Mystery

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Bewertung
****
Originaltitel
Mystery
Kategorie
Neo Noir
Land
CHN/FRA
Erscheinungsjahr
2012
Darsteller

Hao Lei, Qin Hao, Qi Xi, Zu Feng, Zhu Yawen

Regie
Lou Ye
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Wuhan: Zwei junge Burschen fahren mit ihren rasanten Wagen, Mädchen und Freunde dabei, im strömenden Regen ein Rennen. Als sie aus einem Tunnel heraus kommen, läuft vor ihnen eine junge Frau (Chang Fangyuan) auf die Straße und schon ist es passiert. Als der Fahrer des Unfallwagens auf die am Boden liegende und im Sterben begriffene Sun Xiaomin sogar eintritt, hält ihn der Andere nur mit Mühe zurück… Der erfolgreiche Jungmanager Qiao Yongzhao (Qin Hao) sieht vom Flugzeug aus über seine Stadt, in die er von einer Geschäftsreise kommend zurückkehrt. Seine Frau Lu Jie (Hao Lei) fährt mit ihrer Tochter An’an, die sie vom Kindergarten abgeholt hat, durch den dichten Verkehr nach Hause. Später treffen sie sich dort, aber Ruhe kehrt erst in der Nacht ein, wenn Lu Jie ihrem müden Yongzhao den Nacken massiert und sich wünscht, er möge nicht so abgespannt sein, schließlich sei Erfolg im Beruf nicht alles. Vor einiger Zeit hat Lu Jie auf einem Spielplatz Sang Qi (Qi Xi) kennen gelernt, eine junge Mutter, deren Sohn Yuhang mit An’an bekannt ist. Als Lu Jie an einem Regentag Sang Qi und ihrem Kleinen im Auto nach Hause fährt, bittet die Freundin sie um eine Unterredung. Die beiden treffen sich in einem Café und Sang Qi erzählt Lu Jie, dass sie Grund zu der Annahme habe, dass ihr Mann eine Affäre unterhält. Sang Qi deutet nach draußen, wo ein Paar auf dem Weg in ein Hotel ist, und sie weist Lu Jie darauf hin, dass der Besuch eines solchen Ortes zur Mittagstunde wohl eindeutig auf einen Betrug hindeute. Lu Jie aber hat es die Sprache verschlagen, denn der Mann dort unten ist Yongzhao…
 
„Wuhan certainly has all the makings of a hauntingly heartless film-noir city, and director Lou Ye winkles out every rain-drenched shadow in this stylish study of love, greed, jealousy, and murder among China’s nouveaux riches”, schreibt Mark Harris für Vancouvers Straight. Das ist bezüglich Atmosphäre und Charakter des Films so punktgenau beschrieben, dass es zitiert werden muss. Aber trotz der temporeichen und dramatischen ersten Minuten fällt der Einstieg in den Film nicht leicht. Die Stadtbilder sind ästhetisch hochwertig und bewusst ausgearbeitet. Die Einführung in die Familienverhältnisse wirkt mit ihrer verwackelten Handkamera allzu überspannt. Es stellt sich die Frage, was genau die hart geschnittenen, teils hektischen Sequenzen provozieren sollen, denn die Künstlichkeit der Inszenierung ist offensichtlich. Zudem wirkt die Geschichte von Mystery enorm konstuiert, wenn die beiden Frauen in der pulsierenden Metropole Wuhan von ihrem Fensterplatz ausgerechnet Yongzhao auf dem Weg zu einem Stelldichein erspähen… Kaum scheint es möglich, dass der Film sich von diesen flachen Prämissen nochmals erholt, doch das tut er zur Verblüffung des Zuschauers, der schon alles zu wissen oder zu ahnen meint, dann tatsächlich. Die Verknüpfungen sind komplexer und die Motive erweisen sich als vielschichtig, als ein Inspektor der Polizei (Zhu Yawen) auf den Plan tritt, den der scheinbare Unfalltod der Schülerin Sun Xiaomin nicht überzeugt.
 
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© Alamode Film
 
Autor und Regisseur Lou Ye (Suzhou River, CHN/GER 2000) treibt ein böses Spiel mit seinen Figuren, die er vorzüglich zu entwickeln weiß. Mystery zeigt, dass ein pointiertes Kammerspiel stets auf einem interessanten Drehbuch beruhen muss und dass man dem Zuschauer einiges zumuten kann, solange die Rollencharaktere in ihrer Entwicklung die Kurve kriegen. Dabei ist erstaunlich, mit wie wenigen Pinselstrichen Lou Ye auch seine Nebenfiguren zum Leben erweckt. Manchem Kritiker beinhaltet Mystery zu wenig Regimekritik, wofür man Lou Ye nach dessen fünfjährigem Berufsverbot offenbar für verpflichtet hält. Wer sich seinen Neo Noir aus China genau ansieht, merkt jedoch schnell, dass ein solcher Regisseur sich auch in Zukunft nicht banal wird politisieren lassen, demgegenüber der Stoff seiner Geschichte durch und durch aus kaputten und korrupten Beziehungen gewebt ist, die auch eine Freundschaft oder eine tiefe Liebe schließlich erkranken lassen. Ja, der Film zeigt Bewusstsein für seinen gesellschaftlichen Kontext, kürt ihn aber nicht in jener prätentiösen westlichen Tradition zur „Botschaft“. Im Ganzen gutes Schauspiel mit einem exzellenten Zu Feng, eine sichere Hand seitens der Regie und eine sich sukzessiv steigernde Kameraarbeit Jian Zengs. So bleibt das ein asiatischer Thriller, dessen explizite Film-Noir-Komponenten eigenwillig und geruhsam hervor treten und der, wenn auch kein Meisterwerk, als zeitgenössische Produktion für jeden nicht auf Action fokussierten Cineasten eine angenehme Überraschung darstellt. Sehenswert!
 
Erstklassige DVD-Ausgabe (2013) von Alamode Film, ungekürzt im Originalformat mit wahlweise dem deutschen Ton oder original Mandarin, optional deutsche Untertitel, Interviews und den Kinotrailer als Extras.
 

Neo Noir | 2012 | International | Lou Ye | Hao Lei

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