Running Time

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Bewertung
***
Originaltitel
Running Time
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

Bruce Campbell, Jeremy Roberts, Anita Barone, William Stanford Davis, Gordon Jennison Noice

Regie
Josh Becker
Farbe
s/w
Laufzeit
65 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Los Angeles: Der Sträfling Carl Matushka (Bruce Campbell) kommt nach fünf Jahren in Haft wieder auf freien Fuß. Zuvor hat er ein Gespräch mit dem Anstaltsleiter (Art LaFleur), dem er erklärt, dass eine Reinigungsfirma eröffnen will. Im Gefängnis hat Carl in der Reinigung gearbeitet und sich das nötige Know-how antrainiert. Auf dem Weg zum Tor macht der Wärter (Curtis Taylor) keinen Hehl aus seiner Abneigung und seinem Misstrauen gegenüber Carl, was dieser sofort erwidert. Endlich draußen begrüßt ihn sein Kumpan Patrick (Jeremy Roberts), der mit einem zum Wohnmobil umgebauten Kastenwagen gekommen ist, um den Freund abzuholen. Carl hat für einen Raub im Gefängnis gesessen, an dem auch Patrick beteiligt war, und jener ist ihm zu Dank verpflichtet, denn Carl hat Patrick nicht verpfiffen. Im Auto erkundigt sich Carl, ob alles vorbereitet sei und Patrick überreicht ihm eine Pistole und informiert ihn, dass er einen anderen Fahrer hat anstellen müssen. Doch jetzt erwartet Carl in Gestalt der Hure Randy (Anita Barone) auf der Matratze im hinteren Wagenteil erstmal der bestellte Vorgeschmack seiner Freiheit. Mit ihr schiebt er auf der Stelle eine Nummer, während Patrick sich auf den Weg begibt, um weitere Mittäter abzuholen. Indessen erkennt Carl in der Prostituierten seine ehemalige Schulfreundin Janie, mit der er seinerzeit sogar kurzfristig liiert war. Nachdem Carl und Patrick Janie abgesetzt haben, machen sie sich daran, Donny (Gordon Jennison Noice) und Buzz (William Stanford Davis) aufzulesen. Carl hat keineswegs vor, sich einer ehrlichen Arbeit zu widmen. Stattdessen will er die Schwarzgeldkasse des Gefängnisdirektors plündern…
 
Der Reiz von Josh Beckers Independentfilms liegt nicht in der Handlung, die kaum originell sondern bewusst klischeehaft angelegt ist - mit einigen ironischen Spitzen, die es in sich haben. Nein, der Reiz liegt vielmehr in der Machart, denn Running Time macht seinen Titel zum Programm und gibt sich als zu 100% in Realzeit und ohne Schnitte gefilmt aus. Das ist natürlich eine Illusion, denn insgesamt verbergen sich in den 65 Minuten etwa 30 unsichtbare Schnitte. Die Drehzeit betrug dennoch lediglich 10 Tage und gefilmt wurde in chronologischer Abfolge der Geschehnisse. Dieses Konzept ist überraschend effektiv und trotz der Low-Budget-Produktion, die Running Time definitiv ist, vermittelt sowohl das kompetente Schauspiel aller Beteiligten als auch die Dynamik der fast ununterbrochen in Bewegung befindlichen Kamera den Anstrich professionellen Filmschaffens. Das Schöne daran ist auch, dass Running Time auf viele Klischees, die noch für unaufwendige Hollywoodfilme typisch sind, entspannt zu verzichten weiß. Er ist unabhängig vom Mainstream und dessen kommerziellem Kalkül. Zugleich erinnert der in Schwarzweiß gedrehte Neo Noir mitunter an Klassiker, nicht nur weil er wie Alfred Hitchcocks Cocktail für eine Leiche (USA 1948), von dem sich Josh Becker inspirieren ließ, den Anschein erweckt, er sei in einem Take gedreht worden. Auch die Beziehung der drei zentralen Charaktere erweist sich im letzten Drittel als interessanter als der Raubüberfall, dessen bestes Moment sein Zeitpunkt ist, nämlich unmittelbar im Anschluss an Carl Matushkas Entlassung.
 
So hätte Running Time das Zeug zu einem Off-Beat-Klassiker der Neunziger, als das kommerzielle Neo-Noir-Kino von John Dahls Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989) bis zu Curt Hansons L.A. Confidential (USA 1997) zu den Standards monatlicher Neuerscheinungen des örtlichen Kinoprogramms gehörte. Doch dann kommt das Finale, das keines ist, und macht die Versprechungen des rasanten Films mit einem Schlag zunichte. Ganz und gar konventionell lässt Josh Becker sein Werk mit einem versöhnlichen Klang entschlafen und straft den an Originalschauplätzen mit der Handkamera eingefangenen „Realismus“ Lügen. Warum nur? So schwer wäre es im Rückgriff auf das klassische Film-Noir-Kino nicht gewesen, einen konsequenten und somit auf jeden Fall akzeptablen Schlusspunkt zu setzen. Stattdessen schraubt sich der Abschluss ins Klischeehafte, dem er eh viele Zutaten seiner im Ganzen ungewöhnlichen Rezeptur verdankt, und das stößt dem Zuschauer trotz allen Wohlwollens sauer auf. Wer sieht sich Running Time an, um zuletzt eine Romanze auf dem Niveau eines Goldie-Hawn-Films serviert zu bekommen, derweil die übrigen Handlungsfäden einfach fallen gelassen werden? Running Time ist ein ungewöhnliches Filmerleben, das in Anbetracht der über weite Strecken brillant genutzten Ressourcen aus seinem Material viel mehr hätte herausholen können. Schade drum.
 
Erstklassige DVD-Ausgabe (2010) von Screen Power Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutsche oder englische Tonspur ohne Untertitel, den Kinotrailer, Bildergalerien und Filmografien als Extras.
 

Neo Noir | 1997 | USA | Josh Becker | Bruce Campbell

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