Raluca

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Bewertung
***
Originaltitel
Raluca
Kategorie
Neo Noir
Land
CZ
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Jan Dolanský, Malvína Pachlová, David Novotný, Helena Dvoráková, Kristýna Frejová

Regie
Zdenek Viktora
Farbe
Farbe
Laufzeit
80 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Prag, Tschechien: Der ex-Polizeibeamte Filip Marold (Jan Dolanský) arbeitet als ein Privatdetektiv in eigener Kanzlei und kümmert sich um Scheidungs- und Betrugsfälle. Es ist ein schmutziges Geschäft, bei dem er sich in bar auszahlen lässt, wenn er im Auftrag von Frau Moucková(Klára Sedlácková) deren Ehemann die Geliebte Simona (Erika Deutschova) mit einer schamlosen Lüge abspenstig macht. Früher war der Polizist Bruno (David Novotný) ein Kollege Filips. Doch nach der Jagd auf die Brüder Roman (Stanislav Majer) und Ivan Vrbovský (Michel Kern), einst Herrscher über Prostitution und Drogenhandel in der Stadt, stand Filip Marold unter dem Verdacht Ivan ermordet zu haben, so dass er den Dienst quittierte. Roman wird in Kürze aus der Haft entlassen, wie Bruno seinem Freund Filip bei einem ihrer Badminton-Spiele mitteilt. Indessen stellt sich Karolína Krausová (Kristýna Frejová) als Klientin bei Filip Marold vor. Filips Sekretärin Markéta (Helena Dvoráková) ist die Dame suspekt, aber Filip übernimmt ihren Fall. Frau Krausová möchte ihren erwachsenen Sohn Martin Kraus (Radim Schwab) bobachten lassen, der ein kriminelles Dasein führt und um den sie sich deshalb sorgt… Nachdem er am Abend mit Markéta, der Ehefrau seines Freundes Bruno, wie so häufig im Büro noch Sex hatte, geht Filip in eine Nachtbar, um Kraus zu beschatten. Er sitzt allein vor seinem Drink, als sich die Tür öffnet und die bildhübsche Raluca (Malvína Pachlová) hereinkommt, die sich ausgerechnet bei Martin Kraus dessen Mobiltelefon leiht…

 

Raymond Chandlers Privatdetektiv Philip Marlowe, Anti-Held zahlreicher seiner Kurzgeschichten und Romane sowie in der Verkörperung durch Dick Powell, Robert Montgomery und Humphrey Bogart eine Ikone des Film Noirs der 40er Jahre, beeinflusst seit den späten 60er Jahren auch Autoren und Regisseure des Neo Noirs. Von Paul Bogarts Der Dritte im Hinterhalt (USA 1969) mit James Garner über Bob Rafelsons Poodle Springs (USA 1998) mit James Caan bis zu Zdenek Viktoras Raluca (CZ 2014) mit Jan Dolanský als Privatdetektiv “Filip Marold“ in Prag wandelt er ungebrochen durch die neuere Filmgeschichte. Nun entstand Raluca nicht nach einer Vorlage Raymond Chandlers. Zdenek Viktora nutzt den abgewandelten Namen lediglich als Verweis auf die Film-Noir-Tradition, darin er seine Erzählung verortet. Letztere aber folgt in allen Details der Struktur und den Mustern der Literatur und der Filme des Zeitalters Raymond Chandlers. Mit vielen Rückblenden, einem Erzähler aus dem Off, der Großstadt bei Nacht und dem Privatdetektiv samt Femme fatale in einem undurchsichtigen Netz aus Liebe, Loyalität, Betrug und Verdammnis, darin nichts ist, wie es scheint, sowie mit Geheimnissen der Vergangenheit, die im Hier und Heute keine Ruhe geben, mit alledem ist Raluca ein exemplarischer Film Noir. Zudem macht er es dem Zuschauer in seiner ersten Hälfte leicht. Zwar erkennen Cineasten die Rollencharaktere nahezu sofort, erinnern sie uns doch an Filme, die als Vorbilder von Autor und Regisseur Zdenek Viktora die Motive und teils sogar die Bildkompositionen lieferten – so etwa Edward Dmytryks Murder, My Sweet (USA 1944) oder auch Lawrence Kasdans Heißblütig - Kaltblütig / Eine heißkalte Frau (USA 1981). Doch Filip und Raluca als zentrale Charaktere des Films erscheinen in ihrer von erotischer Anziehung befeuerten Beziehung glaubwürdig. Jan Dolanskýs und Malvína Pachlovás Leistungen treffen den Nerv ihrer Figuren, demgegenüber die Begleitumstände überaus rätselhaft und kaum vorstellbar scheinen. Aber auch letzteres erklärt sich im Zug der Handlungsentwicklung. Zentrales Problem: Wir haben all das schon Dutzende Male exakt so miterleben dürfen. Raluca mag vieles sein, frisch ist der Film nie und nimmer, eher das Gegenteil dessen, und die sorglose Übernahme von Standards und Klischees wird ihm schlussendlich zur Krux.

 

Zdenek Viktora ist sichtlich bemüht, in Raluca von Anbeginn eine Sogwirkung zu entfachen, nicht zuletzt durch einige vorerst verwirrende Geschehnisse und eine verschachtelte Narration. Doch im letzten Drittel erscheint die zugespitzte Situation zu weit hergeholt, der Privatdetektiv zu naiv und der Racheplot leider auch abgedroschen. Dieser tschechische Neo Noir ist ein Beispiel für die Art Werk, die der Film-Noir-Freund schnell wertschätzen kann und von dem er sich in seinem Fortgang wünscht, er möge sich in den für die mit Zitaten gespickte Attitüde naheliegenden Fallstricken nicht verfangen. Dann passiert genau das und mit der Wertschätzung geht es bergab, demgegenüber ich stets bedaure, dass der Film sein Niveau nicht zu halten vermag und im Altbekannten versandet. Das Finale ist zwar pointiert, der Schlusspunkt konsequent, dennoch werde ich mir Heißblütig - Kaltblütig / Eine heißkalte Frau (USA 1981) noch wiederholt ansehen und Raluca wohl nicht. Auf ausgetretenen Pfaden Neues zu entdecken und diese Entdeckungen sichtbar werden zu lassen, ist eine Herausforderung. Aber genau die muss sich ein Neo Noir, dessen Protagonist Filip Marold heißt, allemal stellen, denn daran wird er gemessen. Zdenek Viktoras Spelfilmdebüt kann man sich getrost ansehen. Es wird den Film-Noir-Freund kaum enttäuschen, wird ihn aber auch in keiner Weise beeindrucken. Schade!

 

Sehr gute tschechische DVD-Edition (2014) der SCREENNPLAY BY s.r.o. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die original tschechische Tonspur inklusive englischer Untertitel, einige geschnittene Szenen und den Kinotrailer als Extras. In Deutschland ist sie bis dato nicht erhältlich.

 


 

 

Neo Noir | 2014 | International | Zdenek Viktora | Stanislav Majer

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