeln wurden Pistolen hereingeschmuggelt, die die Männer vor den Augen ahnungsloser Wachleute unter sich verteilen. Zeitgleich hält draußen ein Auto, aus dem ein vermeintlicher Special Agent (Jason Clarke), in Wirklichkeit John „Red“ Hamilton, und der erst vor acht Wochen entlassene Gangster John Dillinger (Johnny Depp) aussteigen. Die Flüchtlinge nehmen mehrere der Wärter als Geiseln und bewegen sich mit ihnen in Richtung des Ausgangs. Hamilton und Dillinger gelingt es, von der anderen Seite die Kontrolle über das Tor zu erlangen. Aber Shouse verliert die Nerven, schlägt einen der Polizisten brutal nieder, worauf sich, als ein anderer jenem zu Hilfe eilen will, aus Homer Van Meters Waffe ein Schuss löst und die Aufmerksamkeit der Turmwärter erregt wird. In einem Kugelhagel fliehen die Häftlinge zum Auto, wobei Walter Dietrich tödlich getroffen wird. John Dillinger muss seinen langjährigen Weggefährten zurückgelassen und stößt, außer sich über den Verlust, seinerseits den selbstgefälligen Ed Shouse in voller Fahrt aus dem Fluchtwagen. Auf einer abseits gelegenen Farm wechseln die Flüchtigen ihre Kleidung. Wieder im Wagen machen sich die Männer auf den Weg nach Chicago, um sich dort nun auch mit Geld zu versorgen…
 
“What we’re doing won’t last forever.“ Hollywoods Filmproduktion war auch nach der Ära der Gangsterfilme in den Dreißigern – mit The Public Enemy (USA 1931) und Der kleine Cäsar (USA 1931) als Initialzündungen – immer wieder interessiert, sich das Potential der Geschichte(n) vor und während der Prohibition zunutze zu machen. So verkörperte Lawrence Tierney den Gangster John Dillinger im gleichnamigen Dillinger (USA 1945) und Mickey Rooney spielte Baby Face Nelson in So enden sie alle (USA 1957), zwei Werke des Film-Noir-Zeitalters, die sich Michael Mann sicher gesehen hat. Später folgten mit Unterwelt (USA 1961), Arthur Penns Bonnie und Clyde (USA 1967) oder Robert Aldrichs Die Grissom Bande (USA 1971) lustvolle Interpretationen der wilden und wirren Phase US-amerikanischer Historie. Zugleich bezieht sich Public Enemies auf jene Retro-Welle, die der Überraschungserfolg des Neo Noirs L.A. Confidential (USA 1997) auslöste. In beiden Filmen sorgt Kameramann Dante Spinotti für opulente Bilderwelten, so dass auch ein junges, mit dem optischen Inventar der 2000er aufgewachsenes Publikum kaum etwas missen wird. Der Spagat zwischen detailversessen authentischer Ausstattung im Dienst historischer Akkuratesse und Hi-Tech-Hollywood gelingt oberflächlich vollauf und erweist sich dennoch als störend. Mitunter hektische Schnittfolgen und eine an Musikvideos erinnernde, unmotiviert in Bewegung befindliche Kamera erzeugen nicht selten den Eindruck falscher Dynamik. Das teils hervorragende Spiel der internationalen Darsteller findet im museal kühlen Rahmen des Films dann wenig Raum zur Entfaltung. So kommt es, dass die Charaktere trotz der epischen Länge Patchwork bleiben; vor allem aber hält die Geschichte mit der handwerklich hoch entwickelten Formsprache nicht mit.
 
“Without women, it’s like back in the stir.“ - “That’s why they invented whores.“ Es wäre ungerecht, dem Drehbuch vorzuwerfen, nicht vereinzelt triftige Dialogzeilen aufzutischen, all das in der Tradition jener Gangsterfilme bis in die Zeit des Film Noirs. Überhaupt sind Michael Manns Zutaten im Rezeptbuch eines zeitgemäßen Blicks auf die historische Epoche großteils erstklassig. Aber Public Enemies hat ohne den Mut zum Charakterporträt – vor allem Christian Bales Melvin Purvis ist zur Maske des Fanatikers reduziert und bleibt eine leblose Figur! – wenig zu erzählen und wirkt in seinem Schema von Ausbruch-Überfall-Flucht bald ermüdend. Trotz der exzellenten Marion Cotillard und einem Johnny Depp, der hier ohne die für ihn typische Maskerade seiner Märchenepen zeigt, dass er stets ein versierter Schauspieler ist, und trotz wunderbarer Nebendarsteller wie Jason Clarke, Giovanni Ribisi oder Stephen Lang bleibt Public Enemies ein Hochglanzepos, das von der eigenen Opulenz berauscht erzählerisch irrelevant wirkt und als Unterhaltungsfeuerwerk verpufft. Der Film, der vereinzelt  andeutet, dass er das Zeug zu richtiger Klasse gehabt hätte, scheitert so verblüffend konventionell wie Dillingers erste (und einzige) "Sex"-Szene mit seiner Muse – sie bleibt im Unterrock und sogar er trägt Unterhemd, eine prüde US-amerikanische Variante, die die in Erregung verzerrte Mimik der beiden Liebenden zur Groteske herabwürdigt.
 
Gute deutsche DVD-Ausgabe (2009) der Universal Pictures Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutsche oder englische Tonspur, Untertitel auf Deutsch, Englisch, Bulgarisch, Estnisch, Litauisch oder Lettisch, dazu einen Audiokommentar von Regisseur Michael Mann als Extra.
 

Neo Noir | 2009 | USA | Michael Mann | Dante Spinotti | Billy Crudup | Christian Bale | Domenick Lombardozzi | Giovanni Ribisi | Jason Clarke | John Ortiz | Johnny Depp | Keith Kupferer | Peter Gerety | Stephen Dorff | Stephen Graham | Lili Taylor

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