Johnny Guitar - Gejagt, gehasst, gefürchtet / Wenn Frauen hassen

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Bewertung
***
Originaltitel
Johnny Guitar
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Joan Crawford, Sterling Hayden, Scott Brady, Mercedes McCambridge, Ward Bond

Regie
Nicholas Ray
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Der ehemalige Outlaw Johnny Logan (Sterling Hayden) trägt keine Revolver mehr, stattdessen eine Gitarre, und er nennt sich Johnny Guitar. Heute reitet Johnny in den Bergen Arizonas und wird Zeuge einer Reihe von Sprengungen durch die Männer von Mr. Andrews (Rhys Williams) zugunsten einer Eisenbahnlinie, die hier gebaut werden soll. Von einem Hügel herunter beobachtet er den Überfall auf eine Postkutsche, bei der vier maskierte Banditen einen Mann kaltblütig erschießen. Im Schatten der Red Rock Crossing erreicht er schließlich sein Ziel, den außerhalb jeder Ortschaft in die Felsen gebauten Saloon Vienna’s. Im Sturm, der den rötlichen Sand empor wirbelt, nimmt der Bedienstete Tom (John Carradine) sein Pferd und Johnny Guitar tritt durch die Tür. Hier sieht er zu seiner Überraschung einen Roulette- und einen Spieltisch, an denen die Groupiers Eddie (Paul Fix) und Sam (Robert Ostlerloh) den Ton angeben. Johnny lässt sich am Tresen vom Barkeeper Frank (Frank Marlowe) einen Whisky servieren und fragt nach Vienna (Joan Crawford), der Inhaberin des Saloons, mit der er eine Verabredung habe. Die sei beschäftigt, antwortet man ihm, und Frank weist Tom an, für Johnny Guitar in der Küche ein Abendessen zuzubereiten. Da erscheint Vienna, die soeben noch mit Mr. Andrews speist, auf der Balustrade des ersten Stocks und gibt zu verstehen, dass sie den Besucher erst später empfangen wird…
 
“In fact, the only truly noir western is Nicholas Ray’s Johnny Guitar (1954), wherein standard crime movie stars Sterling Hayden, Joan Crawford, and Ernest Borgnine look pretty funny running around in cowpoke clothes.” schreibt Barry Gifford in seinem Buch Out of The Past - Adventures in Film Noir (2001). Der Behauptung fehlt zwar jedes stichhaltige Argument, - allein Borgnine spielte 1953/54 in vier Western, auch Hayden war oft als ”Cowboy” zu sehen, - aber Robert Pippin (University of Chicago) stellt in seinem Aufsatz Cinematic Irony: The Strange Case of Nicholas Ray’s Johnny Guitar (2014) ebenfalls fest: “The wise-cracking, laconic Johnny Guitar character, unable to free himself from Vienna, and the gambling theme, invoke film noir conventions.“ Nun ist der in Deutschland ursprünglich Wenn Frauen hassen und bei Wiederaufführung Johnny Guitar - Gejagt, gehasst, gefürchtet betitelte Film zugleich maßlos überbewertet. Als Reflex auf die politische und gesellschaftliche Lage in den USA der McCarthy-Ära war (und bleibt) er ein bemerkenswert subversives Stück Filmgeschichte. Als Erzählung außerhalb dieses Kontextes ist er bestenfalls grotesk, witzig, manieriert, also nur durch die Brille des intellektuell gerüsteten Cineasten als „hochwertig“ einzustufen. Sobald man die Handlung als das nimmt, was sie abbildet, reduziert sie sich auf einen banalen und bezüglich der Motivation ihrer Rollencharaktere wenig glaubwürdigen Plot. Johnny Guitar gilt heute als ein deftiges, geradezu stilbildendes Stück Camp-Kultur, das seinerzeit in den USA die Freunde klassischen Westerns so faszinierte wie verärgerte, und das ist sicher auch richtig. In der Erzählung ergeben sich die Probleme jedoch sowohl aus den distanzlos genutzten Genre-Klischees als auch aus den beteiligten Personen vor und hinter der Kamera.
 
