Algiers

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Bewertung
****
Originaltitel
Algiers
Kategorie
Pre Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1938
Darsteller

Charles Boyer, Sigrid Gurie, Hedy Lamarr, Joseph Calleia, Alan Hale

Regie
John Cromwell
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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In der Hafenstadt Algier ist Police Commissioner Janvier (Paul Harvey) soeben aus Paris eingetroffen und lässt sich auf dem Polizeipräsidium von Chief Inspector Louvain (Walter Kingsford) vor dem Stadtplan an der Wand das Wesen des als Casbah bekannten Stadtviertels erklären. Die Casbah ist ein Schmelztiegel der Nationen, der Ethnien und individuellen Schicksale und als ein wilder Dschungel der Architektur ein idealer Schlupfwinkel für jemanden, der sich vor Ort dem Zugriff der Behörden einer fremden Zivilisation entziehen will. Seit zwei Jahren ist der international steckbrieflich gesuchte Juwelendieb Pépé le Moko (Charles Boyer) dort untergetaucht und geht in der Casbah weiterhin seinen einträglichen Geschäften nach. Janvier hat kein Verständnis dafür, dass die Polizei seither nicht in der Lage war ihn festzunehmen. Als der für die Casbah zuständige Inspektor Slimane (Joseph Calleia) zudem erklärt, dass er Pépé le Moko tatäglich sähe und heute sogar mit ihm zu Mittag gegessen habe, befiehlt Janvier über den Kopf Louvains hinweg eine nächtliche Razzia… An diesem Abend verhandelt Pépé le Moko im Beisein seiner Freude Carlos (Stanley Fields) und Pierrot (Johnny Downs) mit Grandpère (Alan Hale) über den Preis einiger Schmuckstücke aus seinem letzten Raubzug. Als Janvier und Louvain mit 12 bewaffneten Männern in die Casbah einfallen, wird Pépés Freundin Ines (Sigrid Gurie) von dem zwielichtigen Régis (Gene Lockart) davon in Kenntnis gesetzt. Doch die Polizei scheint diesmal bestens informiert zu sein…

 

”Algiers is an entertaining little drama which is easy and enjoyable to follow thanks to the smooth direction of John Cromwell and the confident performances of all the cast”, schreibt Andy Webb für The Movie Scene und trifft es. In erster Linie aber ist Algiers das Remake des von Julien Duvivier gedrehten und im Jahr zuvor uraufgeführten französischen Films Pépé le Moko - Im Dunkel von Algier (FRA 1937) mir Jean Gabin in der Rolle des Juwelendiebs sowie Mireille Balin als Gaby Gould und Line Noro als Ines, den Frauen an seiner Seite. Solche erste Adaption des Romans Pépé le Moko (EA 1931) von Henri La Barthe (unterm Pseudonym Roger d'Ashelbé) ist ein Meisterwerk (des französchen poetischen Realismus’) und das ist John Comwells sorgfältig inszeniertes Remake nicht. Hinter Algiers stand der US-amerikanische Filmproduzent Walter Wanger, der mit der US-Adaption der literarischen Vorlage der Vorliebe Hollywoods für exotische Schauplätze und orientalische Dramen folgte. In jenen 30er Jahren waren Peter Lorre (ab 1937) und Warner Oland (seit 1931) als chinesische Detektive Mr. Moto und Charlie Chan im Kino zu bewundern. Josef von Sternberg hatte Marokko (USA 1930) und Richard Boleslawski Der Garten Allahs (USA 1936) vorgelegt. In Lewis Milestones Der General starb im Morgengrauen (USA 1937) verband sich dieser Exotismus in einem expressionistischen Agententhriller mit den Vorzeichen des Film Noirs. Walter Wanger hat zugunsten seines Remakes versucht, alle Kopien von Julien Duviviers Pépe´le Moko - Im Dunkel von Algier zu vernichten, eine ebenso brutale wie seinerzeit übliche Praxis, doch ist es ihm nicht gelungen. Allemal ist der von Regisseur John Cromwell und Kameramann James Wong Howe umgesetzte und im weiteren mit Charles Boyer, Sigrid Gurie und Hedy Lamarr wunderbar besetzte Algiers längst nicht so schlecht wie sein Ruf, der in einer Handvoll negativer Kritiken begründet liegt.

 

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“Did you ever see a clock that pointed to two and struck four when it is really quarter-past-twelve? Well, your friend Regis is like that.” Der für den Film Noir der 40er Jahre so einflussreiche Schriftsteller James M. Cain (Frau ohne Gewissen, USA 1944) hat am Drehbuch mitgewirkt, für welches er zusätzliche Dialoge schrieb, und ich bilde mir ein es zu bemerken. Das von Cromwell minutiös an Duviviers Film orientierte Remake hat in James Wong Howe (Jagd nach Millionen, USA 1947) einen der Großmeister der Schwarzweiß-Ästhetik Hollywoods und genau jener lässt die Studiobauten überhaupt erst zur Casbah der nordafrikanischen Hafenstadt Algier werden. Die österreichische Exilantin Hedy Lamarr ist in ihrem ersten US-amerikanischen Film zu bewundern, aber mich persönlich hat vor allem die nurmehr wenig bekannte Sigrid Gurie ( A Voice In The Wind, USA 1944) in der Rolle der Ines begeistert. Charles Boyer ist als Pépé le Moko so exzellent wie immer, wenn er um eine Frau herum zirkelt, wie er das später auch in Das Haus der Lady Alquist (USA 1944) tun sollte, ebenfalls Remake eines europäischen Films, nämlich Gaslight (UK 1940) von Thorold Dickinson. Aufgrund der US-Zensurbehörde namens Production Code Administration und ihres fanatischen Direktors Joseph L. Breen musste das ursprüngliche Ende abgewandelt werden, was dem Film zuletzt aber nicht schadet. Zehn Jahre versuchte sich Regisseur John Berry mit Schauspieler Tony Martin als Pépé le Moko in Casbah - Verbotene Gassen (USA 1948) an einer nächsten Adaption, doch bis auf Peter Lorre als Slimane wurde es die schwächste und deshalb wohl bis dato auch letzte Fassung.

 

Algiers ist ein Film der Public Domain und weltweit in zahllosen DVD-Editionen auf dem Markt, die sich alle durch eine mehr oder minder schlechte Bild- und Tonqualität auszeichnen. Der Film ist demgegenüber ungekürzt und im Originalformat mit dem original englischen Ton vorhanden, bildtechnisch ist er meist auch akzeptabel, doch eine hochwertige Restauration dieses Werks, die sich allemal lohnte, steht bis dato noch aus.

 

Pre Noir | 1938 | USA | John Cromwell | Henri La Barthe | James M. Cain | James Wong Howe | Charles Boyer | Joseph Calleia | Paul Harvey | Hedy Lamarr

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