Mädchen Saphir, Das

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Bewertung
****
Originaltitel
Sapphire
Kategorie
Post Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1959
Darsteller

Nigel Patrick, Yvonne Mitchell, Michael Craig, Paul Massie, Bernard Miles

Regie
Basil Dearden
Farbe
Farbe
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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London: An einem Sonntagmorgen im Herbst findet eine Spaziergängerin mit ihren zwei Kindern in der Parkanlage Hampstead Heath die Leiche von Sapphire Robbins (Yvonne Buckingham). Superintendent Robert Hazard (Nigel Patrick) und Inspektor Philip Learoyd (Michael Craig) lassen sich am Tatort vom Polizeiarzt Burgess (Basil Dignam) auf den neusten Stand bringen. Ein halbes Dutzend Messerstiche ins Herz hätten den sofortigen Tod herbeigeführt… Am Montag wird Patsy (Jocelyn Britton) Studentin der Royal Academy of Music, auf der Treppe von ihrem Komillitonen David Harris (Paul Massie) gerufen. Er möchte wissen, ob sie etwas von Sapphire gehört oder sie gesehen habe, und Patsy beruhigt David. Sie sei bestimmt in Birmingham bei ihrem Bruder (Earl Cameron), den er ja anrufen könne, doch das möchte David nicht. Während Patsy zur Vorlesung geht, macht David einen nach wie vor beunruhigten Eindruck. Er weiß, dass Sapphire ihre geplante Fahrt nach Birmingham am Samstag vielleicht nicht antrat. Mithilfe von Patsy gelingt es Learoyd David Harris aufzuspüren - Sapphire war seiune Verlobte. David ist, der die Leiche identifiziert, indessen Patsy ihren Komillitonen die Nachricht vom Tod ihrer aller Freundin überbringt. Bei seiner Vernehmung sagt David aus, dass er Sapphire am Freitagabend zuletzt gesehen habe, am Samstag in Cambridge gewesen sei. Die Untersuchung von Sapphires Zimmer fördert aus einer verschlossenen Kommodenschublade dann jedoch eine Überraschung zutage…
 
“This girl was killed in hate, not fear“, schlussfolgert Superintendent Robert Hazard schon frühzeitig im Film. Und genau darum geht es im Folgenden, obgleich die beiden Polizisten eine lange Zeit benötigen, um den Grund für diesen gnadenlosen Hass festzustellen. Rassismus hat im Film Noir eine signifikante Tradition, etwa in Edward Dmytryks Kreuzverhör (USA 1947), wo Antisemitismus im Mittelpunkt stand, oder in Joseph L. Mankiewicz’ Der Hass ist blind (USA 1950) und in Leo C. Popkins und Russell Rouses Stadt in Aufruhr (USA 1951), zwei Werke über das Verhältnis der weißen und der schwarzen Bevölkerung der USA, die es knapp vor dem Höhepunkt der McCarthy-Ära noch ins Kino schafften. Basil Dearden hatte in seinem exzellenten Film Noir Unterwelt (UK 1951) bereits die Konnotationen rassistisch motivierter Resentiments in der englischen Gesellschaft thematisiert, schon damals mit Earl Cameron in einer Hauptrolle. Er ist es, der Sapphires Bruder spielt, den in Birmingham lebenden Dr. Robbins, der zu aller Erstaunen eindeutig dunkelhäutig ist, was man der Ermordeten zuvor nicht angfesehen hatte. Dadurch wird die Quelle des Hasses erstmalig geortet, wenngleich längst nicht ermessen, was zu guter Letzt den Reiz und das Unheimliche in diesem hervorragenden Thriller Basil Deardens nach einem Drehbuch Janet Greens ausmacht.
 
