Gunshy - Aus Leidenschaft zum Mörder

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Bewertung
***
Originaltitel
Gunshy
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

William Petersen, Michael Wincott, Diane Lane, Kevin Gage, Michael Byrne

Regie
Jeff Celentano
Farbe
Farbe
Laufzeit
111 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Splendid Film GmbH
 
New York: Journalist Jake Bridges (William Petersen) war früher ein angesehener Autor seines Blattes. Doch inzwischen taumelt er in eine Midlife-Krise, wo ihm das Gespür für gute Stoffe und für sonst jedes Ziel Leben abhanden kommt. Als Chefredakteur Jerry (J. Lee Ermey) ihn feuert, rät er dem Mann zum Abschied, als Zeitungsverkäufer anzuheuern, dann könne er auch in Zukunft Neuigkeiten unter die Leute bringen. Und als Bridges an diesem Vormittag seine Freundin Tina (Jodi Verdu) mit ihrem Liebhaber (Christopher Wiehl) in flagranti ertappt, packt er kurzentschlossen seine Koffer und fährt nach Atlantic City. Hier mietet er sich im Hotel Kingston ein billiges Zimmer und säuft sich durch die Bars – ohne ein Ziel und ohne Ambitionen. Während er eines Nachts in der Porthole Tavern am Tresen hockt, sitzt dort Lew Collins (Meat Loaf) und benimmt sich gegenüber seiner Begleiterin Betty (Jennie Vaughn) und gegenüber dem Barkeeper (Michael L. Kavanagh) äußerst rüde. Bridges hat bereits einiges intus und fordert den aggressiven Collins heraus, der sich den ex-Journalisten kurzerhand packt und auf regennassem Asphalt zusammenschlägt. Unerwartet kommt ein anderer Gast aus der Bar, Frankie McGregor (Michael Wincott), der nur zu dem Zweck dort weilte, um Collins um einige Tausend Dollar Schulden zu erleichtern, die jener bei dem irischen Mobster Lange (Michael Byrne) hat. Nachdem Lew Collins sein Fett weg hat, nimmt Frankie McGregor den übel zugerichteten Jake Bridges mit nach Hause, wo sich seine Freundin Melissa (Diane Lane) um den Verletzten bemüht…
 
„A man once told me that the only thing you really own is a piece of ground the size of your shoes.” Es gibt die Kategorie B-Filme, von denen Cineasten gern sagen, sie sähen nach mehr als ihrem begrenzten Budget aus. Dieses Mehr bezeichnet das Maß an Leidenschaft und Können der Akteure vor und hinter der Kamera, das im Werk zum Tragen kommt, und insofern hat der Hinweis seine Berechtigung. Gunshy - Aus Leidenschaft zum Mörder ist genau so eine B-Produktion der 90er, die kaum überhaupt im Kino oder auf Festivals zu sehen war, um sodann ihre Kosten auf dem Videomarkt einzuspielen. Doch der Gebrauch, den Regie und Kamera von den Schauplätzen in Atlantic City machen, sowie die Riege der (Haupt-)Darsteller lassen den Film hervor stechen. Michael Wincott ist wie Michael Rooker in Browns Requiem (USA 1998) ausnahmsweise in einer Hauptrolle zu sehen und erweist sich als wunderbar versierter Schauspieler. William Petersen war nach Michael Manns Blutmond (USA 1986) ausgesprochen glücklos und Diane Lane war 15 Jahre nach Rumble Fish (USA 1983) und Cotton Club (USA 1984) auch kein großer Name mehr. Demgegenüber trumpfen sie allesamt auf und werden durch Michael Byrne als ebenso familientreuem wie gefährlich sadistischem Mobster und durch einen exzellenten Kevin Gage perfekt ergänzt. Vor allen anderen ist Jake Bridges eine Film-Noir-Figur wie aus den Vierzigern. Orientierungslos trudelt er aus seinem bürgerlichen Leben in die Niederungen der Gegenwelt - eine Mischung aus Don Birman (Ray Milland) in Billy Wilders Das verlorene Wochenende (USA 1945), Jeff Malcolm (Robert Mitchum) in Goldenes Gift (USA 1947) und Charlie Norman (Mark Stevens) in Auf den Schienen zur Hölle (USA 1956). Bridges Selbsthass und seine Weltverachtung werden erst durch die Begegnung mit seiner Schiksalsfrau in ihrer fatalen Dynamik gebremst, doch für eine Kehrtwende ist es längst zu spät.
 
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© Splendid Film GmbH
 
Der auf seine Charaktere fokussierte Film erzählt die Geschichte einer ungleichen Freundschaft und einer aussichtslosen Liebe. Jeff Celentanos Drehbuch hat Potential und kann es leider nicht umsetzen. Gerade mal auf halber Strecke wirkt die Beziehung zwischen Bridges und McGregor bei weitem zu konstruiert, erweisen sich die Anstrengungen des Gangsters, den Intellektuellen aus New York zum Freund zu gewinnen als viel zu aufdringlich, als dass es glaubwürdig wirkte. Warum interessiert sich jener für Literatur, so dass er sich den versoffenen ex-Journalisten auf Gedeih und Verderb zum Lehrmeister aussucht? Wie soll der Zuschauer glauben, dass Frankie ein Gespür für Menschen und Beziehungen zeigt, aber seine Freundin Melissa dem keinesfalls freundlichen Jake auf dem Präsentierteller anbietet? All das überzeugt nicht in einem Film, der als Neo Noir einen konsequenten Abschluss bietet und wegen der wirklich hervorragenden Leistungen der drei Hauptdarsteller trotz alledem (knapp) sehenswert bleibt. Allemal gibt es um Längen Besseres aus dieser Zeit.
 
Gute DVD-Ausgabe (1999) der Splendid Film GmbH mit dem Film ungekürzt – 97 Minuten ist richtig, die Angabe von 111 Minuten auf dem Cover falsch! - inklusive der deutschen und englischen Tonspur, jedoch (wie weltweit alle anderen DVD-Editionen) im falschen Bildformat (4:3) und nicht in Widescreen, eine wegen des alten Fernsehformats früher gängige Praxis.
 

Neo Noir | 1998 | USA | Jeff Celentano | Michael Wincott | William Petersen | Diane Lane

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