Sensation am Sonnabend

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Bewertung
***
Originaltitel
Violent Saturday
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Victor Mature, Richard Egan, Stephen McNally, Virginia Leith, Lee Marvin

Regie
Richard Fleischer
Farbe
Farbe
Laufzeit
87 min
Bildformat
Vollbild
 

 

Bild Bild Sensation am Sonnabend-Poster-web4.jpg Bild
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Bradenville: Im Tagebergbau vor der Stadt wird an diesem Sommermorgen eine Sprengung durchgeführt, als der Wagen von Shelley Martin (Victor Mature), die lange, abschüssige Kurve hinunter aufs Gelände fährt… Mit dem Überlandbus erreicht der Handlungsreisende Harper (Stephen McNally) die beschauliche Kleinstadt inmitten von Bergbau und Landwirtschaft. Beim unvorsichtigen Betreten der Hauptstraße wird er beinahe von Mrs. Emily Fairchild (Margaret Hayes) überfahren, indessen Harry Reeves (Tommy Noonan), der örtliche Direktor der Bank of Bradenville, pünktlich zum Geschäftsbeginn die Jalousie empor zieht. Der einarmige Hotelportier (Ralph Dumke) freut sich, Harper wieder in der Stadt zu sehen und wünscht ihm bessere Geschäftsabschlüsse als beim letzten Besuch. Als just in dem Augenblick die hübsche Krankenschwester Linda Sherman (Virginia Leith) die Treppe hinab kommt, haben die beiden noch Gelegenheit, sich über ihre Figur auszutauschen. Harper fragt den Portier, ob er noch ein neben seinem Zimmer gelegenes zweites bekommen könne, denn er erwarte Geschäftsfreunde, die mit dem nächsten Zug einträfen. Der Portier bestätigt das und der Gast ist zufrieden. Tatsächlich sitzen in dem Zug Dill (Lee Marvin) und Chapman (J. Carol Naish), die sich mit Harper in der Stadt verabredet haben. Nur wie Geschäftsreisende sehen sie allerdings nicht aus…
 
“We can’t change. Not us. You’re an alcoholic, and I’m a tramp.“ Trotz vereinzelt guter Szenen versinkt Sensation am Sonnabend von A bis Z in der für die Zeit typischen Belanglosigkeit einer hyperdramatischen und in satte Farben getauchten Hollywood-Inszenierung mit Staraufgebot. Sein Skript behandelt im Zentrum den für einen Western typischen Plot, Bankraub in einem wüstennahen Provinznest, und mischt ihn mit Versatzstücken melodramatischen Zuschnitts, die wie aus anderen Filmen wirken. Die angestrengte  Schicksalsmalerei zwecks atmosphärischen Hintergrunds verleiht dem Film keine epische Dimension, wie sich der Regisseur Richard Fleischer und der Autor Sydney Boehm das vielleicht erhofft hatten. Vielmehr dümpelt das Ensemble durch eine Wohlstandskulisse, an deren Rändern sich sowohl Golfplätze, Bauernhöfe als auch gewaltige Bergbauanlagen finden. Die Fragmente der Einzelschicksale finden nicht zueinander und wirken in theatralischen Ausbrüchen, wo das Schauspiel oft drittklassig ist, ungeheuer klischeehaft. Hier sackt der Plot aufs Niveau von Trivialromanen und Seifenopern – jene räudige und reuige Ehefrau, die fremdgeht; solche einen Diebstahl begehende, verschuldete, alleinstehende Mittvierzigerin und vor allem ein verklemmter, spießbürgerlicher Voyeur, - Tommy Noonan mit einer grauenhaften Darstellung! - der Krankenschwester Linda mit ihrer Wespentaille nachstellt und eben der Bankdirektor ist. Derlei Schubladencharaktere reiht der Film wie Perlen auf die Schnur, als wolle er den Fernsehserien seiner Zeit Konkurrenz machen, indem er ihre Klischees von der Mattscheibe auf die Kinoleinwand transferiert.
 
Sensation am Sonnabend-still-web3.jpg Sensation am Sonnabend-still-web1.jpg Sensation am Sonnabend-still-web2.jpg
© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
All das wäre nicht weiter der Rede wert, blitzte nicht hin und wieder ein verschenktes Potential auf. Es ist der Grund, weshalb der Film heute bei Freunden des Film Noirs ein gewisses Ansehen genießt. Das Gangstertrio bestehend aus Stephen McNally, Lee Marvin und J. Carrol Naish ist grandios porträtiert. Alle drei sind sie in ihren Eigenarten wunderbar ausgemalt und in vielen Sequenzen stechen nur sie aus dem Einerlei bürgerlichen Heldenlebens hervor. An solchen Stellen erinnern das Trio und der Film eher an die großen Gangsterepen der Dreißiger und tatsächlich ist er das weit mehr als ein Film Noir, ein Gangsterfilm nämlich. Daneben gibt es bemerkenswerte Szenen, in denen Boehm und Fleischer plötzlich die Analogien von Welt und Gegenwelt abbilden, wenn Dill (Lee Marvin) in der Nacht vor dem Überfall keinen Schlaf finden kann und zu seinem im benachbarten Hotelzimmer ruhenden Freund Harper geht. Gemeinsam erinnern sie sich an Dills Pech bei den Frauen, - “I wonder, why I go for skinny broads.“ - dessen Wurzel zu guter Letzt nicht im Außen liegt. Das sind die starken Momente eines sonst öden Dramas, dessen Finale solide und dessen Ende, wie so häufig in der McCarthy-Ära, schlicht dämlich ist. Hier darf der Film nicht sein, was er sein will, und zuletzt ist er nicht genug campy Trash-Produkt wie Allan Dwans Technicolor Noir Straße des Verbrechens (USA 1955), der von der Überzeichnung seiner Charaktere eben auch profitiert.
 
Eine australische DVD-Edition (2011) von Hollywood Classics Ltd. bringt den Film ungekürzt und im Originalformat, aber nicht anamorph sondern letterboxed, so dass die Wiedergabe verkleinert erfolgt und nicht den Bildschirm füllt. Extras gibt es keine, man vermisst sie aber auch nicht.
 

Film Noir | 1955 | USA | Richard Fleischer | Brad Dexter | Ernest Borgnine | Lee Marvin | Ralph Dumke | Stephen McNally | Victor Mature | Sylvia Sidney

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