Dirty Harry

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Bewertung
****
Originaltitel
Dirty Harry
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1971
Darsteller

Clint Eastwood, Harry Guardino, Reni Santoni, John Vernon, Andrew Robinson

Regie
Don Siegel
Farbe
Farbe
Laufzeit
104 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Warner Bros.

San Francisco an einem Sommertag: Auf dem Flachdach eines Apartmentblocks schwimmt eine Frau (Diana Davidson) in einem Swimming Pool, als vom Dach eines gegenüberliegenden Hochhauses ein Scharfschütze (Andrew Robinson) sie in den Rücken trifft und tödlich verletzt… Inspektor Harry Callahan (Clint Eastwood) inspiziert den Tatort und begibt sich im Anschluss aufs Dach des Hochhauses, von dem aus der Schütze sein Opfer tötete. Hier findet er die Patronenhülse des großkalibrigen Gewehrs und an die Fernsehantenne gesteckt eine Botschaft des Mörders, die jener mit dem Namen “Scorpio“ unterzeichnete. Adressiert ist sie an die Stadt von San Francisco, von der der Unbekannte 100.000 US-Dollar verlangt, ansonsten würde er täglich ein weiteres Opfer finden, entweder einen Katholiken oder jemanden von dunkler Hautfarbe. Im Büro von San Franciscos Bürgermeister (John Vernon) bespicht jener die Situation mit dem Polizeichef (John Larch) und mit Lieutenant Bressler (Harry Guardino), die ihn darüber informieren, dass Inspektor Callahan die Untersuchung leite. Als jener hereingebeten wird, ermahnt ihn der Bürgermeister, diesen Fall weniger brutal und spektakulär anzugehen als einige in seiner Vergangenheit… Als Callahan am Nachmittag in dem von ihm bevorzugten Imbisslokal einen Halt einlegt, erkundigt er sich beim Inhaber Jaffe (Woodrow Parfrey), ob die vor der Bank gegenüber haltende Limousine noch den Motor laufen habe. Dann bittet er ihn, anstatt seiner bei der Polizei anzurufen…

 

Das Jahr 1971 markiert in mehrfacher Hinsicht die Rückkehr des Tough Guys in den Thriller und ins Neo-Noir-Kino. Die neue alte Schule nach Rollenmodell der Privatdetektive Same Spade (Die Spur des Falken / Der Malteser Falke, USA 1941), Philip Marlowe (Murder My Sweet, USA 1944) oder nach Polizisten wie Detective Joe Warne (Nocturne, USA 1946) kam in mehreren erfolgreichen Filmen zum Tragen. Richard Roundtree als Privatdetektiv John Shaft (Shaft, USA 1971), Gene Hackman als New Yorker Polizist Jimmy “Popeye“ Doyle (French Connection / Brennpunkt Brooklyn, USA 1971) und Clint Eastwood als Inspektor Harry Callahan in Dirty Harry folgten einem drei Jahre zuvor mit Steve McQueen als Frank Bullitt in Peter Yates’ Bullitt (USA 1968) wieder als salonfähig erklärtem Strickmuster. Dass allein drei der Filme ihre “Helden“ im Titel tragen, sagt viel über ihre Larger-than-Life-Charaktere, die sich selbst genug sind und denen die vom Staat per Gesetz festgeschriebene Struktur von Recht und Ordnung stets zu klein anmutet. Bullitt, Shaft, Doyle und “Dirty Harry“ sehen sich je als Inkarnation einer privaten Moral, die zwar der allgemeinen Rechtsauffassung zu folgen scheint, doch in der Strafverfolgung auf keine anderen Instanzen als den eigenen starken Arm und eine Dienstwaffe angewiesen ist. “Dirty Harry and the homicidal maniac. Harry’s the one with the badge.“ So warb 1971 ein Kinoplakat für Don Siegels Neo Noir und klärte darüber auf, in welchem Ausmaß die Grenzen zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gesetz und Verbrechen, zwischen Gut und Böse darin verschwimmen. Wie Detective Mark Dixon (Dana Andrews) in Otto Premingers Faustrecht der Großstadt (USA 1950) oder Detective Sergeant Dave Bannion (Glenn Ford) in Fritz Langs Heißes Eisen (USA 1953) erinnert das Vorgehen Harry Callahans mehr an einen Rachefeldzug als an die alltägliche Arbeit eines Polzeibeamten.

 

“Dirty Harry situierte sich in einem Spannungsfeld der ambivalenten, desillusionierten Anti-Helden des Neo Noir und der konservativen, von (…) Misstrauen gegenüber Rechtssystem und Justiz geprägten Vigilantefilme“, schreibt Julia Bee in ihrem Artikel Folter und die Grenzen des Humanen (2013). In vier Jahren arbeiteten Don Siegel und Clint Eastwood bei Dirty Harry zum vierten Mal zusammen. Nach drei vorhergehenden Western sollte dieser Thriller für beide den endgültigen Durchbruch im Filmgeschäft einläuten. Der damals 58jährige Siegel war seit 1946 als Regisseur aktiv und mit mehreren klassischen Film Noirs hervorgetreten; der just 40jährige Eastwood hatte ab 1955 erste Filmrollen gespielt. Während Siegel mit seinem Neo Noir Nur noch 72 Stunden (USA 1968) nach einem Drehbuch Abraham Polonskys und mit der Figur des Detectives Daniel Madigan (Richard Widmark) einen fragilen Rollencharakter und einen vielschichtigen Film schuf, setzte Dirty Harry die Maßstäbe fürs Popcorn- und Actionkino der 70er Jahre. Wie auch John Shaft ist Harry Callahan eine schlichte und in seinem Fanatismus ungebrochene Figur, solches im Gegensatz zum komplexeren Jimmy “Popeye“ Doyle in Friedkins French Connection / Brennpunkt Brooklyn (USA 1971), der 1972 zu Recht den Oscar als Bester Film und für den Gene Hackman seinen Oscar als Bester Hauptdarsteller erhielt. Von derlei Meisterschaft ist Dirty Harry weit entfernt. Allemal ist Don Siegels Thriller temporeich und spannend und besticht wie zuvor Nur noch 72 Stunden durch eine wunderbare Kameraarbeit, diesmal in der Großstadt San Francisco. Indessen French Connection / Brennpunkt Brooklyn nur zu einer Forstzung fand - John Frankenheimers French Connection II (USA 1975) - trat Clint Eastwood zwischen 1973 und 1988 noch vier Male in der Rolle Inspektor Harry Callahans auf.

 

Erstklassige BD- und DVD-Editionen (2008) der Warner Home Video Germany mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive der original englischen Tonspur und der deutschen Synchronisation, dazu Unteritel auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Dänisch, Estnisch, Finnisch, Tschechisch, Polnisch, Griechisch, Italienisch, Norwegisch und Schwedisch, als Extras ein Audiokommentar von Richard Schickel in englischer Sprache, Interviews mit div. Schauspielern auf Englisch und mit deutschen Untertiteln, alle 5 Kinotrailer zur Dirty-Harry-Serie (USA 1971-1988) und obendrein diverse Making Ofs in englischer Sprache mit Untertiteln.

 


Neo Noir | 1971 | USA | Don Siegel | Andrew Robinson | Clint Eastwood | John Larch | John Vernon | Josef Sommer

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