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“Never seen a woman who was more of a man. She thinks like one, acts like one, and sometimes makes me feel like I'm not.” Die im Zentrum stehende Vienna in der Darstellung durch Joan Crawford ist nicht nur eine der stärksten Frauenfiguren im Western sondern auch eine der härtesten und am wenigsten weiblichen. Die Diva Crawford musste mit dem Riesenflop ihres Musicals Herzen im Fieber (USA 1953) einen herben Rückschlag einstecken und landete mit 48 Jahren in einem Western des Poverty-Row-Studios Republic Pictures. Mit ihren je 11 Jahre jüngeren Mitstreitern Mercedes McCambridge und Sterling Hayden, den die Rolle Johnny “Guitar“ Logans völlig kalt ließ, ergaben sich Reibereien und Rivalitäten. McCambridge sagte später über Joan Crawford: “She was a mean, tipsy, powerful, rotten-egg lady.” Aber gerade Mercedes McCambridges Charakter Emma Small, Anführerin des Lynchmobs, erscheint als treibende Kraft des Konflikts zu eindimensional, eine Comic-Figur, die zwar einige fiese Zeilen ausspuckt, aber stets in der gleichen Tonlage. Die Besetzungsliste liest sich vielversprechend, aber die Leistungen der Darsteller sind durch die Bank nicht herausragend. Joan Crawford neigt zum Over-Acting, jeder Satz wirkt enorm dramatisiert und ihre Gesichtsmuskeln grimassieren fast wie bei Robert Newton als Long John Silver in Die Schatzinsel (UK/USA 1950). Erst nach einer Stunde packt das Drama zu, obgleich die Regieleistung Nicholas Rays nichts zu wünschen übrig lässt und sowohl die Schauplätze als auch die Kameraarbeit exzellent genannt werden müssen. Ich gebe dem Film mit seinem guten letzten Drittel 3,5 Sterne, kann mich aber nicht dazu entschließen aufzurunden.
 
Bis heute gibt es weltweit keine BD oder DVD, die den Film im korrekten Bildformat - Widescreen 1.66:1 - wiedergibt. Alle präsentieren ihn in Vollbild 4:3 und damit im inkorrekten Bildformat, das die Bildwiedergabe beschneidet. Die drei europäischen DVD- Editionen zeigen falsche Farbwerte des in Trucolor fotografierten Films, doch von jenen ist die deutsche DVD-Ausgabe (2003) von Arthaus / Studiocanal bildtechnisch die beste. Die Trucolor-Farben sind nur bei der in den USA via Olive Films erschienen BD und DVD (2012) authentisch, die neben der deutschen DVD das beste Bild zeigt (obgleich ebenfalls im falschen Format). Was das ausmacht, zeigt ein bei DVD Beaver dokumentierter Vergleich aller vier je erschienenen Editionen. Die deutsche Alt-Synchronisation ist technisch furchtbar - der Ton klingt insgesamt völlig anders als im Original - und die Übersetzung nimmt dem Sprachwitz so ziemlich alles: Aus dem “Dancin’ Kid“ wird „Der tanzende Ted“, statt “They both cast the same shadow.“ hören wir „Die beiden stecken unter einer Decke.“ und bei „Eddie! You can stop spinning the wheel.“ heißt es „Eddie, du kannst mit dem Spiel aufhören.“ Der Film ist auch auf der deutschen DVD ungekürzt wahlweise mit dem deutschen oder dem Originalton enthalten, dazu optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer und Starinfos als Extras. Die BD oder DVD von Olive Films (USA) bietet als Extra eine kurze Einweisung von Martin Scorsese (dauert nur 3 ½ Minuten). Allerdings sind die US-Editionen in Deutschland nicht verfügbar.
 

Western Noir | 1954 | USA | Nicholas Ray | Ernest Borgnine | John Carradine | John Maxwell | Rhys Williams | Royal Dano | Scott Brady | Sterling Hayden | Ward Bond | Will Wright | Joan Crawford

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