Million Dollar Hotel, The

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Bewertung
***
Originaltitel
The Million Dollar Hotel
Kategorie
Neo Noir
Land
GER/UK/USA
Erscheinungsjahr
2000
Darsteller

Jeremy Davies, Milla Jovovich, Mel Gibson, Jimmy Smits, Peter Stormare

Regie
Wim Wenders
Farbe
Farbe
Laufzeit
122 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Los Angeles: Auf dem Flachdach des Million Dollar Hotels beginnt der junge Tom Tom (Jeremy Davies) von einem Ende zum anderen zu laufen und springt über die Brüstung. Während er die Stockwerke hinab seinem sicheren Tod entgegen trudelt und feststellt, wie doch das Leben vielfältig und schön sei, erinnert er sich… Die Bewohner des Million Dollar Hotels, zu denen auch Tom Tom zählte, sind gesellschaftliche Außenseiter und Sonderlinge. Dazu gehören der ewige Hippie Dixie (Peter Stormare), der behauptet, alle Beatles-Songs verfasst zu haben, oder auch Eloise (Milla Jovovich), die von sich sagt, sie existiere nicht, sodann barfüßig und scheu von dannen huscht, um sich im nebenan gelegenen Antiquariat mit Büchern zu versorgen. Einst war auch der Junkie Izzy (Tim Roth) einer von ihnen. Doch ist er vom Dach des Gebäudes gestürzt – Selbstmord, denken seine Freunde und die anderen Hotelgäste. Nein, es war Mord, behauptet sein Vater Stanley Goldkiss (Harris Yulin). Der ist ein steinreicher und mächtiger Medienmogul, was man im Hotel bisher nicht mal ahnte, und er setzt den FBI-Agenten Skinner (Mel Gibson) darauf an, den Tod seines Sohnes in diesem Sinne aufzuklären. So erscheint, unterstützt vom Polizisten des LAPD Charley Best (Donal Logue), der konservative Detective mit seiner metallenen Rückenstütze und im Anzug unter den schrillen Hotelgästen und durchsucht keineswegs zimperlich die Räume der Verdächtigen, die er flugs als solche eingestuft hat. Aber für Tom Tom, der sich in Eloise verliebt hat, ist schnell klar, dass auch Skinner ein Freak sein muss…
 
Rechnet man die Werke zusammen, darin Milla Jovovich und Mel Gibson in den letzten 25 Jahren auftraten, erhält man eine beeindruckende Liste massenkompatiblen Hollywoodmainstreams. Und ausgerechnet dieser sehr „spezielle“ Wim-Wenders-Film ist für beide die rühmliche Ausnahme und führt sie in einer anrührenden Schlusssequenz zusammen. Mel Gibson (Payback - Zahltag, USA 1998) sagte anlässlich der australischen Premiere über den Film: "I thought it was as boring as a dog's ass." Obwohl er das als Mitproduzent von The Million Dollar Hotel – ein Riesenflop an den Kinokassen - später bedauerte, verrät es einiges über den Darsteller, der hier, von Wenders allemal gut inszeniert, seinen üblichen 0815-Standard liefert. Auch Milla Jovovich (Rückkehr zur blauen Lagune, USA 1991) ist als Schauspielerin überschätzt, bringt ihre kapriziöse Eloise aber glaubwürdig, die teils an Jean Seberg in Jean-Luc Godards Außer Atem (FRA 1960) erinnert. Jeremy Davies, dessen Tom Tom vielen Kritikern auf die Nerven ging, überzeugt in der Darstellung des so kontaktfreudigen wie kontaktgestörten Kindes im Mann. Es ist das Peter-Pan-Artige, worauf Drehbuchautor Nicholas Klein und Wim Wenders aus sind, und es gelingt, sobald man sich darauf einlässt. Doch viele der anderen "Retards“ sind zu sehr ins Groteske und Komische überzeichnet, - Amanda Plummer als Vivien, Jimmy Smits als Geronimo und Peter Stormare als Dixie - um nicht eben doch zu nerven. Der Film patzt an den Stellen, wo er komisch sein will. Demgegenüber gibt es grandiose Einzelszenen, - liebevoll, zärtlich, ausdrucksstark - die das Werk zusammen kitten.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Was trotz der Handlungsklammer mit Beginn und Ende als Ausgangs- und Finalstück der Rückblende fehlt, ist ein Spannungsbogen. Nach dem ersten Drittel wird der Film redundant und seine 122 Minuten erweisen sich aufgrund der Vielfalt an Ideen und Intentionen als langatmig. Die Idee mit den Gemälden eines Malers, der vermeintlich tot ist, in Wirklichkeit aber (hier aufgrund einer Verwechslung) eben nicht, ist eine schöne Referenz an Wenders‘ eigenen Neo Noir Der amerikanische Freund (GER/FRA 1977). Die Musik von Brian Eno, Daniel Lanois, Bono und U2 ist dezent genug, um das Zeitgeistelement, das bei Wenders oft in den Vordergrund tritt, nicht sehr zu betonen, doch ein, zwei U2-Songs weniger wären mehr gewesen. Das Million-Dollar-Hotel als Gebäude, sein Name bärbeißig triftige Ironie, ist die Insel der Seligen inmitten des High-Tech-Kapitalismus‘ der es umgebenden Stadt, wie die erste und die letzte Kamerafahrt schön erläutert. The Million-Dollar-Hotel als Film bleibt hinter seinem Potential zurück, das in manchen formal und inhaltlich herausragenden Momenten – z.B. Einstieg und Finale des Films – zum Tragen kommt. Was ist zuletzt Film Noir an The Million Dollar Hotel? Nun, es gibt ein Verbrechen und ein Geheimnis, eine lange Rückblende und einen Erzähler aus dem Off. Es gibt die Kameraarbeit durch Phedon Papamichael jr. samt Low-Key-Beleuchtung und den überraschend tragischen Polizisten, dazu eine Schicksalsfrau und die schlussendliche Erkenntnis, dass sie allesamt Außenseiter sind. Im Grunde ist dieser Stil- und Genremix stets erfolgreich, wenn er sich der Noir-Elemente bedient, die auch seinen Schauplätzen zuträglich sind. The Million Dollar Hotel ist kein großer Film, keineswegs. Dennoch würde ich nicht davon abraten, ihn sich einmal anzuschauen.
 
Exzellente Edition als BD und DVD von Arthaus / Studicanal (2012), ungekürzt und in Originalformat, wahlweise englische oder deutsche Tonspur (Synchronisation ist allerdings kaum auszuhalten), optional deutsche Untertitel und einige Extras.
 

Neo Noir | 2000 | International | Wim Wenders | Harris Yulin | Jeremy Davies | Mel Gibson | Tim Roth | Tom Bower

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