Straße ohne Wiederkehr

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Bewertung
**
Originaltitel
Street Of No Return
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/POR
Erscheinungsjahr
1989
Darsteller

Keith Carradine, Valentina Vargas, Bill Duke, Andréa Ferréol, Bernard Fresson

Regie
Samuel Fuller
Farbe
Farbe
Laufzeit
92 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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In einer südeuropäischen Metropole kommt es zwischen zwei verfeindeten Jugendbanden, die jeweils weiß- und schwarzhäutig sind, zu einer wilden und harten Prügelei. Zwei Obdachlose (Gordon Heath, Joe Abdo), die in einer Toreinfahrt ihr Nachtlager aufgeschlagen haben, kommentieren die Sinnlosigkeit des Vorgangs, der durch das Eingreifen der Polizei und das Eintreffen der Ambulanz beendet wird. Ein dritter (Keith Carradine) überquert nach dem Abzug aller die Straße und betritt eine verwüstete Getränkehandlung für Alkohol in der Hoffnung, dort noch eine einzige unversehrt gebliebene Flasche zu finden. Gerade als er versucht, eine ganz oben in einem Regal noch erhalten gebliebene Flasche Whisky zu erreichen, geht vor dem Schaufenster eine Frau (Rebecca Potok) im schwarzen Lackmantel vorüber und zündet sich einen Zigarillo an. Der Penner, der sie schon früher sah, erkennt die Frau und folgt ihr. Sie aber bemerkt es und stellt ihn zur Rede. Mit einer Pistole schlägt sie ihm ins Gesicht, bevor sie in der Dunkelheit einer Gasse verschwindet. Aber so leicht lässt er sich nicht abschütteln und geht ihr bis zu einem abgezäunten, von Schäferhunden bewachten Palais inmitten der Stadt nach. Als die Hunde anschlagen, versteckt er sich hinter einer Palette von Kartons und beobachtet, wie die Bewohner herauskommen und die Tiere zu beruhigen versuchen. Als er neben Eddie (Marc de Jonge) auch Celia (Valeria Vargas) erkennt, blitzt die Erinnerung auf, wie er seinerzeit mit der Sippschaft in Kontakt geriet…
 
„Filled to capacity with classic film noir motifs and stereotypes and an array of familiar Fuller themes (…) Street of No Return plays (even more so in retrospect) as a conscious summing up, the end of the line for both a genre (...) and of a near-lifetime of pulp storytelling”, resümiert Samuel-Fuller-Biograf Lee Server im Booklet der DVD von Fantoma Films (2002). Es wäre schön, trifft aber nicht zu. Straße ohne Wiederkehr ist eine der größten Enttäuschungen, die ich im Segment Film Noir je zu verdauen hatte. David Goodis‘ gleichnamige Romanvorlage (EA 1954) wird durch Jacques Brals und Samuel Fullers Drehbuch sowie dank Schauspielkunst und Dramaturgie zu einer geradezu lächerlichen Pulp-Operette. Die Geschichte des Popstars Michael (Keith Carradine), der einer Femme fatale verfällt und sich dadurch zugrunde richtet, erscheint als peinlich banale Fantasie eines Pubertierenden - von der Inszenierung eines Musikvideos und einer Konzertsequenz über die Nacktszenen bis zum grotesk theatralischen Finale und Abschluss. Wenn obendrein der im Ensemble an dritter Stelle Genannte, in diesem Fall Bill Duke, seine Kollegen und Kolleginnen mühelos an die Wand spielt, ist allemal etwas faul. Die Leistungen vieler Darsteller/innen rangieren auf C-Niveau; Carradine und Vargas geben zusammen eine Vorstellung, als spielten sie in einem Erotikfilm David Hamiltons. Komplementär dazu gibt es eine Dramaturgie, die holpert und stolpert, sowie eine Inszenierung, die mehrfach die Grenze zur Selbstparodie übertritt. Wo bitte ist der Regisseur von Polizei greift ein / Lange Finger - Harte Fäuste (USA 1953) oder Schock-Korridor (USA 1963)? Wo ist in diesem, seinem letzten Film Samuel Fuller?
 
Straße ohne Wiederkehr ist sicher kein Alptraum fürs Auge, Kameramann Pierre-William Glenn sorgt zu Teilen für gute Film-Noir-Atmosphäre, doch er ist ein Alptraum fürs Ohr. Die von Keith Carradine gesungenen und zusammen mit Samuel Fuller und Karl-Heinz Schafer komponierten Songs des Popsängers Michael sind ein Aufguss zeitgenössischer Schnulzen und klingen 25 Jahre nach Erscheinen dieses Films völlig anachronistisch. Dazu kommt ein ebenso billig synthetischer wie zuckriger Klangteppich, der den Film pausenlos „untermalt“ – nach dreißig Minuten hofft man inständig, die Musik möge endlich aufhören. Mitunter erkennt der Cineast die Handschrift Fullers in der exquisiten Wahl einiger Schauplätze (im oder am Wasser) in Lissabon oder in den für ihn typischen Schnittfolgen und Kameraperspektiven – doch das reißt es nicht raus. Die Rollencharaktere bleiben unsäglich flach und klischeebeladen, das Gut-Böse-Szenario mit seinem latent politischen Hintergrund ist naiv und das Action-Finale ist eins aus der Schublade, über jedes Maß hinaus hanebüchen. Und so sehr es den langjährigen Samuel-Fuller-Fan auch ärgert, so eindeutig ist Straße ohne Wiederkehr im Ganzen eben keine ausgefuchste B-Produktion mit Trash-Appeal sondern einfach Schrott. Aus dem Grund sollte sich der Film-Noir-Freund dieses Zeugnis eines Niedergangs von vornherein ersparen. Bitter, aber nicht zu ändern.
 
Exzellente DVD-Edition (2002) von Fantoma Films mit dem Film bildtechnisch topp und ungekürzt im Originalformat, die original englische Tonspur ohne Untertitel, den Kinotrailer und einen Audiokommentar Keith Carradines, ein 33minütiges Making of, den Kinotrailer und den Soundtrack sowie ein sechsseitiges Booklet mit einem Essay von Lee Server als Extras.
 

Neo Noir | 1989 | International | Samuel Fuller | David Goodis | Samuel Fuller | Bernard Fresson | Bill Duke | Keith Carradine | Samuel Fuller

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