Only God Forgives

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Bewertung
****
Originaltitel
Only God Forgives
Kategorie
Neo Noir
Land
DNK/FRA/THA/USA/SWE
Erscheinungsjahr
2013
Darsteller

Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, Gordon Brown, Yayaying Rhatha Phongam

Regie
Nicolas Winding Refn
Farbe
Farbe
Laufzeit
86 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Bangkok, Thailand: Die aus den USA ausgewanderten Brüder Billy (Tom Burke) und Julian (Ryan Gosling) sind Inhaber einer Muay-Thai-Boxarena, deren Preiskämpfe die Fassade für ein einträglicheres Geschäftsmodell liefern - Rauschgifthandel. Dabei sind ihnen ihre rechte Hand Gordon (Gordon Brown) und der junge Daeng (Charlie Ruedpokanon) behilflich, die hausintern für reibungslose Abläufe sorgen. Nachdem ein junger Boxer sich im Kampf bewährt hat, verabschiedet sich Billy mit den Worten “Time to meet the devil.“ von seinem Bruder und begibt sich in ein Bordell. Dort fragt er den Kellner, ob er auch Mädchen im Angebot habe, denn er wolle Sex mit einer 14jährigen. Aber jener wiegelt ab und möchte den Gast loswerden, der ihn mit einer Flasche niederschlägt und sogar gegenüber den Huren gewalttätig wird. Wieder auf der Straße wird Billy vor dem Eingang eines anderen Hauses schließlich fündig… Spät am Abend löscht Julian in der Arena das Licht. Aus einer Gasse tretend begibt sich der ehemalige Polizist Chang (Vithaya Pansringarm) in ein Bordell, darin ein junges Mädchen auf bestialische Weise ermordet wurde. Im Zimmer findet er ihren Mörder, Billy, und ein Polizist bringt den Vater des Opfers herein. Chang will wissen, wie er das habe geschehen lassen können, aber der Vater entgegnet, dass er nichts getan habe. Da gibt ihm Chang zu verstehen, dass er jetzt dafür die Gelegengheit bekäme. Er solle tun, was er tun wolle. Und ein Polizist schließt hinter ihm und Billy die Gittertür…
 
„Only God Forgives darf als moderner Versuch des Noir-Films verstanden werden – in Ästhetik wie Inhalt“, heißt es bei Zurückgespult. Das ist zutreffend, vor allem mit Blick auf den Protagonisten Julian, der in vieler Hinsicht ein Film-Noir-Charakter par excellence ist und in Only God Forgives entsprechend seinem Schicksal begegnet. Auch Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) ist als abgründige Femme fatale und kriminelle Instanz hinter ihren Söhnen ein Typus solchen Universums, womit sie als traditionelle, geradezu archetypische Gestalten dieses Dramas gekennzeichnet sind, beide keineswegs modern. Am allerwenigsten modern ist Chang, der ehemalige Cop, den uns der Autor und Regisseur Nicolas Winding Refn als über dem Gesetz stehenden Richter und Henker mit gottgegebenen Befugnissen präsentiert, der rechte Arm des Schicksals in Person. Er ergänzt ein Ensemble, das aus einer Tragödie der griechischen Antike oder einem Bühnenstück Shakespeares hätte entsprungen sein können. Alle zentralen Themen und ihre Darstellung drehten sich in Tragödien der Antike schon immer um ausweglose und meist durch ein Zutun der Götterwelt vorherbestimmte Situationen, darin jedes Handeln zu einer tieferen Verstrickung und zu vermehrter Schuld führen muss. Eine Lösung im Guten ist unter keinen Umständen möglich und hierin liegt der Wesenskern dessen, was wir heute unter dem Begriff der Tragik verstehen. Allein dadurch ist auch dieser Neo Noir formal und inhaltlich definiert. Seine Modernität - die Kameraarbeit von Larry Smith, der elektronische Score von Cliff Martinez, der dezidierte Rhythmus seines Schnitts - verleiht dem Werk des Populärkinos eine Oberfläche, dahinter sich verbirgt, was man gemeinhin nicht (mehr) erwartet.
 
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© Sunfilm Entertainment GmbH
 
Deshalb polarisiert Only God Forgives - eine klassische Erzählung, die einzig und allein die Geschichte ihrer Charaktere im Fokus hat. Im Anschluss an seinen Welterfolg, dem an Walter Hills Driver (USA/UK 1978) orientierten Neo Noir Drive (USA 2011) nach einem Roman von James Sallis hat Nicolas Winding Refn einen deutlich anderen Film gedreht, der durch den Schauspieler Ryan Gosling und ggf. Filmkomponist Cliff Martinez falsche Erwartungen weckte. Auch Drive war seinerzeit ein Film, den das Mainstream-Publikum zu Teilen nicht mochte. Letzteres geht ins Kino, um sich dank computergenerierter 3D-Welten in eine visuelle Achterbahn zu begeben, welche ihm die Sinne restlos betäubt. Für ein solches Publikum hat ein Spielfilm mit einer Geschichte wenig zu tun, ihm geht es allein um den Kick. Von der Warte einer solchen Haltung ist Only God Forgives, der im Abspann eine Widmung an den Regie-Avantgardisten Alejandro Jodorowsky beinhaltet, so weit entfernt, wie es im Neo Noir dieser Tage wohl geht. Der Film bietet keinen Helden als Identifikationsfigur an. Seine Figuren sind vielmehr korrupt und moralisch völlig indifferent. Die Gewalt ist hart, mitunter wahllos und verstörend brutal. Persönlich hat mich der sichtbar europäische Only God Forgives zwar auch an David Lynch erinnert, der in Rezensionen gern mal genannt wird, zugleich kam mir Stanley Kubricks 2001: Eine Odyssee im Weltraum (USA/UK 1968) in den Sinn. Besonders die Montage der Visionen Julians in der ersten Hälfte des Films scheint davon beeinflusst. Nicholas Winding Refn beweist mit diesem eigenwilligen Stück Erzählkino, dass er ein an einem Gesamtwerk feilender Autorenfilmer ist. Only God Forgives ist keine leichte Kost und nicht zuletzt deshalb sehenswert.
 
Erstklassige BD- und DVD-Edition (2013) der Sunfilm Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise mit in Englisch/Thai gehaltenem Originalton oder der deutschen Tonspur, optional deutsche Untertitel. Warum der teils extrem harte Only God Forgives im Vergleich mit FSK-18-Werken wie Headshot (THAI/FRA 2011) oder Viva Riva - Zuviel ist nie genug (COD/FRA/BEL 2010) eine FSK-16-Einstufung erhielt, ist mir schleierhaft.
 

Neo Noir | 2013 | International | Nicolas Winding Refn | Tom Burke | Ryan Gosling | Kristin Scott Thomas

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