City Wolf

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Bewertung
**
Originaltitel
Ying hung boon sik
Kategorie
Neo Noir
Land
HK
Erscheinungsjahr
1986
Darsteller

Ti Lung, Leslie Cheung, Chow Yun-Fat, Emily Chu, Waise Lee

Regie
John Woo
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Hong Kong: Triadenboss Sung Tse-Ho (Ti Lung) träumt davon, wie sein jügerer Bruder Sung Tse-Kit (Leslie Chung) hinterrücks von Kugeln niedergestreckt wird und erwacht schweißüberströmt… Mark (Chow Yun-Fat) und Ho genießen seit zwölf Jahren ihr Leben als Gangster in der Triade von Mr. Yiu (Yangzi Shi) und sind Freunde. Mit dem Vertrieb von Falschgeld und mit Drogenhandel, was sie auch nach Taiwan oder Indonesien führt, haben sie sich an einen luxuriösen Lebensstil gewöhnt. Indessen ist Kit auf der Polizeiakademie zum Offizier geworden und der verwitwete Vater (Feng Tien) der ungleichen Brüder ist krank und leidet darunter, dass Kit von der kriminellen Karriere Hos nicht das Geringste ahnt. Am Tag von Kits Vereidigung nimmt Vater Sung Ho das Versprechen ab, dass er seinem Bruder Kit bei nächster Gelegenheit reinen Wein einschenke. Aber Ho weiß, was das bedeuten würde. Bei einem Treffen mit Kit und dessen Freundin Jackie (Emily Chu), einer ehrgeizigen Cellistin, spielt er die alte Rolle des Erfolgreichen. Doch als er abends mit Mark und mit dem noch unerfahrenen Shing (Waise Lee) in einer Bar zusammen sitzt, gibt er den beiden zu verstehen, dass eine Übergabe von Falschgeld in Taiwan am kommenden Tag für ihn der letzte Job sein werde. Vor allem Mark ist schockiert davon, doch für Ho bleibt es die einzige Wahl in dem lange gärenden Konflikt mit seiner Familie. Als Ho aber mit Shing in Taiwan am Ort der Übergabe ankommt, hat er das Gefühl, dass diesmal etwas faul ist…
 
“Take a look at yourself! People shouted at us when we were bad, but when we’re good, we’re always being followed. Did you make the most of your life? You didn’t.” Der Film hat seine guten Momente und vor allem hat er einige gute Schauspieler, allen voran Ti Lung und Chow Yun-Fat, die auf ganzer Linie überzeugen. Leslie Cheung zeichnet sich durch ein störendendes Overacting aus, vor allem die Szenen mit seinem Vorgesetzten wirken übertrieben. Emily Chu zeigt als Jackie viel zu wenig Charakter, um ihre Rolle interessant zu gestalten. Womit wir beim zentralen Problem des Films angekommen wären, beim Drehbuch. Es präsentiert im Verlauf der Handlung dermaßen durchsichtige und hanebüchene Koinzidenzen, dass einzelne Szenen in unfreiwillige Komik umschlagen. Vor allem das Finale ist over the top und unglaubwürdig inszeniert, wie es für so manchen rein auf Action fokussierten B-Film der 70er und 80er typisch ist, so dass man mit dem Abstand von 27 Jahren darüber nur lachen kann. Hier zitiert Ho seinen Bruder Kit mit einem Satz, den er im Verlauf der Handlung nicht gehört haben kann, da er beim Gespräch nicht anwesend war. Mark, dem das rechte Bein ab dem Knie amputiert wurde, weshalb er sich steif humpelnd durch den Film schleppt, rennt plötzlich wie ein Leistungssportler. Ho ist angeschossen, liegt offenbar im Sterben, aber nein – schon ist alles wieder in Ordnung und zuletzt geht er zwar blutend, doch aufrecht aus dem Kampf. Inmitten der finalen Schießerei haben die drei Rächer auch Zeit, um ihren persönlichen Konflikt mit höchstem Pathos auszudiskutieren. John Woo - Autor und Regisseur von City Wolf, der vor allem unterm englischen Titel A Better Tomorrow bekannt ist - ging wohl davon aus, dass sein Geballer, bei dem dutzendweise Gangster spektakulär abgemetzelt werden, solch schlampiges Editing aufwiegt. Was gut beginnt, im Mittelteil meist noch Standard bleibt, ist im Finale bloß dämlich.
 
“John Woo's A Better Tomorrow initiated a series of Hong Kong film noirs built around hired-killer heroes”, schreibt C. Jerry Kutner in seinem 1994 im Bright Lights Film Journal veröffentlichten Artikel Beyond The Golden Age - Film Noir since the 50’s. Tatsächlich gilt City Wolf als einflussreicher Schlüsselfilm, der sowohl dem Hongkong Noir als auch dem unterm Begriff “Heroic Bloodshed“ bekannt gewordenen Genrefilm der asiatischen Metropole auf die Spur half. Doch sind seither in Hongkong viele bessere Filme entstanden, von Regisseuren wie Johnnie To, Wong Kar Wai oder Wai-keun Lau und Alan Mak, so dass City Wolf bestenfalls als mächtig angestaubt durchgeht. Zudem gibt es bei der in England ungekürzt und im Originalformat vorliegenden Ultimate Edition ein weiteres Problem, nämlich die Tonspuren. Während die englische Synchronisation die original Filmmusik beinhaltet, die Tonspur hingegen nicht mit den englischen Untertiteln übereinstimmt und die Rollencharaktere auch stimmlich verfälscht werden, ist der chinesische O-Ton sowohl qualitativ miserabel – die nachsynchronisierten Takes weisen keinerlei Raumklang auf – als auch nicht mit der originalen Filmmusik versehen. Hier gibt es Musik aus Speed (USA 1994) und aus Forest Gump (USA 1994), die ganz und gar dilettantisch in die Szenen montiert ist. Fazit: City Wolf sollte man sich schenken, für den Film-Noir-Freund ist dieser Trash in mehrfacher Hinsicht keine Bereicherung.
 
Die englische DVD der Optimum Releasing Ltd. (2007) zeigt ein ordentliches Bild, ist ungekürzt und im Originalformat, bringt wahlweise den chinesischen Originalton mit englischen Untertiteln oder eine englische Tonspur, doch die Problematik dessen wird in der o.a. Rezension bereits angesprochen. Extras der DVD: Audiokommentar von Bey Logan und Kinotrailer.
 

Neo Noir | 1986 | International | John Woo | Chow Yun-Fat

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