Vares

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Bewertung
**
Originaltitel
Vares - yksityisetsivä
Kategorie
Neo Noir
Land
FIN
Erscheinungsjahr
2004
Darsteller

Juha Veijonen, Laura Malmivaara, Jari Halonen, Markku Peltola, Jorma Tommila

Regie
Aleksi Mäkelä
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Vares-Poster-web4.jpg Bild
 
Turku, Finnland. Der Privatdetektiv Jussi Valtteri Vares (Juha Veijonen) und die Lehrerin Eeva Sunila (Laura Malmivaara) nehmen im strömenden Regen eines Sommerabends an einer Reservistenübung der Armee teil. Als er sie aus den Klauen eines übergriffigen Soldaten befreit, nimmt sie ihn glatt gefangen, denn sie kämpfen für die jeweils andere Seite… Später trinken sie in Vares‘ Stammkneipe zu dritt, denn Luusalmi (Markku Peltola), Saufkumpan und erfolgloser Literat, ist selbstverständlich mit von der Partie, bei der am Ende alle sternhagelvoll sind. Eeva landet bei Jussi Vares im Bett, wo der Detektiv seine Beute genüsslich zu vernaschen hofft. Doch die entzieht sich ihm und stellt noch rechtzeitig klar, dass sie nicht nur verliebt sondern verlobt ist, mit einem Bankier, der ihr die Schulden aus der Bürgschaft für ihren verschwundenen Bruder bezahlen helfen soll. Doch das entspricht nicht der Wahrheit, denn ihr Bankier ist der Schwerverbrecher Antero Kraft (Jorma Tommila), der die Mafia um einige Millionen Euro betrog, die seit seiner Ferstnahme verschwunden sind. Aber nicht nur Eeva sondern auch der Mafiosi Karl E. Miesmann (Jari Halonen) ist hinter dem Geld her. Mit Hilfe der Edelhure Ifigenia Multanen (Minna Turunen), der Kraft schon vor seiner Inhaftierung erlegen war, hofft er ihn aus dem Gefängnis zu befreien. Eeva ahnt nicht, dass sie als Braut, die während der Zeromonie in der Gefängniskirche mit ihrem Bräutigam zu türmen plant, mehrfach benutzt und hintergangen wird…
 
Von der internationalen Filmkritik wurde dieser Neo Noir aus dem hohen Norden zum Kinostart 2004 mit einem Schmunzeln und den genretypischen Hinweisen auf Quentin Tarantino einfach durchgewunken. Nun hat die skandinavische Filmindustrie in den letzen 20 Jahren bewiesen, dass sie mit Produktionen aus Hollywood und aus Mitteleuropa locker mithalten kann, sofern sie nicht in die Falle tappt und deren Märkte erobern will und zu viele Genrebezüge herstellt. Denn damit ist es so eine Sache. Sie können originell, hintergründig und witzig sein, wenn man selbst etwas zu erzählen hat. Beschränkt sich ein Film auf derlei Referenzen, wirkt er schnell blutarm und abgekupfert. Genau das tun die Figuren in dieser Verfilmung des Kriminalromans Die gelbe Witwe (EA 1999) aus der Feder des finnischen Autors Reijo Mäki, Schöpfer der zwischen 1985 und 2007 in 18 Romanen agierenden Figur des Privatdetektivs Jussi Valtteri Vares. Weder überzeugt Hauptdarsteller Juha Veijonen, noch tut es seine Filmpartnerin Laura Malmivaara in einer Geschichte, die vor Klischees nur so trieft. Der abgebrühte Detektiv mit der rauen Schale und dem weichen Kern, der seines Lebens Misere im Alkohol ertränkt, tatkräftig untertstützt von seinem Trinksprüche und Weisheiten speienden Kneipenkumpel, - Markku Peltola ist trotzdem der beste Darsteller hier! - einem gescheiterten Schriftsteller. Dazu gesellt sich die Schöne, die einem Gangster auf den Leim geht, ein korrupter Polizist, ein Killer-Duo und ein sadistischer Mafiosi, etc. pp. Der Zuschauer erhält das volle Repertoire der Schubladen-Verbrecher und reihenweise Dialoge, die Tarantino & Konsorten nacheifern und deren Ironie nebst Proletarier-Witz im Kielwasser einer lahmen und papierdünnen Handlung vollkommen absäuft.
 
Es gibt reichlich Regen und es gibt reichlich Blut, es wird ein bisschen gesoffen und ein bisschen Liebe glaubt man auch zu erahnen. Doch von alledem gibt es entweder zu viel (Regen) oder nicht genug (Handlungslogik und Sinn). Vares und seine Eeva entwickeln so wenig Chemie miteinander, dass man ihr Getrenntsein zu keiner Zeit bedauern will. Dem Polizisten widerfährt mit seiner Familie und mit seinen Kollegen das Gleiche. Solche Nebenstränge der Handung wirken konstruiert und tragen zu einer rapide anwachsenden Langeweile bei. Dass man Vares, der seit 2012 unterm Titel Private Eye - Ein tödlicher Auftrag ein zweites Mal auf deutscher DVD um Käufer buhlt, schließlich als spannungsarm erlebt, liegt nicht nur an Dramaturgie und Regie. Es hat seinen Grund an einem Arsenal uninteressanter Nebenfiguren, die im Finale an jene TV-Serien erinnern, die über 30 Jahre hinweg Woche für Woche die gleichen Geschichte/n mit neuen Darstellern auftischen. Dass es sich überhaupt ums Finale handelt, in seinem Verlauf komplett hanebüchen, wird einem ohnehin erst klar, wenn es vorbei ist und der Zuschauer sich fragt: „Äh, wie bitte? Das war’s?“ Drei Jahre später lieferten Aleksi Mäkelä und Juha Veijonen mit V2: Dead Angel (FIN 2007) einen zweiten Jussi-Vares- Film, der in Deutschland weder ins Kino kam noch auf BD oder DVD erschien.
 
Gute DVD-Editionen der I-On-Media (2006) oder der Pasadena Pictures (2012) mit dem Film jeweils ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutsche oder finnische Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2004 | International | Aleksi Mäkelä | Markku Peltola

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