Frantic

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Bewertung
****
Originaltitel
Frantic
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/FRA
Erscheinungsjahr
1988
Darsteller

Harrison Ford, Emmanuelle Seigner, Betty Buckley, John Mahoney, Jimmie Ray Weeks

Regie
Roman Polanski
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Warner Bros.
 
Paris, Frankreich: Dr. Richard Walker (Harrison Ford) und seine Frau Sondra (Betty Buckley) fahren mit einem Taxi über die Stadtautobahn Richtung Zentrum. Die beiden haben von San Francisco kommend einen langen Flug hinter sich und sind müde. Doch ihr Taxi hat eine Reifenpanne und der Ersatzreifen ist ebenfalls platt, der Fahrer (Djiby Soumare) flucht und muss um Ersatz bitten. Als sie endlich im Le Grand International Hotel ankommen, zeigt ihnen der Portier Gaillard (Gérard Klein) ihr Zimmer. Eine Botschaft von Doktor Maurice Alembert lädt den wegen eines Medizinerkongresses nach Paris gekommenen Dr. Walker ins Restaurant Jules Verne auf dem Eiffelturm ein, heute um 13:00 Uhr. Aber Richard möchte sich lieber ausruhen und in Erinnerung an ihre Flitterwochen vor genau 20 Jahren mit Sondra ein paar Stunden im Bett verbringen. Der Page (Stéphane D’Audeviille) bringt die Koffer und Sondra, die im Gegensatz zu Richard fließend Französisch spricht, bestellt telefonisch Frühstück. Richard ruft die Kinder Zuhause an, wo es 11 Uhr nachts ist, indessen Sondra es nicht gelingt, ihren zweiten Koffer mit den dafür vorgesehenen Schlüsseln zu öffnen. Richard stellt fest, dass sie bei der Gepäckausgabe am Flughafen den Koffer vertauscht hat. Er ruft deswegen am Flughafen bei TWA an und seine Frau geht unter die Dusche. Während er selbst duscht, nimmt Sondra einen Anruf entgegen und möchte etwas von ihm wissen, doch wegen des fließenden Wassers versteht er sie nicht und sie bewegt sich in Richtung der Tür. Als er mit Rasierschaum im Gesicht den Kellner mit dem Frühstückswagen einlässt, stellt er fest, dass seine Frau nicht im Zimmer ist…
 
“Still, to watch the opening sequences of “Frantic” is to be reminded of (…) one of the few modern masters of the thriller and the film noir,” schrieb Roger Ebert 1988 nach der Prämiere des Films und hat bis heute Recht damit. Warum jedoch wird der Film - oft mit der Thriller-Tradition Alfred Hitchcocks verglichen, der er nahe steht und doch nicht gleicht - so selten als Neo Noir erkannt? Zwar wird er in Listen zum Neo Noir gern als weiterer Eintrag für das Jahr 1988 geführt, aber nur selten besprochen. Dabei ist der konservative, biedere Dr. Walker ein so typischer Film-Noir-Charakter, wenn er zwanzig Jahre nach seinen Flitterwochen in Paris aus beruflichen Gründen dorthin zurückkehrt und geradewegs durch die Kulissen eines Alptraums taumelt. Polanski geht es nicht in erster Linie um die (allemal schlichte) Handlung sondern darum, wie sich der US-Amerikaner Walker ohne Französischkenntnisse, ohne Einfühlungsvermögen für andere Kulturen und ganz von seiner Klasse und seinem Berufsstand geprägt in Anbetracht einer existentiellen Krise bewährt. Entscheidend ist dabei, dass der unpolitische Mann, der bis dato aufs Funktionieren seiner Umwelt so vollends vertrauen konnte, sich unerwartet auf sich allein gestellt findet. Schon im Hotel fällt er den Bediensteten mit seinen penetranten Fragen wegen des Verschwindens seiner Frau auf die Nerven. In der US-amerikanischen Botschaft hat man für seinen Fall nicht die geringste Zeit und nicht das mindeste Interesse. Die Polizei macht auf seine Kosten Scherze und weist ihn in die Schranken. Allerorten laufen die Geschäfte des Alltags unvermindert weiter und außer Achselzucken und banalen Ratschlägen kriegt Richard Walker keine Hilfe angeboten. Aus der Welt des noblen Hotels, im Grunde so trist wie jenes Bild der Metropole Paris, das Polanski in Frantic zeigt, entführt es ihn in die Welt der Nachtclubs, Hinterhäuser und zu den Drogendealern und Lebenskünstlern der Subkultur. Doch auf der Suche nach seiner Frau, die offenbar entführt wurde, entfacht Dr. Richard Walkers Hin und Her zwischen den Welten erst recht manch unerwünschte Turbulenz.
 
“You want your wife back, or what? Then relax, be cool and just walk.” Der 45jährige Harrison Ford und die 40jährige Betty Buckley sind perfekt als Paar ihrer bildungsbürgerlichen Schicht, die scheinbar nichts jemals aus dem inneren Gleichgewicht und dem Geleis ihrer Zugehörigkeit bringen könnte. Auch Emmanuelle Seigner (22) überzeugt als Nachtschattengewächs, die sich schnell und leicht Geld anzueignen hofft, ohne an das Risiko zu denken. Gute Schauspieler, erstklassige Schauplätze, eine stringente Regie und die eigenwillige Handschrift des Regisseurs garantieren Spannung und Kurzweiligkeit. Erst im letzten, schlicht überlangen Drittel kommt die Haupthandlung den Charakteren in die Quere, die Sache wird vorhersehbar und der Zuschauer vermisst das gewisse Extra, jenen Kniff, den ein fast zwei Stunden langer Film dieser Qualität zu versprechen schien. Das Finale ist gut, der Schluss bestenfalls noch solide, die Musik Ennio Morricones verblüffend schlecht. Allemal bleibt zum Abspann ein bitterer Nachgeschmack, und das ist mit Sicherheit nicht zufällig so. Es ist der Nachgeschmack des Film Noirs im Vergleich zum herkömmlichen Thriller, der hier auch drinsteckt und als welcher Frantic seit jeher vermarktet und bewertet wurde. Zum einmaligen Genuss allemal zu empfehlen!
 
Gute DVD-Ausgabe (1999) der Warner Home Video GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Englisch, Deutsch und Spanisch, mehr optionale Untertitel, als ich zu zählen bereit bin, doch ohne Extras.
 

Neo Noir | 1988 | International | Roman Polanski | Robert Towne | Harrison Ford | Alexandra Stewart | Emmanuelle Seigner

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