Unter Wasser stirbt man nicht

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Bewertung
***
Originaltitel
The Drowning Pool
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1975
Darsteller

Paul Newman, Joanne Woodward, Anthony Franciosa, Murray Hamilton, Melanie Griffith

Regie
Stuart Rosenberg
Farbe
Farbe
Laufzeit
103 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
© Warner Bros.
 
New Orleans International Airport: Privatdetektiv Lew Harper (Paul Newman) ist auf Geheiß von Iris Devereaux (Joanne Woodward) von Los Angeles hierher gekommen, um einen Auftrag zu übernehmen. Die beiden hatten sechs Jahre zuvor eine einwöchige Affäre, doch bei ihrem heutigen Treffen in einem Laden für Antiquitäten macht Iris deutlich, dass sie in ernsten Schwierigkeiten sei und seine Hilfe als Detektiv benötige. Bezüglich der Einzelheiten des Auftrags verabredet sich Iris mit Harper für den nächsten Tag in ihrem Haus. Lew Harper hat am Stadtrand eine Reservierung in dem Motel The Town House, doch als er vom Schwimmen unter die Dusche steigt, findet er auf seinem Bett eine blutjunge Schönheit (Melanie Griffith), die ihn offenbar zu verführen sucht. Er wirft das Mädchen hinaus, doch als er selbst kurze Zeit später sein Zimmer verlässt, wird er von Police Detective Franks (Richard Jaeckel) festgenommen und unsanft aufs Polizeirevier führt. Hier trifft er dessen Vorgesetzten Broussard (Anthony Franciosa), der Harper seine Waffe abnimmt, für die er in Louisiana keine Zulassung besitzt. Zwar glaubt er Harper, dass er das minderjährige Mädchen nicht belästigt habe und lässt ihn auf freien Fuß, doch gibt er ihm eine Warnung mit auf den Weg, nachdem er mit einigem Erstaunen zur Kenntnis nahm, dass Harper im Auftrag von Iris Devereaux in der Stadt ist. Am darauffolgenden Morgen stellt auch Lew Harper fest, dass die Familie Devereaux tatsächlich eine der mächtigsten in der Stadt ist…
 
“Did you come to that conclusion out of patriotism or just greed?” “Little of both, Mr. Harper, like most men of wealth.” Dieser zweite Film mit Paul Newman in der Rolle des Privatdetektivs Lew Harper nach einem Roman von Krimiautor Ross MacDonald, der erste war Jack Smights Ein Fall für Harper (USA 1966), hat durchaus seine Momente. Wenn die Adaption durch das Drehbuch, an dem u.a. Walter Hill beteiligt war, für solche scharfen Dialoge und auch Einzeiler sorgt, ist der Zuschauer wach und Lew Harper erinnert an die zynischen und weltweisen Privatdetektive Dashiell Hammetts und Raymond Chandlers, wie sie in den Film Noirs der Vierziger und frühen Fünfziger die Leinwand bevölkerten. Aber solche Momente sind nicht von Dauer. Den Großteil seiner Laufzeit dümpelt der Film im Fahrwasser von Fernsehkrimis und das ist nicht die Schuld des Kameramanns Gordon Willis (Der Pate, USA 1972), der Unter Wasser stirbt man nicht mit wunderbaren und nie prätentiös überästhetischen Einstellungen verschönert. Wie schon Ein Fall für Harper ist auch dieser zweite Neo Noir um Lew Harper ein Stück Hollywoodroutine im Zeitgeistgewand, nur dass zwischen den Werken 9 Jahre liegen und solcher Zeitgeist ein anderer ist. Wenn der Abspann über den Bildschirm flimmert, wird man das Gefühl nicht los, man habe eine Folge Columbo oder Detektiv Rockford - Anruf genügt gesehen - nicht schlecht, zugleich vollends anspruchslos und erzählerisch trivial.
 
Bis auf die satte Coolness Paul Newmans als Lew Harper und mit Ausnahme von Linda Haynes, die immer gut ist, bleibt das Schauspiel leider mittelmäßig. Besonders Joanne Woodwards Charakter Iris Devereaux füllt sich nicht mit Leben. Ab der Mitte des Films ist sie im Dienst von dessen Dramaturgie nahezu unbeteiligt und fungiert fast nur als Aufhänger, um die wenig originelle Geschichte - teils Familiendrama, teils Wirtschaftskrimi - in Gang zu bringen. Hier zeigt sich das zentrale Problem: Zu viele Personen überfrachten einen Film, der sich nicht auf seine Charaktere fokussiert und sie nicht sonderlich entwickelt. Wir nehmen an den Problemen der Familie Devereaux kaum Anteil. Iris’ Ehemann ist ein besserer Statist, ihre Tochter ein Klischee und sie selbst zeigt kaum Profil. Dennoch sind es zuletzt solche Charaktere, die im dramatischen Finale mit gedoppeltem Schlussakkord zählen sollen. Der Zuschauer ist von all den zähen Verwicklungen jedoch längst gelangweilt. Auch Murray Hamilton bleibt als Fiesling J. L. Kilbourne recht blass; hier überzeugt am ehesten noch Richard Jaeckel als Police Detective Franks. Paul Newman hatte sowohl mit Stuart Rosenberg als auch mit seiner Ehefrau Joanne Woodward schon oft zusammen gearbeitet, doch dieser Film wurde in beiden Fällen die letzte Kollaboration. Gemessen an den Neo Noirs seiner Zeit gibt es in der Sparte viel, viel Besseres, so Arthur Penns Die heiße Spur (1975) und natürlich Roman Polanskis Chinatown (1974). Fazit: Unter Wasser stirbt man nicht muss man selbst als Fan Paul Newmans oder Liebhaber von Detektivfilmen nicht unbedingt sehen.
 
Sehr gute deutsche DVD-Edition von Warner Bros. (2006), inzwischen jedoch vergriffen, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bildtechnisch topp, dazu Tonspuren auf Englisch, Deutsch, Spanisch und haufenweise Untertitel. Die stets noch erhältliche spanische DVD-Ausgabe ist mit der deutschen identisch.
 

Neo Noir | 1975 | USA | Stuart Rosenberg | Walter Hill | Ross MacDonald | Gordon Willis | Richard Jaeckel | Paul Newman | Melanie Griffith | Linda Haynes

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