Bedingungslos

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Bewertung
****
Originaltitel
Kærlighed på film
Kategorie
Neo Noir
Land
DNK
Erscheinungsjahr
2007
Darsteller

Anders W. Berthelsen, Rebecka Hemse, Nikolaj Lie Kaas, Charlotte Fich, Dejan Cukic

Regie
Ole Bornedal
Farbe
Farbe
Laufzeit
109 min
Bildformat
Widescreen
 

 
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Der Polizeifotograf Jonas (Anders W. Berthelsen) ist mit Mette (Charlotte Fich) verheiratet. Zusammen haben sie zwei Kinder, Carla (Fanny Bornedal) und Frederick (Daniel Stampe). Die Familie lebt in Kopenhagen und hat im neu erbauten Stadtviertel Amager ein luxuriöses Apartment gekauft, was eine finanzielle Belastung bedeutet. Im Stillen hängt der Mann um die Vierzig seinen Jugendträumen nach – Reisen in Tropenregionen und ein Leben als Fotojournalist an den spektakulären Orten der Welt. Sein Alltag besteht jedoch darin, dass er mit den Polizisten Frank (Dejan Cukic) und Poul (Karsten Jansfort) Tatorte aufsucht und Mordopfer ablichtet – auch tote Kinder, wenn es sein muss. Abends im Bett neben Mette durchblättert Jonas Ausgaben von National Geographic und lässt seinem Fernweh freien Lauf. Eines Tages fährt die Familie mit ihrem alten Wagen, der viele Macken hat, auf einer Landstraße, als plötzlich der Motor den Dienst versagt. Ein ihnen folgendes Auto - am Steuer die aus Hanoi, Vietman, heimgekehrte Julia Castlund (Rebecka Hemse), die per Handy telefoniert - kann nicht mehr bremsen und kollidiert vor aller Augen mit einem entgegen kommenden Fahrzeug. Julia wird aus ihrem Wagen geschleudert und Jonas leistet auf offener Straße erste Hilfe. Nicht allein der Schuldkomplex, immerhin kam der Fahrer des entgegen kommenden Wagens sogar ums Leben, treibt Jonas ins Krankenhaus, wo er die Schwerverletzte besuchen möchte. Doch der Zutritt zur Intensivstation ist nur Angehörigen gestattet, und so gibt sich Jonas als “ihr Freund“ aus und trifft im Zimmer der im Koma befindlichen Patientin auf deren Familie. Hier kommt es zu einem Missverständnis, als diese ihn für Sebastian (Nikolaj Lie Kaas) hält, den Susanne in Vietnam kennen gelernt hat und der für sie offenbar eine enorme Bedeutung hat. Von dem Moment überwältigt, tritt Jonas in die Rolle Sebastians, dessen Liebe Julia ins Leben zurück holen soll…
 
„Schöne Frauen und Mystik. Beginnt nicht jeder Film noir so?“ fragt Frank seinen Kollegen und Jugendfreund  Jonas, noch bevor er von dessen Rolle als Sebastian erfährt. Ja, ein Film Noir ist Ole Bornedals Bedingungslos durch und durch. Seine erste Szene ist ein Zitat der Eröffnung von Billy Wilders Boulevard der Dämmerung (USA 1950) – ein Sterbender liegt nachts im Regen auf der Straße und beginnt seine Geschichte zu erzählen, die nun als eine Rückblende den Zuschauer über all die Ereignisse ins Bild setzt, die zu seinem Tod führten. Der dänische Autor und Regisseur, der sich 1994 mit dem Horrorfilm Nachtwache (1990) einen Ruf erwarb, setzt seine originelle Geschichte überzeugend in Szene. Ein Bewusstsein hinsichtlich des eigenen Tuns bestimmt die Inszenierung, Dramaturgie und fotografische Umsetzung, die sich sowohl in der Montagetechnik auf die Tradition des Film-Noir-Kinos bezieht, als auch solche ein Stück voran treibt. Das Motiv der Versuchung hat Tradition im Film Noir und auch dasjenige der Amnesie, dahinter ein Geheimnis sukzessive zum Vorschein kommt. Somewhere In The Night (1946) und Pitfall (1948) kommen einem in den Sinn. Wo hört die Unschuld auf und wo beginnt die Schuld?
 
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© Ascot Elite Home Entertainment
 
Bedingungslos ist eine klassische Tragödie, deren Leitmotive archetypische Themenkreise der europäischen Theatergeschichte aufgreifen und deren Charaktere so international modernistisch wie zeitlos wirken. Zugleich ist es ein Film, der überaus dynamisch, in seiner Bildsprache unkonventionell und beizeiten von einem bösartig abgründigen Humor getrieben scheint. Sein größtes Plus über die Strecke von fast zwei Stunden sind die Schauspieler, allen voran Charlotte Fich als Mette und Rebecka Hemse als Julia, die fernab der klischeehaften Schönheitsideale Hollywoods zwei Frauenportraits abliefern, die es in sich haben – jeweils eine großartige Leistung. Deren männliche Kollegen machen ihre Sache ebenfalls gut und schließen ans hohe Niveau des dänischen Kinos an, das sich das Land mit Beginn der Dogma-Filme Mitte der Neunziger zu erwerben verstand. Im letzten Drittel gehen dem Autor zugunsten eines allemal bemerkenswerten Finales leider die Pferde durch, so dass Logik und Glaubwürdigkeit mehrfach auf der Strecke bleiben. Zudem ist hier der Film in einigen Szenen von schmerzhafter Brutalität – nichts, die FSK-16-Wertung einmal außen vor, für schwache Nerven. Für den Film-Noir-Freund, der sich zwischen Orson Welles und David Lynch auf sicherem Boden weiß, ist Bedingungslos allemal eine spannende Variation bekannter Motive.
 
Erstklassige DVD von Ascot Elite Home Entertainment, ungekürzt im Originalformat und bildtechnisch topp, jeweils deutsche oder dänische Tonspur mit wahlweise deutschen Untertiteln, den dänischen Trailer als Extra, und tatsächlich sollte man auf die deutsche Synchronisation verzichten, deren Stimmen den Eindruck verfälschen - die Untertitel reichen vollends aus.
 

Neo Noir | 2007 | International | Ole Bornedal | Anders W. Berthelsen | Dejan Cukic

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