Meeting Evil

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Bewertung
****
Originaltitel
Meeting Evil
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2012
Darsteller

Samuel L. Jackson, Luke Wilson, Leslie Bibb, Peyton List, Tracie Thoms

Regie
Chris Fisher
Farbe
Farbe
Laufzeit
85 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Der für die U.S. Dream Homes tätige Immobilienmakler John Felton (Luke Wilson), der in der andauernden Wirtschaftskrise nicht an frühere Erfolge anschließen kann, wird von seinem Chef Trevor (Jason Alan Smith) kurzerhand gefeuert. So kehrt er eines Morgens wieder in sein prächtiges Vororthaus zurück, wo der Briefkasten voller Mahnungen und Schuldbescheide auf ihn wartet und ein Facharbeiter (J.D. Evermore) für den Bau seines Swimmingpools das Gelände soeben verlässt. John betritt das Haus, das zu seiner Überraschung leer ist, und will sich mit einem Whisky niedersetzen, als ihn seine Frau Joanie (Leslie Bibbs), Tochter Sam (Gabrielle Harvey) und Sohn John (Sam Robbins) mit einem Kuchen zum dreijährigen Arbeitsjubiläum überraschen. Aber John ist nicht nach Feiern zumute. Er weiß nicht mehr, wie er gegen die Krise ankämpfen soll, von der er sich an die Wand gedrückt findet. Nachdem seine Familie das Haus verlassen hat, hebt er eigenhändig mit der Schaufel die Grube des Pools im Garten aus, die nun, als er hinein blickt, wie das Grab seines eigenen Lebens aussieht. Da klingelt und klopft es energisch an seine Haustür. Als John Felton öffnet, steht dort ein kräftig gebauter Fremder (Samuel Jackson), der sich als Richie vorstellt. Sein Auto sei vor Johns Haus abgesoffen und so bittet er den Familienvater, ihm kurz zu helfen und den Wagen mit anzuschieben. John Felton überlegt eine Sekunde, ob er Schlüssel, Handy und Geld im Haus lassen soll. Dann spurtet er einfach so auf die Straße und schiebt, während sich Richie hinters Steuer klemmt und ihn anfeuert…
 
“If you wanna believe the lie, then go on living your life. But the world is evil, John. It's just plain evil.“ Dass Samuel L. Jackson als aberwitziger, selbstgerechter Killer Richie und Luke Wilson als arbeitsloser Familienvater John Felton schlicht großartig agieren, ist hier nicht der Punkt. Für den Zuschauer, der wirklich aufmerksam zuhört und zusieht, ist weit mehr drin als eben nur das. Die Charaktere sind jenseits von Gut und Böse - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Geschichte ist als Thriller so unglaubwürdig wie vieles, was in Hollywood zu einem Film verwurstet wird. Aber der Dreh- und Angelpunkt ist ein anderer, und genau das macht es interessant.  Chris Fisher schafft mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Berger eine Spielsituation, die ihm erlaubt, das Agieren und Reagieren eines Bürgers nach Normen von Gesetz und Ordnung auf den Prüfstand zu stellen. So ist es zuletzt nicht nur der Rollencharakter John Felton, der in dem präzise betitelten Neo Noir auf das Böse trifft sondern der Zuschauer. Letzterer muss sich konzentrieren, sonst entgehen ihm die subtil gesetzten Akzente des Films und er (miss)versteht das Ganze als „normalen“ Thriller mit einem Ende, das enttäuscht. So erging es den meisten schon mit Werner Herzogs bis heute unterschätztem Bad Lieutenant – Cop ohne Gewissen (USA 2009), einer großartigen Satire auf Filmproduktion à la Hollywood und vielfältiges Spiegelbild eines von Gier und Sozialdarwinismus betriebenen Kapitalismus’ in der Endphase.
 
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© Sony Pictures Home Entertainment
 
Meeting Evil schlägt in eine ähnliche Kerbe und erhielt in den USA vergleichbar schlechte Kritiken – zu Unrecht. Der mit kleinem Budget produzierte, perfekt besetzte – Muse Watson, Peyton List, Tracey Thoms sind ebenfalls erstklassig! - und von Kameramann Martin V. Rush wunderbar inszenierte Film führt seine Charaktere und den Zuschauer schnurstracks an den Abgrund ihrer bürgerlichen Existenz, indem er sie mit Richie - jener lässt sich an einer Stelle von John, der vor dem Aus seines bürgerlichen Daseins steht, als Kurzform von Richard auch „Rich“ (= reich) nennen - konfrontiert, der seine Probleme gewissenlos und sofort selbst löst, indem er jeden Widersacher umbringt. Die Leistung des Films liegt im Finale und in der Schlusssequenz, die alles scheinbar eindeutig in Gut und Böse unterschiedene – War’s nicht John, der Gute, der auf Richie, den Bösen, traf? –auf den Kopf stellt und uns mit dem wahren Horror hinter der Fassade des Alltags konfrontiert. Das Ende ist nicht, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Es ist im Grunde viel, viel schlimmer… Und es ist, was dem Film eine überraschend abgründige Dimension verleiht. John Felton ist ein Film-Noir-Charakter, der an Frank R. Enley (Van Heflin) in Fred Zinnemanns Akt der Gewalt (USA 1948) und an John Forbes (Dick Powell) in André de Toths Pitfall (USA 1948) erinnert – zweifelnd, willensschwach, hoffnungslos unselbstständig. Eines Morgens ist seine Welt nicht, die sie war, und das ist der Tag, an dem ihm Richie mit seiner schonungslosen Art der Selbstreflexion konfrontiert: “Things I hate most are things that resemble my own faults. I hate bad manners. I hate people that don’t give common courtesy. Hypocrites and cowards. That’s all they are.” Chris Fishers Meeting Evil ist ein intelligenter Neo-Noir-Thriller und damit eine Seltenheit.
 
Erstklassige BD- und DVD-Edition (2012) von Sony Pictures Home Entertainment, auch als VoD (Video on Demand), bildtechnisch topp, ungekürzt im Originalformat, mit einer Auswahl an 5 Tonspuren (darunter auch Englisch und Deutsch) und 17 verschiedenen Untertiteln. Für den Film-Noir-Freund und für sonstige Cineasten empfehlenswert.
 

Neo Noir | 2012 | USA | Chris Fisher | Luke Wilson | Samuel L. Jackson

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