Grenzpatrouille

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Bewertung
****
Originaltitel
The Border
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1982
Darsteller

Jack Nicholson, Harvey Keitel, Valerie Perrine, Warren Oates, Elpidia Carrillo

Regie
Tony Richardson
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Grenzpatrouille-Poster-web6.jpg Grenzpatrouille-Poster-web5.jpg Bild
© Universal Pictures
 
In der gewaltigen Kirche einer ländlichen Region Mexikos, lassen Maria (Elpidia Carrillo) und ihr Ehemann im Beisein von Marias Bruder Juan (Manuel Viescas) ihr Baby taufen. Mitten in der Zeremonie sucht ein Erdbeben die Gläubigen heim. Das Kirchenschiff stürzt ein und begräbt viele Menschen unter sich und auch Marias Mann stirbt. Juan und Maria machen sich nebst dem Baby auf den Weg in eine bessere Zukunft und reisen gen Norden, in Richtung der Grenze zu den USA… In Los Angeles, Kalifornien, ist der Grenzpolizist Charlie Smith (Jack Nicholson) dabei, sich auf dem Recyclinghof von Lou (Floyd Levine) aus Dutzenden illegaler Arbeiter, allesamt Flüchtlinge aus Mexiko, zwei herauszupicken, um seine Statistik aufzupolieren. Als er am Abend zu seiner Frau Marcy (Valerie Perrine) ins gemeinsame “Mobile Home“ kommt, präsentiert sie ihm aufgeregt einen Prospekt über ein Doppelhaus in El Paso, Texas. Deren eine Hälfte gehört ihrer Freundin Savannah (Shannon Wilcox) nebst Ehemann Cat (Harvey Keitel), seinerseits Angehöriger der United States Border Patrol, und ihrem Sohn Timmy (Jay Thurman), indessen die andere noch leer steht. Charlie hat keine Ahnung, wie er ein solches Haus je bezahlen könnte. Doch Marcy ist von ihrem einmal gefassten Plan nicht abzubringen und sieht in Charlies sonstigen Ideen für seine berufliche Zukunft bloß Sackgassen. Und während Juan und Maria die Grenze erreichen, begrüßen Savannah und Cat eine begeisterte Marcy und einen schweigsamen Charlie als neue Nachbarn in El Paso…
 
“If you’ve never see The Border, do so (…) this is a good movie with a strong cast and a convoluted, morally ambiguous narrative that places it squarely in the realm of film noir,” schreibt Mark für Where Danger Lives. Keine Filmpreise, keine Oscar-Nominierung, ein kapitaler Flop an der Kinokasse und mäßige Kritiken ließen Tony Richardsons Grenzpatrouille in der Versenkung verschwinden. Die 80er Jahre hatten begonnen und mit ihnen das Zeitalter jenes Leinwand-Bombasts, der via George Lucas und Steven Spielberg ein standardisiertes Kinoerleben im Sinne der 50er Jahre wiederbelebte. Vorbei war es mit Europas Autorenfilm und mit New Hollywood. Peter Bogdanovich drehte nur noch fade Komödien. Francis Ford Coppola hatte mit Einer mit Herz (USA 1981) eine lächerlich biedere Romanze gefertigt. Alan J. Pakula und Arthur Penn hatten ihren Zenit jeweils klar überschritten. Roman Polanski lebte in Frankreich und sogar Martin Scorsese verlegte sich in der ersten Hälfte der 80er auf (allerdings biestig bissige) Komödien, die allesamt floppten. Bahn frei für Spielberg, Lucas & Co. die mit ihren Sequels zu Krieg der Sterne (USA 1977) und Jäger des verlorenen Schatzes (USA 1981) das Blockbuster-Kino einläuteten. Erneut übernahmen große Studios anstelle von Einzelnen die Herrschaft über das US-Kino, erneut regierte einzig das Geld und das gilt bis heute. In diesem Klima der Umwälzung ging Grenzpatrouille 1982 sang- und klanglos unter und sieht jetzt wie ein zu spät geborenes Relikt der 70er aus, was nicht im mindesten gegen die exzellente Umsetzung eines ambitionierten und durchdachten Drehbuchs spricht oder gegen die pointierte Musikbegleitung durch Ry Cooder, Jim Dickinson, Freddie Fender, John Hiatt und andere.
 
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© Koch Media GmbH

 
Seinerzeit sorgte das Blockbuster-Kino im Nu für eine Entpolitisierung der Filmproduktion, die nur mehr harmloses Entertainment vergleichbar den heutigen Comic-Verfilmungen gebar. Mit Ronald Reagan als US-Präsident setzte ab 1981 ein restauratives weltpolitisches Klima ein, das (mit dem Diktat kommerzieller Interessen) auf die Filmkultur “Made in Hollywood“ voll durchschlug. Obendrein war in Grenzpatrouille das Ensemble eines, das exemplarisch für die abgelaufene Ära New Hollywoods stand – Jack Nicholson, Warren Oates und Harvey Keitel hatten darin zentrale Figuren verkörpert. Nicholson spielt hier erneut einen komplex angelegten Rollencharakter in seiner glaubwürdigen Art und verbindet die verschiedenen Ebenen des Films, darin die Ehen der Nachbarn Charlie und Marcy Smith und Cat und Savannah die USA der Gegenwart ebenso reflektieren wie das mit Elementen klassischen Thrillers gewürzte Drama um die mexikanischen Flüchtlinge. Ins Terrain des Film Noirs bringen das Werk vor allem die Entwicklungen um den zunehmend auf verlorenem Posten agierenden Charlie Smith, der unter seinen Landsleuten nur mehr Feinde oder Fremde findet. Sich derlei von dem Engländer Tony Richardson (Die Einsamkeit des Langstreckenläufers, UK 1962) vorführen zu lassen, war man in den USA sowenig gewillt hinzunehmen wie in anderen Fällen US-kritischer Filme aus der Hand von Europäern. Michelangelo Antonionis Zabriskie Point (USA 1969) oder auch Costa-Gavras’ Verraten (USA 1987) wurden bei Erstaufführung ebenfalls abgestraft. Für Freunde des Neo Noirs und des klassischen Thrillers mit Substanz lohnt sich die Wiederentdeckung von Grenzpatrouille trotz seines (ursprünglich so nicht geplanten) geschönten Endes jedoch allemal.
 
Erstklassige DVD-Edition (2004) der Universal Pictures Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch (keinesfalls zu empfehlen, es verfälscht den Film völlig), Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch, dazu 13 verschiedene Untertitel, Extras gibt es allerdings keine.
 

Neo Noir | 1982 | USA | Tony Richardson | Harvey Keitel | Jack Nicholson | Warren Oates

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