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“Content aside, Sapphire is also a great example of infusing color into the film noir genre”, schreibt Doug Bonner in seiner fundierten Filmrezension für Boiling Sand. Tatsächlich kriecht nach dem konventionellen Beginn eines Krimis, Fund einer Leiche im Park, die Dunkelheit aus allen Ritzen der sich im Handlungsverlauf häufenden Hinterzimmer voller Rollencharaktere, die mehr zu verbergen haben, als ihre familiären Wurzeln und die Farbe ihrer Haut. Spannend sind dabei vor allem die subtilen Töne, die das Drehbuch hergibt, und die sich auch im Verhältnis von Hazard und Learoyd spiegeln, insofern der junge Inspektor von einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe infiziert scheint. Nigel Patrick, Michael Craig und Yvonne Mitchell zeigen couragiertes und hochwertiges Schauspiel in einem Film, der mitunter ein wenig betulich daherkommt, doch im letzten Drittel auf überzeugende Weise hält, was er zuvor versprach. Der englische Film Noir – wie überhaupt der englische Film jener Zeit – ist in Deutschland nur wenig bekannt. Dieser Thriller Basil Deardens beweist einmal mehr, wie sehr zu Unrecht. Das Mädchen Saphir wurde 1959 von der British Academy of Film and Television Arts (BAFTA) in drei Kategorien für ihren Filmpreis nominiert, darunter Janet Green für das Beste Drehbuch und Yvonne Mitchell für die Beste Nebendarstellerin. Das Werk gewann jedoch in der Kategorie Bester Film, eine für seine Zeit sehr erfreuliche Entscheidung: “We didn't solve anything, Phil. We just picked up the pieces.“
 
Bildtechnisch gute englische DVD-Edition der Strawberry Media (2011) mit dem Film ungekürzt und mit englischem Originalton. Leider fällt sie dadurch negativ auffällt, dass sie den Film allen Ernstes im falschen Format (Vollbild 4:3) bietet und nicht im original Widescreen 1.66:1. In den USA ist der Film im Rahmen einer 4DVD-Box der Criterion Collection namens Eclipse Series 25: Basil Dearden’s London Underground (2012) erschienen und nur hier im korrekten Bildformat.
 

Post Noir | 1959 | UK | Basil Dearden | Janet Green | Harry Waxman | Michael Craig | Nigel Patrick | Yvonne Mitchell

Submitted by Tonio (nicht überprüft) on 22. Februar 2018 - 18:46

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Hi, ich stimme zu, außer dass ich den Film von Anfang an nicht betulich fand. Herzlichen Dank auch für den Format-Hinweis, den ich dummerweise nicht zuvor gelesen hatte. Ich bin da ziemlich penibel und finde, man kann es auch sehen oder zumindest ahnen, es ist nicht so krass wie in schlimmsten VHS-Zeiten, in denen manchmal selbst 1:2,35 in 4:3 vermurkst wurde. Ein paar abgeschnittene Personen am Rand fallen dennoch auf. Ergänzend zu dem Lob ist mir noch positiv aufgefallen, dass es hier im Grunde niemanden mit einer, pardon, weißen Weste gibt, auch nicht die Cops, nicht mal der Superintendent, und auch farbigen Rassismus gibt es. Beeindruckend vielschichtig! Zudem ist der Konflikt, seine Herkunft zu verleugnen, in so großertigen Nicht-Noirs wie "Pinky" (1949) und beiden "Imitation of Life"-Verfilmungen (1934 und 1959) thematisiert. Als großer Douglas-Sirk-Fan hatte ich immer die Vorstellung, dass Sapphire vielleicht ein Leben wie die Susan-Kohner-Figur Sarah Jane hatte, in meinem Kopf ist eine Kombination von "Sapphire" und "Imitation of Life" entstanden. Zwei großartige Filme, die es sich beide nicht so einfach machen wie z.B. der gute, aber oft ein wenig zu pädagogische Stanley Kramer, gegen dessen "Rat mal, wer zum Essen kommt" (1967) ich bei Anerkennung der ehrenwerten Absicht doch gewisse Vorbehalte habe. Gruß, Tonio

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