Hormigas en la boca

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Bewertung
****
Originaltitel
Hormigas en la boca
Kategorie
Neo Noir
Land
ESP/CUB
Erscheinungsjahr
2005
Darsteller

Eduard Fernández, Ariadna Gil, Jorge Perugorría, José Luis Gómez, Samuel Claxton

Regie
Mariano Barroso
Farbe
Farbe
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Warner Bros.
 
Barcelona, Spanien, im Spätherbst 1958: Nach zehn Jahren im Zentralgefängnis wegen Bankraubs kommt Martín Losada (Eduard Fernández) wieder auf freien Fuß. Als er vor seiner Wohnung steht, klopft er an, aber niemand ist Zuhause. Dann steckt er seinen alten Schlüssel ins Schloss und tritt ein. Überall liegt Staub, doch seine Kleidung hängt stets im Schrank und auf einer Kommode findet er ein Foto seiner ehemaligen Freundin Julia Dalmau (Ariadna Gil) mit deren Onkel Alberto (José Luis Gómez). Der mittellose Martín heuert auf einem Frachtschiff an und fährt nach Havanna, Kuba, wo er sich im Hotel Chicago einmietet. In den ersten Tagen wird er von vielen Erinnerungen heimgesucht, an seine Zeit im Gefängnis mit Medina (José Pedro Carrión), an den Verrat am Widerstandskämpfer Ramón (José Luis Santos), der auf die erbeuteten 25.000 Peseten aus einem Raub Martíns und Julias gehofft hatte, indessen sowohl das Geld als auch die Frau plötzlich verschwunden waren… In Havanna findet Martín Losada den wohlhabenden Alberto Dalmau in dessen luxuriösem Bekleidungsgeschäft Fin de Sieglo, wo er kurz auch dessen Assistenten und Liebhaber Bruno (Ulik Anello) sieht. Dalmau gibt sich anfangs reserviert, doch begleitet er Martín schließlich selbst zu Julia – auf den Friedhof. Bereits vor neun Jahren sei sie gestorben, so Onkel Alberto, dem es stets zu Herzen geht. Von dem Geld, das sie angeblich von Spanien nach Kuba gebracht haben soll, will er indessen nie etwas gewusst haben. Dennoch rät er dem sturen Martín Losada zum Abschied, sich durch weitere Nachforschungen nicht in Schwierigkeiten zu bringen…
 
“It is a strong thriller with a great film noir feel to it”, schreibt Todd Brown für das Portal Twitch und liegt damit genau richtig. Von allen Filmwerken, die explizit die Kulissen und das Flair der Vierziger und Fünfziger zu rekreieren suchen, dürfte neben Chinatown (USA 1974) und L.A. Confidential (USA 1997) die spanisch-kubanische Co-Produktion Hormigas en la boca am glaubwürdigsten, d.h. atmosphärisch am ehesten zu 100% authentisch abschneiden. Die unmittelbar vor dem Umsturz durch die Revolutionäre Fidel Castro und Ernesto “Che“ Guevara, in den letzten Tagen des Diktators Fulgencio Batista angesiedelte Filmhandlung profitiert deutlich von handwerklichen Finessen und vom Können des Kameramanns Javier Aguirresarobe, der dem Werk das Aussehen eines Film Noirs der klassischen Ära verleiht – regendurchtränkte Straßen bei Nacht, von Schatten gefurchte Hotelzimmer und im Halbdunkel liegende Lager- und Kellerräume. Aber auch dank einer straffen Dramaturgie erreicht die Verfilmung des Romans Wiedersehen in Havanna (EA 1999) aus der Feder von Miguel Barroso mühelos ein internationales Niveau. Die Wahl der Darsteller ist exzellent; vor allem Eduard Fernández gibt einen durchweg glaubwürdigen Film-Noir-Protagonisten, der in vielen Szenen an seine Vorläufer der klassischen Ära zu erinnern weiß – hin und her gerissen zwischen romantischer Passion, politischer Überzeugung, einem Sinn für Gerechtigkeit und dem Drang sich zu rächen. Ariadna Gil kann vor allem im letzten Drittel punkten, darin ihr Charakter schillert und die Femme fatale in allen Facetten von Opfer und Täterin in einer Person zum Tragen kommt.
 
Trotz vieler Wendungen und Überraschungen ist die Geschichte selbst nicht ganz so erstklassig. Genau weil sie an viele der Film Noirs klassischen Zuschnitts zu erinnern vermag, erweist sich ihre Struktur nach dem Rezept eines Old-School-Thrillers als Kehrseite dessen auch als hausbacken. Das Finale wird einerseits durch eine Einsicht des Protagionisten selbst bereichert, andererseits ist es eindeutig zu milde, fast etwas lahm. Für den Cineasten gibt es dennoch Gründe, sich Hormigas en la boca nicht vozuenthalten. Neben seinem Wert als ungewöhnliche Kulisse und als Panoptikum exquisiter Rollencharaktere zeigt sich das auch in einer kurzweiligen und keineswegs immer vorhersehbaren ersten Hälfte. Leider ist Mariano Barrosos Neo Noir, der lediglich in Spanien seinen Weg auch ins Kino fand, in Europa nur schwer greifbar. Einzig in den USA gibt es von Warner Home Video seit Längerem auch eine DVD-Edition mit englischen Untertiteln. So illustriert sein Fehlen genau wie dasjenige vieler anderer Non-Hollywood-Produktionen, dass inmitten der Flut von Veröffentlichungen, die auf BD und DVD jahraus, jahrein hierzulande den Home-Entertainment-Markt überschwemmen, keineswegs Vielfalt vorherrscht sondern tendenziell das Gegenteil.
 
Erstklassige DVD-Ausgaben (2006) von filmax Home Video in Spanien (allerdings ohne englische Untertitel) sowie in deren Reihe Colección latina auch von Warner Home Video (USA) mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive des spanischen Originaltons und wahlweise spanischer oder englischer Untertitel (nur US-Edition).
 

Neo Noir | 2005 | International | Mariano Barroso | Eduard Fernández | Ariadna Gil

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