Schlusslichter - Feux rouges

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Bewertung
****
Originaltitel
Feux rouges
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA
Erscheinungsjahr
2004
Darsteller

Jean-Pierre Daroussin, Carole Bouquet, Vincent Deniard, Charline Paul, Jean-Pierre Gos

Regie
Cédric Kahn
Farbe
Farbe
Laufzeit
100 min
Bildformat
Widescreen
 

 

BildBildBild
 
Paris: Antoine Dunan (Jean-Pierre Daroussin), seines Zeichens Angestellter einer Versicherung, hat seinen letzten Arbeitstag vor den Sommerferien. Ein Kollege möchte ihn nach Feierabend noch einladen, doch Antoine und seine Frau Hélène (Carole Bouquet) sind für 17:00 Uhr in einem Bistro verabredet, um gemeinsan Richtung Bordeaux zu fahren und ihre beiden Kinder, einen zehnjährigen Sohn und eine achtjährige Tochter, dort aus dem Sommercamp abzuholen. Antoine ist als erster vor Ort und bestellt ein Bier, während er auf seine Frau wartet. In den Fernsehnachrichten warnt der Moderator (Damien Givelet) die Urlauber vor den anstehenden Staus und der zu erwartenden Zahl der Autounfälle. Um 17.15 Uhr ruft Antoine Hélène an, um sich zu erkundigen, wo sie bleibe, doch die erfolgreiche Anwältin einer noblen Kanzlei ist noch beschäftigt. Antoine trinkt in der Hitze des Nachmittags ein zweites Bier, schließlich ein drittes, als seine Frau eintrifft und die beiden nochmals nach Hause eilen. Hélène möchte duschen, muss noch packen, und Antoine macht sich auf den Weg, um Zigaretten zu holen und das Auto zu betanken. Tatsächlich läuft er zunächst in eine Bar und trinkt einen doppelten Whisky. Als sie endlich unterwegs sind, ist das Vorankommen auf den Straßen mühsam. Antoine nimmt Umwege in Kauf, mit denen seine Frau nicht einverstanden ist. Die beiden streiten sich und Antoine fährt unter einem Vorwand zu einer Raststätte und trinkt einen nächsten Whiisky. Wieder im Auto hören er und Hélène, wie im Rundfunk vom Ausbruch eines Häftlings (Vincent Deniard) berichtet wird, der hochgradig gefährlich sein soll…
 
Ein wunderbarer Thriller nach einem erstklassigen Roman Georges Simenons, genau das ist dieser Film von Cédric Kahn, der dennoch nicht das Meisterwerk wurde, das er hätte sein können. Jean-Pierre Daroussin ist großartig als Versicherungsangestellter in einer Lebenskrise, bei der unterm Einfluss der Sommerhitze und des Alkohols sein lange gewachsener Minderwertigkeitskomplex zum Ausbruch kommt. Im Korsett eines Lebens, das ihm beruflich und privat keinen Freiraum bietet, an der Seite einer erfolgreichen Ehefrau der Mittelmäßigkeit seiner Existenz zu entrinnen, projeziert er seinen Selbsthass auf sie, Hélène, bis sie ihrerseits die Konsequenzen zieht und ihren Mann allein lässt, um mit dem Zug nach Bordeaux zu fahren. Die nächtliche Odyssee, Antoines Abstieg in die Dunkelheit der Nacht und in die Niederungen der eigenen Seele, ist ein Neo-Noir-Szenario, wie es kaum triftiger sein könnte. Dunans Krise findet den zentralen Punkt ihres Beginns und ihres Endes tief in ihm selbst, doch solche Identität kann die Reise vom Abend bis zum Morgengrauen nicht verkürzen. Minimalistisch und bösartig, völlig ohne Glamour und vordefinierte Bestandteile des Kriminalfilms gelingt Cédric Kahn ein Thriller, der mit seiner unprätentiösen Art und dank des fantastisch getakteten Schnitts eine Spannungskurve aufbaut, der man sich nicht zu entziehen vermag. Auch Carole Bouquet und Vincent Deniard überzeugen auf ganzer Linie, zudem ist faszinierend zu sehen, wie der Regisseur noch Charakteren in kleinsten Nebenrollen bewusst Raum zur Entfaltung lässt.
 
”Away from the confines of his insurance company cubicle, behind the wheel of a car, and disinhibited by alcohol, he goes “off the tracks”, schreibt Guy Savage für Film Noir of the Week über Antoine Dunan, solche für Georges Simenon typische Figur dieses Noir-Dramas. Schlusslichter – Feux rouges ist ein Ausnahmefilm, der eindeutig dem französischen Neo Noir zuzurechnen ist, doch kaum in eine Schublade passt. Während der Roman in den USA des Jahres 1955 angesiedelt ist, holt Kahn das Geschehen ins heutige Frankreich, ohne das Signifikante der Vorlage aus dem Blick zu verlieren und mit einem zusätzlichen Gespür fürs Thrillerkino in der Tradition Alfred Hitchcocks, ohne wiederum diesen zu kopieren. Hätte Cédric Kahn das Niveau auch im Finale bzw. in der letzten Viertelstunde halten können, wäre hieraus ein moderner Klassiker geworden. Aber das gelingt ihm ab der Begegnung Antoine Dunans mit dem Inspektor der Polizei von Tours (Jean-Pierre Gos) nicht mehr, die Entwicklung wird ab hier leider unglaubwürdig. Das Ende gibt dem Zuschauer Spielraum zur Interpretation. Es ist einerseits tragisch und bitter, lässt andererseits jedoch Raum für Missverständnisse der konventionellen Art. Fazit: Ein eigenwilliger, sehenwerter Thriller, der noch besser hätte werden können, dem Freund anspruchsvoller Neo Noirs jedoch vorbehaltlos empfohlen werden kann.
 
Der Film hatte seine Premiere zwar auf den Berliner Filmfestspielen 2004, wurde hierzulande jedoch nie auf BD oder DVD veröffentlicht. Dafür gibt es eine erstklassige Edition von Artifificial Eye (UK, 2004) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, mit französischem Ton und mit englischen Untertiteln, dazu Interviews mit Cédric Kahn, Jean-Pierre Daroussin, Carole Bouquet und den Kinotrailer als Extra. Empfehlenswert!
 

Neo Noir | 2004 | France | Cédric Kahn | Georges Simenon | Jean-Pierre Daroussin | Mylène Demongeot

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 17. Mai 2013 - 17:41

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Ich suche diesen Film schon seit Jahren, doch nur in deutscher Sprache oder mit dt. UT. Bisher gab es nur französische oder englische Fassungen. Können Sie mir sagen, wo man den Film bekommen kann und ob es eine deutschsprachige Fassung gibt oder wenigstens mit dt. UT?

Nein, der Film liegt bis dato weder als BD noch als DVD in einer deutschsprachigen oder auf Deutsch untertitelten Fassung vor. Mir sind lediglich DVD-Fassungen aus Frankreich, Italien und aus England bekannt.

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