Pretender, The

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Bewertung
***
Originaltitel
Pretender, The
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Albert Dekker, Catherine Craig, Charles Drake, Alan Carney, Linda Stirling

Regie
W. Lee Wilder
Farbe
s/w
Laufzeit
69 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Investmentbanker Kenneth Holden (Albert Dekker) beteiligt sich an der New Yorker Börse an Aktiengeschäften und verliert bei weitem mehr Geld, als er besitzt. Sein Geschäftspartner Charles Lennox (Selmer Jackson), darüber selbst erregt, unterrichtet Holden am Telefon über dessen andauernde Misere, nachdem Holden sich erst von seiner Sekretärin Ms. Chalmers (Peggy Wynne) verleugnen ließ. Schließlich bleibt ihm keine Wahl. Kenneth Holden veruntreut Geld aus dem Fonds der reichen Claire Worthington (Catherine Craig), deren Vater ihn einst zu ihrem Vermögensverwalter erkor, und er tut es nicht zum ersten Mal. Inzwischen hat sich eine stolze Summe angehäuft, doch Holden glaubt noch immer an einen Rückgewinn des Geldes. Allemal steht ihm an diesem Tag das Wasser bis zum Hals. Er weiß, dass sein Leben um einiges einfacher wäre, wenn er zu Claire nicht nur in einer Geschäftsbeziehung stünde… Kenneth Holden ruft sie an und verabredet sich mit ihr für den Abend. Zuvor besucht er einen Blumenladen, wo er ihr ein edles Bouquet aussucht und zuschicken lässt. Als er um 7 Uhr bei Claire eintrifft, findet er sie jedoch in der Gesellschaft einiger Freunde, und sie weigert sich, diese nach Hause zu schicken oder sie zu ignorieren. Zu allem Überfluss ruft ihn Charles Lennox sogar hier an und verabredet sich mit ihm in einem Nachtclub in Manhattan. Dort angekommen, eröffnet Lennox dem verschuldeten Bankier, dass seine Lage sich seit dem Morgen verschlimmert habe und Holden ihm weitere 42.000 US-Dollar schuldig sei…

 

“The Pretender, a second feature from Republic Pictures, is (…) overly contrived and forces itself upon us, but (…) we still want to see how its particular gimmick plays out on-screen”, schlussfolgert Mark Fertig für Where Danger Lives und hat vollends Recht damit. William Lee Wilder, einst mit dem Vornamen Wilhelm getauft, war der jüngere Bruder Billy Wilders, beide ursprünglich aus Österreich-Ungarn. Im Exil in den USA konnte er den Namen William aber nicht führen, nachdem der jüngere, bei Geburt Samuel geheißene Bruder dort seit 1934 unter der Kurzform “Billy“ firmierte. W. Lee Wilder führte ab 1946 in einer Reihe von B-Filmen Regie, darunter einige dem Film Noir zuzurechnen sind, erreichte aber nicht ansatzweise die Klasse seines begnadeten, neben  Alfred Hitchcock und John Huston für Hollywood in den 40er Jahren enorm einflussreichen Bruders. Während der Exilant Edgar G. Ulmer (Detour, USA 1945) in seinen B-Filmen trotz geringer Budgets durch Kreativität und drastisch zugespitzte Erzählungen hervorstach, ist The Pretender trotz seiner biestig dunklen Geschichte langweilig und platt inszeniert. Zwei Dinge sind es, die solche fade Produktion vor allem im Schlussteil vor dem Vergessen retteten, nämlich ihr Hauptdarsteller Albert Dekker (Rächer der Unterwelt / Die Killer, USA 1946) und ihr Kameramann John Alton, ebenfalls in Österreich-Ungarn gebürtig, der hier seinen ersten Film Noir bebilderte und danach für über 10 Jahre (Das Leben ist Lüge, USA 1958) der Stilrichtung seinen Stempel aufprägte. Auch wenn beide mit spürbar angezogener Handbremse zu operieren gezwungen sind, erweist sich das The Pretender im Finale nur wegen ihrer Talente noch als stimmig und sogar spannungsvoll.

 

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“You can’t afford to loose her, Kenneth. You’ll have to give an accounting. That will mean a lot of trouble…” Die Stimmen in seinem Kopf treiben den nach außen so respektablen, erfolgreichen Geschäftsmann Kenneth Holden auf einen Abgrund zu, der ihm eine Entscheidung aufnötigt. Und Holden findet sich einer Gelegenheit gegenüber, mit der er seinen Widersacher, den ihm unbekannten Verlobten der von ihm wegen ihres Vermögens so dringend benötigten Claire Worthington, aus dem Weg zu räumen… Jener eine Schritt vom Weg ab, er ist ein Merkmal des Film Noirs, das nicht selten in einen Tumult der inneren, psychischen Kräfte führt, die wiederum für die Bilderwelten des Film Noirs eine reizvolle Herausforderung darstellten. Der mörderische Homme fatale, der es aufs den Reichtum der verführten Frauen abgesehen hat, war bereits mit Alfred Hitchcocks Im Schatten des Zweifels (USA 1943) und mit Robert Floreys Danger Signal (USA 1946) in jenem Kanon der Thriller aus Hollywood zu einer Figur am Rande der Psychopathologie geworden. In The Pretender ist das Begehr der geplanten Seele aber ein etwas anderes. Genau dies, so wenig glaubwürdig die Ausführung in ihren Einzelheiten daherkommt, lässt den Film für den Film-Noir-Connaisseur noch heute zu einem zumindest kleinen Vergnügen werden, wie auch Mark Fertig in seiner Erörterung feststellt.

 

Eine DVD-Edition (2013) von Mr. Fat-W Video (USA, codefree)) bringt den in der Public Domain befindlichen Film als Hardcopy auf den Markt. Doch bild- und tontechnisch ist die nicht restaurierte, womöglich von einer VHS-Kassette kopierte Fassung bescheiden, allemal ungekürzt im Originalformat mit dem original englischen Ton, ohne Untertitel und ohne Extras.

 


Film Noir | 1947 | USA | W. Lee Wilder | John Alton | Albert Dekker | Charles Drake | Cay Forester

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