Please Murder Me!

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Bewertung
***
Originaltitel
Please Murder Me!
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1956
Darsteller

Angela Lansbury, Raymond Burr, Dick Foran, John Dehner, Lamont Johnson

Regie
Peter Godfrey
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Der Rechtsanwalt Craig Carlson (Raymond Burr) geht heute Abend zu Fuß den Boulevard hinab und sucht eine Pfandleihe auf, wo er sich aus dem Schaufenster einen Revolver geben lässt. Er winkt ein Taxi herbei, setzt sich auf die Rückbank und lädt Patronen in die Trommel des Revolvers. Kurz darauf betritt er sein Büro in einem zu später Stunde leerstehenden Bürogebäude der Innenstadt. Er nimmt eine mit einer Kordel verschnürte Mappe und den Revolver und legt beides in die obere Schublade seines Schreibtischs. Sodann startet er das in einer anderen Lade installierte Tonbandgerät, nimmt ein Mikrofon zur Hand und beginnt eine an den Staatsanwalt Ray Willis (John Dehner) adressierte Botschaft aufzusprechen: “In exactly 45 minutes I will be dead, murdered…“ Während des Zweiten Weltkriegs war Carlson ein Captain der Marineinfanterie auf dem Kriegsschauplatz in Fernost und Joe Leeds (Dick Foran), inzwischen ein wohlhabender Geschäftsmann, war sein Sergeant. Auch nach dem Krieg blieben die beiden eng verbunden, bis Carlson seinen besten Freund vor sechs Monaten zu sich bestellte, um ihm ein Geständnis zu machen. Craig Carlson und Joe Leeds Frau Myra (Angela Lansbury) hatten ein Verhältnis und beabsichtigten zu heiraten. Leeds war am Boden zerstört, doch Myra gab dem von Gewissenbissen und Zweifeln Craig zu verstehen, dass ihre Liebe nicht falsch sein könne, hätten sie doch anfangs alles versucht, um sie zu ignorieren. Eines Abends, als ein Gewitter über der Stadt heraufzog, bemerkte auch Joes Partner Lou Kazarian (Robert Griffin), dass mit seinem Kompagnon etwas nicht stimmt…
 
“As a “typical” film noir, it is hard to summarize the plot without giving too much away”, heißt es bei Talking Classics und das ist hier sicher der Fall. So brachte schon die Werbekampagne seinerzeit den Film zu Fall, indem sie nämlich den Clou der Geschichte vorab preisgab und potentielle Kinozuschauer um den stärksten Anreiz brachte, sich das Werk anzusehen, nämlich sein Moment der Überraschung. Raymond Burr spielt einen Rechtsanwalt, was er von 1957 bis 1966 in 271 Folgen der Fernsehserie Perry Mason als deren Hauptdarsteller auch weiterhin tat. In der US-amerikanischen Rezeption ist man von diesem praktisch vergessenen, späten Film Noir überaus angetan und lobt die darstellerische Leistung Burrs, der seit 1946 in vielen Film Noirs als Schurke geglänzt hatte, besonders in Anthony Manns Flucht ohne Ausweg (USA 1948) und in Fritz Langs Gardenia - Eine Frau will vergessen (USA 1953). Aber sowohl sein Spiel als auch sein Rollencharakter sind bloß durchschnittlich. Das Gleiche gilt für ein Drehbuch, dessen erster Teil in aufdringlicher Weise an Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944) erinnert und dessen ach so originelle Pointe vom halbwegs aufmerksamen Zuschauer lange vorher gewittert werden kann. Angela Lansbury ist eine zuverlässig gute Akteurin, gerade in solch schillernden Rollen wie derjenigen der Myra Leeds. Ansonsten gibt es eine Riege solider Nebendarsteller, die allesamt so unspezifisch agieren, wie ihre Charaktere seitens der Autoren angelegt sind.
 
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Selbst die Regie Peter Godfreys (The Two Mrs. Carrolls, USA 1947), der seit 1952 nur noch fürs Fernsehen arbeitete, ist in seinem letzten Kinofilm eine solche ohne Handschrift, und das gilt ebenso für die Kameraarbeit Alan Stensvolds (Chandler, USA 1971). Es ist die eherne Solidität der Unterhaltungsbranche Hollywoods als solche, die diesen x-beliebigen Thriller fürs Nachtprogramm auf die Schiene brachte, so wie Tausende anderer. Und es war die zunehmende Standardisierung, solches Schema F, dem sich Autoren und Regisseure im Dutzend unterzuordnen hatten, was unter anderem den Wärmetod der Branche mit einläutete. Im Jahr 1956 schufen in den USA Stanley Kubrick Die Rechnung ging nicht auf / Killing, Don Siegel Die Dämonischen und Alfred Hitchcock Der falsche Mann. Von diesen richtungweisenden Werken ist Please Murder Me! Lichtjahre entfernt, da schon in seinem Ursprung kein Funke eines Anspruchs auf Originalität beinhaltet liegt. Dies ist sicher kein schrecklicher Film, er unterhält mit einer klassischen Dramaturgie und einem konsequenten Schlussteil. Als Film-Noir-Freund sollte man sich nach Lektüre der US-Kritiken jedoch vor der Erwartung schützen, hier gäbe es so etwas wie einen „verlorenen“ Klassiker zu entdecken. Please Murder Me! lief in Deutschland weder im Kino noch im Fernsehen, und wer ihn hierzulande trotzdem gesehen hat, versteht warum.
 
Please Murder Me! ist ein Film der Public Domain; er ist in diversen DVD-Editionen erhältlich, zumeist in bescheidener Bildqualität mit einer ebenfalls lausigen Original-Tonspur, aber auf jeden Fall ungekürzt und im Originalformat.
 

Film Noir | 1956 | USA | Peter Godfrey | Raymond Burr | Angela Lansbury

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