Goodbye Lover

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Bewertung
***
Originaltitel
Goodbye Lover
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/GER
Erscheinungsjahr
1998
Darsteller

Patricia Arquette, Dermot Mulroney, Ellen DeGeneres, Mary-Louise Parker, Don Johnson

Regie
Roland Joffé
Farbe
Farbe
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Studiocanal GmbH
 
Los Angeles: Die Immobilienmaklerin Sandra Dunmore (Patricia Arquette) und ihr Schwager Ben Dunmore (Don Johnson), Geschäftsführer einer erfolgreichen Werbeagentur, sind beide ehrenamtlich in der Kirche engagiert. Ben spielt sogar die Orgel, und als Sandra eines Nachmittags zur Zeit der Chorprobe dort erscheint und nach oben auf die Balustrade zu Ben geht, der hinter seinem Instrument vor den Blicken Reverend Finlaysons (Andre Gregory) verborgen ist, legt sie eine Diskette mit Orgelmusik in den Computer ein. Und während Ben scheinbar spielt und im Kirchenschiff der Chor übt, haben die beiden orgiastischen Sex miteinander. Sandra betrügt ihren Ehemann Jake (Dermot Mulroney), der auch in der Agentur beschäftigt ist, jedoch sein Alkoholproblem und seine psychische Labilität partout nicht in den Griff bekommt. Ben betrügt seinen Bruder Jake, der zu ihm, dem erfolgreichen Werbefachmann, aufsieht und auf Hilfe hofft. Schon ist auch dessen Vorgesetzter Bradley (John Neville) nicht mehr gut auf Jake zu sprechen. Steht eins der Luxushäuser, die Sandra zu verkaufen sucht, kurzzeitig leer, vergnügen sich Ben und sie im Prunk der verreisten Inhaber. Eines Nachts, als Ben das schlechte Gewissen plagt, schlägt sie ihm vor, dass er beim Verschwinden von Jake unter Umständen einfach ein nachhelfen müsse. Als kurz darauf seine Assistentin Peggy Blane (Mary-Louise Parker) Ben Dunmore zu verstehen gibt, dass sie ihn für einen tollen Mann hält, ist Ben klar, dass er sich am besten nicht vom eigenen Bruder sondern von dessen Ehefrau trennen sollte…
 
Patricia Arquette, heute in TV-Serien angekommen, ist keine brillante Darstellerin, aber auch in Goodbye Lover ist sie als Femme fatale zumindest passabel. Der Auftakt des Films ist gelungen, wirken auch die Charaktere bereits überzeichnet. Aber solange der Zuschauer über ihre Verbindungen und ihre Motive im Unklaren ist, entwickelt sich einiges an Spannung. Das ungleiche Brüderpaar - in Sam Raimis zeitgleich entstandenem Ein einfacher Plan (FRA/UK/GER/USA/JPN 1998) gibt es das auch - zeigt eine stimmige Chemie; die Darsteller Dermot Mulroney und Don Johnson bringen ihre Charaktere gut zur Geltung. Mit Blick auf die Geschäftsfelder und die Problemzonen der Agentur (“Image is everything.“) streut das Drehbuch einiges an Zynismus ein. Vor allem gibt es aber jene Szene, die Sandra und Ben bei Orgelspiel und Chorprobe in Interaktion zeigt, und das ist an bösartiger Ironie kaum zu überbieten. Hier führt Regisseur Roland Joffé vor, wie gut sein Film hätte werden können. Aber solche Qualität verliert er nach dem ersten Drittel aus dem Blick. Das Trio der Drehbuchautoren bringt in Goodbye Lover als Rollencharaktere durchweg Karikaturen und Knallchargen, die vor Klischees triefen und am Ausgang der Neunziger das Konzept des Neo Noirs nach Vorbildern der Vierziger klar überstrapazieren. Der Humor ist von der Stange und nach einer soliden ersten Hälfte werden nicht nur die Verwicklungen unglaubwürdiger sondern auch das Ende bald vorhersehbar.
 
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© Studiocanal GmbH
 
„Cooler, gemeiner Neo-Noir-Thriller“, schrieb einst TV Spielfilm über Goodbye Lover, aber es trifft auf diese allzu glatte Produktion nicht zu. Wenn das Ende erst da ist, fällt es schwer zu glauben, dass es so flach und erbärmlich sein soll, wie es tatsächlich ist. Der Versuch, über den Polizisten Rollins (Ray McKinnon) noch etwas Spannung und Zynismus einzuspritzen, misslingt. Das ursprüngliche Ende, von Darstellerin Ellen DeGeneres preisgegeben, wäre tatsächlich eines Neo Noirs würdig gewesen, doch es wurde nach einer Preview mit „negativen“ Reaktionen zugunsten der dann nachgedrehten, konservativ harmlosen Variante gestrichen. Bereits zuvor stolpert das Skript über die eigene Ambition, unbedingt tricky und nicht vorhersehbar sein zu wollen, weshalb die Wendungen an vielen Stellen forciert originell und im Grunde grotesk wirken. Mit der Figur der Femme fatale und mit Blick auf einige Zutaten zitiert der Film massiv aus Michael Curtiz’ Solange ein Herz schlägt (USA 1945), der in einer Szene explizit im Fernsehen läuft – heimliches Stelldichein der Liebenden im einsam gelegenen Haus – und vor allem aus Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944) – Mordplan aufgrund doppelter Versicherungssumme im Fall des gewaltsamen Todes eines Ehepartners. Noch die so clever nach Film Noir klingende Unterzeile “No one’s ever been so good at being so bad.“ ist „ausgeborgt“, nämlich vom US-Poster des Film Noirs Der Stachel des Bösen (USA 1949), wo es über Hauptdarstellerin Bette Davis hieß: “Nobody’s as good as Bette when she’s bad.“ Aber auch das macht diesen Film nicht besser, den man sich trotz der Nebendarsteller Vince Gallo, Barry Newman und Lisa Eichhorn nicht ansehen muss.
 
Gute DVD-Edition (2007) der deutschen Kinowelt bzw. Studiocanal GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise deutscher oder englischer Ton, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 1998 | USA | Roland Joffé | Dante Spinotti | Barry Newman | Don Johnson | Lee Weaver | Lisa Eichhorn | Patricia Arquette

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