Out Of Time - Sein Gegner ist die Zeit

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Bewertung
**
Originaltitel
Out Of Time
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Denzel Washington, Eva Mendes, Sanaa Lathin, Dean Cain, John Billingsley

Regie
Carl Franklin
Farbe
Farbe
Laufzeit
101 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Bild Bild  Out Of Time-Poster-web4.jpg
 
Banyan Key ist ein kleiner Küstenort im sonnigen US-Staat Florida, nicht weit von Miami gelegen. Hier ist Matt Lee Whitlock (Denzel Washington) der örtliche Polizeichef und der zynische Gerichtsmediziner Chae (John Billingsley) ist so ziemlich sein einziger Freund. Whitlocks Frau Alex Diaz (Eva Mendes) ist zum Police Detective befördert worden und arbeitet bei der Mordkommission in Miami, aktuell ist ihrerseits die Scheidung eingereicht. Am heutigen Abend fährt Matt Whitlock zum Haus von Ann Merai Harrison (Sanaa Lathin), Ehefrau des latent gewalttätigen Polizeioffiziers Chris Harrison (Dean Cain). Sie lässt ihn ein und berichtet von einem versuchten Einbruch in ihr Schlafzimmer, doch tatsächlich ist all das nur eine Art Vorspiel für ihr Rendezvous mit Matt, denn die beiden haben aktuell eine Affäre miteinander. Dummerweise wird der Police Chief gerade im falschen Moment angerufen und muss sich von seiner Geliebten verabschieden, mit der er die Liaison auf den darauffolgenden Abend verschiebt. Am nächsten Tag trifft Matt nicht nur Ann Merai mit Chris in einem Restaurant, wo er seine Feindschaft mit dem Rivalen kurz erneuern kann, sondern auch Alex kommt ins Büro und will den Hausschlüssel von ihm, damit sie ihre restlichen Sachen abholen kann. Indessen scherzt Chae über die 485.000 US-Dollar Drogengeld, die als Beweismittel im Tresor der Polizeistation verwahrt liegen und die nach Urteilsverkündung in einem aktuellen Gerichtsprozess der zuständigen Behörde übergeben werden sollen…
 
”No sign of smoke in their lungs. If they'd been alive when the place went up, their lungs would look like mine.” Der Neo Noir als Popcorn-Kino wäre ungefähr das hier, hätte dieses Beispiel Schule gemacht, was es Gott sei Dank nicht tat. Carl Franklin drehte in den Neunzigern zwei Film-Noir-Thriller, die im Kanon derer von John Dahl, Dennis Hopper und David Lynch durchaus mithalten können. One False Move (USA 1991) und Teufel in Blau (USA 1995) sind Filme, die heute zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten sind. Letzterer präsentierte ebenfalls Denzel Washington in der Hauptrolle und als exzellente Nebendarsteller Don Cheadle und Tom Sizemore. Out of Time - Sein Gegner ist die Zeit ist im gleichen Terrain ein Fehlschlag auf ganzer Linie. Chief Whitlock und Ann Merai Harrison sind völlig ungestört und haben Sex miteinander, aber ohne ein Kleidungsstück dafür auszuziehen. Der Begriff Prüderie ist für diese lächerliche Szene noch geschmeichelt. Ein seit 10 Jahren im Krankenhaus angestellter Arzt überlässt Matt Whitlock, der sich ihm nicht als Polizist zu erkennen gibt, im eigenen Büro seinen vergoldeten Kugelschreiber und bricht die ärztliche Schweigepflicht. Warum...? Aus Angst!? Gerichtsmediziner Chae stellt bei zwei verkohlten, bis aufs Skelett verbrannten Leichen fest, dass sie vor dem Ausbruch des Feuers keinen Rauch in den Lungen gehabt hätten. Matt Whitlock fasst einen Gangster in einem Hotelzimmer und findet unterm Bett einen Geldkoffer, obwohl es widersinnig ist, dass ausgerechnet dieser Kerl das Geld hat. Warum halten sich alle Beteiligten nach ihrem geglückten Coup stets in der Nähe des Tatorts auf, obgleich es dort nichts zu tun gibt, außer der Polizei in die Arme zu laufen… Das sind nur einige Kleinigkeiten in einem Handlungskonstrukt, dessen Planspiel für einen betrügerischen Raub derart unglaubwürdig ist, dass der halbwegs aufmerksame Zuschauer sich nicht mal auf die unfreiwillige Komik des Films einlassen kann.
 
”The biggest plot problem is that (…) the movie shows a lack of respect for the intelligence of its audience,” schrieb James Berardinelli für ReelViews und drückt es damit freundlich aus. Denzel Washington und Eva Mendes kannten sich aus Anthony Fuquas ungleich besserem Training Day (USA 2001) und zeigen - wie auch das Gros der Nebendarsteller - kaum mehr als als jene Abziehbilder von Cops, wie man sie aus TV-Serien kennt. Auch Theo van de Sandes Kameraarbeit, die uns urlaubsgemäße Impressionen aus Florida serviert, verstärkt in Kombination mit Graeme Revells Musik den Eindruck, eine überlange Folge von CSI: Miami (USA 2002-2012) zu sehen. Carl Franklins Film ist genau so banal wie das repititive TV-Futter, das von vornherein nicht im Gedächtnis seiner Zuschauer haften bleiben will, sondern als ein aus den immergleichen Ingredenzien gefertigter Adreanlin-Cocktail zum Feierabend die Schläfrigkeit noch für ein Stündchen vertreiben soll. Gänzlich neben der Spur ist Sanaa Lathan als Femme fatale, von der Roger Ebert absurderweise behauptet, dass sie eine “tricky role“ habe, dabei spielt sie zwei verschiedene Personen, die der Handlungslogik geschuldet scheinen, aber bis zuletzt wie unverbunden bleiben, da die Beziehungen aller Personen zueinander nie präzise klar werden. Der Neo-Noir-Charakter verdankt sich dem Thema der Versuchung, jener Femme fatale und dem moralischen Zwist, doch das Ende ist so kreuzbrav bieder und von plattem Humor, dass zumindest ich froh war, als der Abspann diesen mit der Brechstange konstruierten Unsinn zum Abschluss brachte. Carl Franklin hat seither fast nur mehr für TV-Serien gearbeitet und mich wundert das auch nicht.
 
Sehr gute BD- und DVD-Ausgaben (2004) der Universum Film GmbH, München, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, die deutsche oder englische Tonspur, dazu wahlweise deutsche Untertitel, ohne Extras.
 

Neo Noir | 2003 | USA | Carl Franklin | Denzel Washington | Eva Mendes

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