City Of Tiny Lights

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Bewertung
****
Originaltitel
City Of Tiny Lights
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
2016
Darsteller

Riz Ahmed, Billie Piper, James Floyd, Cush Jumbo, Roshan Seth

Regie
Pete Travis
Farbe
Farbe
Laufzeit
106 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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London, England: Im West End unterhält der Einwanderer Tommy Akhtar (Riz Ahmed) eine schäbige Detektei und kümmert sich neben dem Aufspüren vermisster Personen um seinen an Prostatakrebs erkrankten Vater Farzad Akthar (Roshdan Seth). Der im Jahr 1973 aus Uganda nach London übergesiedelte ex-Söldner sitzt gern mit seinem Freund Trinidad Pete (Ram John Holder) vor dem Fernseher und sieht Cricket. Aus den Regeln des Spiels leitet er eine Lebensphilosophie ab, seinen moralischen Kompass… An einem verregneten Morgen macht sich Tommy auf den Weg in sein Büro. Als er mit seiner Post in Händen die enge Stiege empor steigt, erwartet ihn am oberen Absatz die hübsche Edelprostituierte Melody Chase (Cush Jumbo). Sie ist auf der Suche nach ihrer aus Russland stammenden Mitbewohnerin namens Natasha (Amanda Andres), die im gleichen Gewerbe tätig ist. Sie hätten in der vergangenen Nacht einen Kunden getroffen, einen Mann im Anzug und so wie Tommy wohl pakistanischer Abstammung, in einem Tunnel im Bezirk Mayfair. Melody überreicht Tommy einige Fotos sowie eine Liste der Hotels, die sie und Natasha häufig nutzen, und der Privatdetektiv berechnet ihr für den ersten Tag 300 englische Pfund. Akthar versorgt sich im Kiosk von Mrs Elbaz (Myriam Archaki) noch mit Zigaretten, staucht kurz ihren Sohn Avid (Mohammad Ali Amiri) zusammen und begibt sich auf die Suche nach der vermissten Natasha. Mit Melodys Liste und ihren Fotos zieht er von Hotel zu Hotel, bis er im Holiday Inn in Paddington fündig wird…

 

“I deal in the lies people tell, and the truths they don’t. I deal in secrets.“ Peter Travis’ mit reichlich Referenzen an den klassischen Film Noir gespickter Thriller im Herzen des heutigen Londons ist einer Verfilmung des gleichnamigen Romans (EA 2005) aus der Feder von Patrick Neate, der auch das Drehbuch verfasste. Manche der Referenzen finden sich in der Sprache, die reich an pfeilschnellen, biestig sarkastischen Dialogen ist, so dass besonders Freunde des US-amerikanischen Film Noirs nach Vorlagen Raymond Chandlers, Dashiell Hammetts oder James M. Cains hier voll auf ihre Kosten kommen. Als ein Neo Noir mit den genannten Wurzeln ist Travis’ sparsam mit den fürs heutige Kino so typischen Action-Einlagen und vertraut lieber auf die miteinander in komplexe Beziehungen verstrickten Charaktere. Schon bald führt die Suche des Privatdetektivs ihn selbst und mehrere Freunde der Vergangenheit zurück zu ihren eigenen Geheimnissen und ihren eigenen Lügen, denen von damals und denen von heute. Damit beackert dieses Werk natürlich kein neues Terrain, eher ist das Gegenteil der Fall, doch die Rollencharaktere selbst, Felix Wiedemanns (Away, UK 2017) wunderbar stimmungsvolle Arbeit mit der Kamera und die immerfort pointierten Dialoge heben City Of Tiny Lights für mich aus der Masse der Thriller heraus. In Zeiten, da der Wert eines Films explizit nach dessen optischen Reizen und dem Nervenkitzel durch aufgeputschte Action und rasante Schnittfolgen bemessen wird, hat es ein Neo Noir wie dieser schwer. City Of Tiny Lights ist Erzählkino und sein Wert liegt in den glaubwürdigen Figuren seiner Geschichte.

 

“For those who’ve seen Riz Ahmed in HBO’s New York-set The Night Of, Pete Travis’ beguiling noir will feel like a London companion piece.“ So schreibt James Mottram für GamesRadar+ und lenkt den Blick auf ein Format, das inzwischen das Erzählkino von einst beerbte, nämlich auf die Fernsehproduktion. Doch während Mottram mit diesem Vergleich seine Wertschätzung des Films zum Ausdruck bringt, heißt es andernorts eher: im Fernsehen ja, im Kino bitte nicht. Letzteres kann ich selbst nicht nachvollziehen, denn City Of Tiny Lights bezieht sich dergestalt auf die Tradition des Kinos, dass es zumindest für Cineasten der Ort sein sollte, wo man sich dieses Werk am liebsten anschaut. Denn auch Pete Travis’ Adaption der literarischen Vorlage profitiert vom erstklassigen Schauspiel des Hauptdarstellers Riz Ahmed und weiterer Beteiligter, unter denen vor allem die jungen Laiendarsteller der Rückblenden hervorstechen. Für den Cineasten ist geradezu beruhigend zu wissen, dass sich der zeitgemäße Independentfilm nicht scheut, einzig auf die Zugkraft einer Geschichte und ihrer Charaktere zu setzen. Diesseits so manch hochwertiger Fernsehproduktion steht City Of Tiny Lights - eine Produktion der BBC Films und des British Film Institutes (BFI) - damit in der Tradition des klassischen Film Noirs und ist allen aufgeschlossenen Connaisseuren sehr zu empfehlen.

 

Erstklassige englische DVD -Edition (2017) der Icon Film Distribution Ltd. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original englische Tonspur mit optional englischen Untertiteln, das Ganze ohne Extras. Warum City Of Tiny Lights, der im September 2016 auf dem Toronto International Film Festival seine Premiere hatte, in Deutschland weder als BD oder DVD auf dem Markt ist und sogar online nicht mal als englische DVD vertrieben wird, ist erneut so ein Rätsel der hiesigen Kulturrezeption und -vermarktung.

 


Neo Noir | 2016 | UK | Pete Travis | Riz Ahmed

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